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Auf der Suche nach einer sinnstiftenden Arbeit

Die Generation Y setzt sich mit ihrem Wunsch nach einem erfüllten Arbeitsleben selbst unnötig unter Druck.
Von Mercedes Lauenstein
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    Foto: andreafleischer/photocase

Der Satz „Karriere ist mir nicht wichtig, ich will nur ein schönes Leben“ zählt neben „Die Mieten werden immer teurer“ zu den derzeit populärsten. Junge Menschen wollen heute lieber keine reichen, aber durchgedrehten Manager mit Augenringen und ohne Zeit für Familie und Leben ­werden, lieber nicht wie Lemminge ins Büro marschieren, lieber keine Durchschnittsjobs machen. Sie wollen in Maßen und mit Spaß arbeiten, etwas bewirken, glücklich werden, nichts bereuen. Klingt gut. Aber leider ist es ein Irrtum, dass diese Geisteshaltung automatisch zu einem glücklicheren Leben führe. Je größer die Ansprüche, desto größer das Risiko, dahinter zurückzubleiben.

Der unbedingte Wunsch, ein möglichst sinnstiftendes, selbstbestimmtes Leben zu führen, ist auch nur eine Spielart des Ehrgeizes. Und zwar eine kompliziertere: Glück ist schwerer zu finden, als richtig hart Karriere zu machen. Das wird zwar gern verlacht: Weiß doch jeder, dass Kohle nicht glücklich macht, haha! Dabei checkt aber keiner, dass der Wunsch nach einem „erfüllten Leben“ ­einen viel fieseren Leistungsdruck bringt. Die Überzeugung, ein Leben ohne Versäumnisse sei möglich, wird ja auch überall propagiert: von ­Instagram bis zu Werbeplakaten, die man aus der Trambahn sieht.

 

Klar, niemand muss sich unter Wert verkaufen oder soll etwas tun, das er gar nicht kann oder ernsthaft hasst. Aber für alles andere gilt meistens: Woanders wartet auch nur das normale ­Leben mit seinen Ausschlägen nach oben und unten.

 

Wie also geht ein zufriedenes Leben, wenn auch die Live-your-dream-Idee als Utopie enttarnt ist? Oder ist genau diese Frage das Problem, weil sie wieder in einen Teufelskreis der hohen Erwartungen führt? Vielleicht reicht es, sich vor Augen zu halten, dass große Ambitionen große Enttäuschungen bergen. Und dass das kein Grund ist, zu verzagen. Hinter all dem Ärger steckt ja doch nur ein junger Mensch mit den besten Absichten: man selbst. Soweit also alles normal. Zeit, ein bisschen gelassener und freundlicher zu sich zu werden.

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