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Indische Frauen wehren sich gegen sexistische Politiker

In your face, ihr Victim-Blamer!

Eigentlich will Varnika Kundu nur mit dem Auto nach Hause fahren. Nach kurzer Zeit wird ihr klar: Sie wird verfolgt. Zwei Männer sitzen in dem weißen SUV, der immer wieder versucht, sie zum Stoppen zu bringen, ihre Weiterfahrt zu verhindern, sie von der Spur zu drängen.

 

Mehrmals versuchen die Männer, das gestoppte Auto aufzubrechen, in dem die völlig verängstige Varnika Kundu kauert. Gerade noch rechtzeitig wird sie von der Polizei erlöst, die sie zuvor gerufen hat. 

 

Ihrer Wut, ihrer Ohnmacht und ihrer Dankbarkeit gegenüber der Polizei machte Kundu anschließend in einem langen Facebook-Post Luft. Der löste eine Debatte aus, zu der sich schließlich auch die Politik äußerte: „Das Mädchen hätte nicht um 12 Uhr nachts unterwegs sein sollen“, erklärte Ramveer Bhatti, ein Politiker aus dem indischen Parlament. „Warum fuhr sie so spät in der Nacht?“ Empörte junge Frauen aus ganz Indien posten seither unter dem Hashtag #AintNoCinderella Bilder von sich, auf denen sie nach Mitternacht unterwegs sind.

 

„Stoppt diese repressive Politik,“ schreiben sie, oder „Liebes rückschrittliches Indien, ich werde tun, was mir beliebt – Tag und Nacht. Bilde dir ja nicht ein, du hättest das Recht, mich zu stoppen.“

 

Kundu selbst wies die Kritik des Politikers im Interview mit dem Sender „New Delhi Television Limited“ zurück: „Warum bin ich diejenige, deren Verhalten in Frage gestellt wird? Ich bin diejenige, die attackiert wurde.“

 

Die beiden Männer, die Kundu bedrängt hatten, wurden festgenommen, und stammen, so die junge Frau, aus einflussreichen Familien mit politischen Verbindungen. „Sie schienen es wirklich zu genießen, mitten in der Nacht ein einsames Mädchen zu belästigen,“ meint Kundu. Die beiden Männer wurden nicht wegen Kidnappings, sondern wegen Stalkings angezeigt – und konnten sich daher innerhalb weniger Stunden freikaufen.

 

Noch immer gehören in Indien Sexual- und Gewaltdelikte zum Alltag vieler Frauen, die sich oftmals nicht wehren können, gerade, wenn sie aus weniger einflussreichen Verhältnissen stammen.

 

 

jdhz

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