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Ausgepackt

Eine Tasse Mehl aus dem Supermarkt - diese Vorstellung könnte bald Realität werden: Drei Freundinnen aus Berlin eröffnen 2014 den ersten Supermarkt, der fast komplett auf Einzelverpackungen verzichtet.
kathrin-hollmer

Nehmen wir mal Müsli. Ein Müsli ist verpackungstechnisch eine Katastrophe. Da ist einmal die Schachtel. Altpapier, immerhin. In der Schachtel befindet sich eine Tüte. Plastik, sehr schlecht. Und darin ist dann endlich das Müsli. Das man in ein hübsches Vorratsglas schüttet, weil die Schachtel nicht gerade dekorativ aussieht. Dabei könnte es viel einfacher sein. Man könnte mit dem hübschen Vorratsglas zum Einkaufen gehen und sich seinen Müslivorrat nachfüllen lassen. Kann man aber nicht.  

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Sara Wolf, Milena Glimbovski und Sarah Pollinger

Zwei Freundinnen aus Berlin haben daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Die Mediengestalterin und Kommunikationswissenschaftlerin Milena Glimbovski, 23, und Sara Wolf, 30, Absolventin in Internationalen Beziehungen, wollen im kommenden Jahr den ersten Supermarkt in Deutschland eröffnen, der weitgehend auf Einwegverpackungen verzichtet. "original unverpackt" soll er heißen.  

Auf die Idee kamen Milena und Sara, als sie an einem Abend zusammen gekocht haben, damals waren sie noch Arbeitskolleginnen in einer Agentur. "Plastiktüten zum Transportieren nehmen wir schon länger keine", sagt Sara, "aber das ist ja nicht alles. Als wir nach dem Einkaufen die ganzen Tütchen und Dosen ausgepackt haben, sprachen wir darüber, wie unsinnig das ist. Manche packen ja auch noch die Avocado oder die drei Tomaten in eine extra Tüte."

Weniger Müll, weniger Ressourcen-Verschwendung  

Über Müll, speziell in Form von Plastiktüten, wird zur Zeit viel diskutiert. Mehr als acht Milliarden werden jedes Jahr allein in Europa weggeworfen. Die Grünen forderten Anfang des Jahres, jede Plastiktüte mit 22 Cent zu besteuern. Dabei entsteht der Müll schon vorher, und das ist die Idee von Sara und Milena: Verpackungsmüll von vornherein vermeiden. "Precycling" nennen sie das. Das spart einerseits Ressourcen wie Wasser und Erdöl, die man für die Produktion braucht, und es wird weniger Müll produziert.



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Sara und Milena stellen sich ihren Supermarkt so vor: Die Kunden bringen Gläser, Mehrwegflaschen, Dosen oder waschbare Nylonsäckchen mit, oder kaufen beziehungsweise leihen diese in ihrem Geschäft. Die Behälter werden vor dem Einkauf ohne Inhalt gewogen, wie beim Erdbeerenpflücken. Und dann füllen die Kunden ihre Döschen mit allem auf, was sie so brauchen. Nudeln, Reis, getrocknete Erbsen und Bohnen oder Linsen könnten aus "Gravity Bins" (siehe Skizze in der Bildergalerie) rieseln. Milch und Öl könnten wie in einer Saftbar ausgeschenkt werden. Und Sachen, die man nicht ohne Einzelverpackung verkaufen darf, wie Fleisch? "Das würden wir dann umweltschonend verpacken, zum Beispiel in Bienenwachspapier", sagt Sara.  

Wenn Lebensmittel nicht mehr industriell verpackt sind, hat das noch einen zweiten Vorteil: Man kann nur die Mengen kaufen, die man wirklich braucht. Oft ist das nur ein Teelöffel Kardamom für ein Rezept, und keine ganze Dose. Die Franchise-Kette "Kochhaus" (die Gründerin im Interview mit jetzt.de) verkauft schon seit einer Weile mit Erfolg Zutaten nach Rezepten.  

Das Sortiment von "original unverpackt" soll ebenso nachhaltig sein wie die Idee, auf Verpackungen zu verzichten. Fleisch und Milchprodukte sollen Bio-Qualität haben, ansonsten ist ihnen regionale Herkunft wichtiger. "Es wird auch konventionell produzierte Lebensmittel geben. Bio aus Israel oder China ist für uns nicht Bio", sagt Sara. Auch Obst und Gemüse, das nicht den optischen Standards entspricht, wie es in Berlin die Culinary Misfits verarbeiten, könnten sie sich vorstellen zu verkaufen. Preislich soll ihr Laden etwa auf "Rewe-Niveau" kommen, sagt Sara. Eigentlich unvorstellbar für ein kleines Geschäft, wie ihres wenigstens am Anfang sein wird. Mit ihren kleinen Bestellmengen haben sie viel höhere Ausgaben als die großen Ketten. Doch das soll das Wegfallen der – nicht unerheblichen – Kosten für die Verpackung wettmachen, erklärt Sara.

Vorbilder in London und Texas  

Die Idee eines verpackungsfreien Supermarkts gibt es schon länger. Die Londonerin Catherine Conway betreibt seit 2007 das Lebensmittelgeschäft [link=http://beunpackaged.com/">Unpackaged (in

sieht man ganz gut, wie das Konzept funktioniert). In Austin/Texas haben die Brüder Christian, Joseph und Patrick Lane 2012 ihren Lebensmittelladen

Text: kathrin-hollmer - Foto und Ilistrationen: original unverpackt; Entwurf: NAU Berlin

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