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Antifa-Gaming: "Überall wo es Nazis gibt, da muss es auch Antifaschisten geben"

Oskar ist 16 und arbeitet seit knapp einem Jahr bei Antifa Gaming als Pressesprecher und Administrator.
christoph-gurk

Hallo Oskar, wie machen sich die Nazis in der Gaming Szene denn bemerkbar? Die Nazis breiten sich recht vielseitig in der Szene aus. Es gibt faschistische Clans und Communities, die geben sich dann die entsprechenden Namen oder machen diskriminierende, rassistische und antisemitische Äußerungen in den Chats. Ist dir selber auch schon passiert? Klar. Kannst du dich an die letzte Situationen erinnern, wo ein Nazis dich beleidigt hat? Ich bin in einer Liga registriert und habe dort ein Gästebuch. In dem gibt es fast täglich verbale Übergriffe von Nazis.

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Die Homepage von Antifa-Gaming Was machst du dann? Meistens kommentieren die Nazis auf relativ niedrigen Niveau. Wenn ich merke, dass die selber gar nicht wissen, was sie da von sich geben, ignoriere ich sie. Oft diskutiere ich aber auch mit ihnen. Hast du das Gefühl, dass das etwas bringt? Nein, leider nicht. Die meisten sind in ihrer Meinung so festgefahren, dass das sinnlos ist. Machen die Nazis während dem Spiel auch Propaganda? Das ist ganz unterschiedlich. Oft haben die Clans nur einen faschistischen Namen, es gibt aber auch Spieler, die Nachrichten mit Nazi-Kommentaren versenden. Wir bekommen zum Beispiel oft welche wie „Scheiß Zecken“, weil in unserem Clan Namen „Antifa“ steht. Was kann man tun, wenn man selber solchen Attacken ausgesetzt ist? In den Ligen gibt es Administratoren, an die man sich wenden kann. Leider sind diese aber oft nicht zu unseren Gunsten eingestellt, viele Nazis kommen ungestraft davon, während Antifaschisten oft härter bestraft werden. Schwieriger wird es, wenn man auf einem Server spielt. Auf seinem eigenen kann man die Nazis natürlich bannen, auf anderen Servern hilft nur komplett fertig machen, weil man besser spielt als der andere. Technisch besiegen anstatt moralisch also … Wenn die Nazis Parolen schreien und dich dumm anmachen, ist es schön zu sehen, dass sie ganz schnell den Schwanz einziehen, wenn man besser spielt als sie - und das ist meistens der Fall. Was für Spiele werden am meisten von Nazis genutzt? Bevorzugt natürlich Spiele, die sich um den Zweiten Weltkrieg drehen – und dann natürlich auf der deutschen Seite. Nazis sind aber in allen Spielen vertreten, egal ob das etwas mit dem Irak-Krieg zu tun hat oder ob es ein Rollenspiel ist. Was spielst du denn für ein Spiel? Hauptsächlich Counter Strike, aber auch Return To Castle Wolfenstein, Team Fortress 2, Quake III Arena. Bei Castle Wolfenstein kann man zum Beispiel sowohl auf der Seite der Nazis als auch auf der der Alliierten spielen. Welche Seite spielst du? Also bei Wolfenstein bin ich lieber Alliierter, aber es gibt auch Spiele, wo ich lieber Deutscher bin. In vielen Spielen wird die Geschichte ja auch kritisch betrachtet. Nicht jedes Spiel, in dem man Nazi sein kann, ist auch gleich bedenklich. Im Multiplayer-Modus muss es eben immer zwei Parteien geben, da ist die Rahmenhandlung eigentlich egal. Ist es denn so, dass die Nazis dann auch mal Alliierte spielen? Ich denke, das ist unterschiedlich, aber im allgemeinen würde ich sagen, dass sie öfter auf der Seite der Nazis spielen. Was macht ihr von Antifa-Gaming gegen Nazis in der Gaming Szene? Wir machen ganz allgemeine Aktionen, die sich gegen Nazis richten, aber auch spezielle, in denen wir gezielt gegen bestimmte Clans vorgehen. Hauptsächlich wollen wir aber Gamer darüber informieren, dass es eine Unterwanderung der Szene durch Nazis gibt. Wir bieten Antifaschisten, die im Netz unterwegs sind oder dort spielen, eine Austauschplattform. Außerdem haben wir eine kleine News-Redaktion zu Themen, die mit Antifa, Politik und Internet zu tun haben und wir bieten mehrere Server zum Spielen an. Wie kam es dazu, dass ihr euch gegründet habt? Schon vor der Gründung von Antifa Gaming gab es einen Clan, in dem viele Antifaschistischen mitgespielt haben. Wir hatten schon vorher beobachtet, dass auch im Gaming Bereich faschistische Tendenzen vertreten sind. Der zündende Funke war aber, als ein Freund des Clans von Neonazis angegriffen wurde, die ihm Hakenkreuze in die Haut ritzten. Ich denke, überall wo es Nazis gibt, da muss es auch Antifaschisten geben. Fahrt ihr mit eurem Clan auch auf Turniere? Nein, bis jetzt noch nicht. Wir haben aber viele Leute, die sich auch im echten Leben kennen und zusammen auf Turniere fahren. Dort spielen sie dann unter dem Namen Antifa Gaming. Was gibt es da für Reaktionen? Das ist sehr unterschiedlich. Zum einen gibt es viele Leute, die unser Projekt gut finden, zum anderen aber auch viele, die meinen, dass Gaming nicht politisch sein sollte. Dazu muss ich aber sagen: Wir sind nicht politisch. Unser erstes Ziel ist es, gegen Nazis zu kämpfen. Wir sind kein Clan nur von Punks oder Kommunisten. Jeder der etwas gegen Nazis hat, der ist bei uns richtig. Was habt ich denn bis jetzt schon erreicht? Wir haben so lange auf die Administratoren einer Liga eingeredet, bis sie ein Nazi-Team rausgeschmissen haben. Und was habt ihr noch für Ziele? Ganz allgemein wollen wir Jugendliche in der Gaming Szene auch für politische Themen interessieren, sie aufklären und ihnen zeigen, dass Antifa-Arbeit viel Spaß macht. Außerdem arbeiten wir gerade an einem Outing, bei dem wir Informationen über Nazis sammeln. Und dann wollen unsere Counterstrike-Teams in den Ligen natürlich ganz oben mit dabei sein… Mehr zum Thema: Im Netz bei Antifa-Gaming.de und bei jetzt.de im Interview mit MTV-Moderator Markus Kavka über das Projekt Störungsmelder sowie Gespräch mit Patrick Gensing, dem Macher der Site NPD-Blog.info

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