Süddeutsche Zeitung

Unsere Kernprodukte

Im Fokus

Partnerangebote

Möchten Sie in unseren Produkten und Services Anzeigen inserieren oder verwalten?

Anzeige inserieren

Möchten Sie unsere Texte nach­drucken, ver­vielfältigen oder öffent­lich zugänglich machen?

Nutzungsrechte erwerben

Kommt ein Pferd in die Midlife-Crisis

Illustration: Katharina Bitzl / Netflix

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Die Serie:

Es ist erstaunlich kompliziert, die Handlung von „BoJack Horseman“ zu erklären, aber wir wollen es trotzdem mal versuchen:

Wir befinden uns in einer (Cartoon-)Welt, in der anthropomorphe Tier-Mensch-Hybriden neben Menschen und Tieren existieren.  

Der Schauplatz: Los Angeles. Das Personal: Da wäre erstens der Namensgeber der Serie, BoJack Horseman, ein ziemlich heruntergekommener, ehemaliger Sitcom-Star der Serie „Horsin’ Around“ – und so eine Art Hybrid aus Mensch und Pferd, ein „Horseman“ eben. Seit dem Ende der Serie klebt das Sitcom-Image an ihm und seine Karriere ist quasi nicht mehr existent. Aber BoJack hat einen Plan, wie er wieder zurück ins Rampenlich findet, das er trotz allem Zynismus doch sehr schätzt: zusammen mit der Ghostwriterin Diane, in die er sich im Laufe der Serie (natürlich unglücklich) verliebt, schreibt er seine Memoiren. Doch so richtig kommt er damit nicht voran. Stichwort: Schreibblockade.

Stichwort: viel zu viel Alkohol und viel zu viele Drogen. Stichwort: Ablenkung und Menschen, die immer Zeit haben, rumzuhängen und BoJack in seinen unguten Freizeitbeschäftigungen tatkräftig zu unterstützen.

BoJack hat wenige Freunde, seine echten, zwischenmenschlichen, äh –wesenhaften Beziehungen beschränken sich auf Interaktionen mit der Ghostwriterin Diane, seiner Agentin Princess Carolyn, einer rosa Perserkatze und seinem Mitbewohner Todd, der ihm vor Jahren mal nach einer Party erhalten blieb und seitdem seinen Kühlschrank leert und hauptberuflich in BoJacks Haus abhängt.

Wo findest du die Serie

Auf Netflix. Die Serie wurde exklusiv für den Streamingservice produziert, du kommst also nicht daran vorbei.

Zeitaufwand:

Jede Folge dauert 25 Minuten. Die ersten beiden Staffeln haben zusammen genommen 25 Folgen, du brauchst also knapp elf Stunden. Das schaffst du also gut innerhalb von einem entspannten Wochenende.

Wo du Zeit sparen kannst:

Du kannst das Intro weglassen, dass dauert eine Minute, aber da würdest du den schönen Theme-Song verpassen, den Patrick Carney von den Black Keys komponiert hat. Wenn du ganz arg in Eile bist, verzichte am besten gleich auf die gesamte erste Staffel. In der läuft die Serie nämlich erst relativ spät zu ganzer Größe auf. Die zweite Staffel dagegen ist durchweg großartig! Und die dritte verspricht ebenfalls, groß zu werden.  

Womit kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

Wie, du hast Probleme damit, vor deinem Gewissen zu rechtfertigen, dass du eine Zeichentrickserie über ein Wesen siehst, das halb Mensch, halb Pferd ist und dem Ruhm auch Jahre später noch hinterher trauert, während es sich einen ansäuft? Was ist denn mit dir los?

Aber na gut, hier ein paar Gründe, warum es sich lohnen könnte: BoJack Horseman erzählt ziemlich korrekt von diesem melancholischen mittleren Lebensalter, in dem früher manche Menschen einen Porsche kauften und heute die meisten noch nicht mal den passenden Nachwuchs zur Krise gezeugt haben. Oder, wie BoJack einmal sehr treffend in einer Bar zu drei übereinander gestapelten Kindern in Trenchcoat sagte, die sich als „Vincent Adultman“ ausgaben: 

So fühlst du dich danach:

Nicht direkt depressiv, aber auch nicht unbedingt so, als könntest du in den nächsten Stunden Bäume ausreißen. Oder gar Pferde stehlen!

Und jetzt?

Machst du direkt weiter mit der dritten Staffel, die am 22. Juli erscheinen soll, wenn Netflix hält, was es Anfang des Jahres versprach.

 

Wenn du deinen Horizont erweitern willst, könntest du Will Arnett folgen, der BoJack im Original spricht. Der Mann hat – nach Jahren der Durststrecke, die der von BoJack Horseman nicht unähnlich ist – gerade einen ziemlichen Lauf. Seine berühmtesten Auftritte hatte er als Jack Donaghys schwule Nemesis Devon Banks in „30 Rock“. In „Arrested Development“ spielte er G.O.P., einen ambitionierten Magier, der ständig auf einem Segway durch die Gegend kurvt, während er seiner Familie nichts als Ärger macht und sich so arrogant und unausstehlich wie möglich aufführt. Neben „BoJack Horseman“ hat er für Netflix auch die Serie „Flaked“ entwickelt, in der er den selbsternannten Selbsthilfe-Guru Chip spielt, der eine ziemlich düstere Vergangenheit hat.  

Wenn du dagegen gerade erst so richtig in Stimmung gekommen bist und deinem Menschenverdruss weiter frönen willst, solltest du unbedingt das ausführliche Oeuvre von Larry David in „Curb Your Enthusiasm“ angehen. Auch dort gibt es einen Hauptdarsteller, der mal in der Entertainment-Industrie was gerissen hat, seitdem recht komfortabel lebt, aber wegen seines ewigen Verdrusses über die Menschheit im Allgemeinen und die Bewohner L.A.s im Speziellen keine Ruhe findet.  

 

 

Noch mehr Fernseh-Tipps gefällig? Bitte hier entlang:

  • teilen
  • schließen