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31 Sekunden Ausflippen

Der "Harlem Shake", ein mehr als 30 Jahre alter HipHop-Move, wird gerade zigfach auf YouTube parodiert. Das ist so lustig anzusehen und so einfach nachzumachen, dass er "Gangnam Style" als Tanz-Mem ablösen könnte.
kathrin-hollmer

Wer sich wundert, was diese 30-Sekunden-Videos mit der schlimmen Ohrwurmmusik sollen, die gerade durch Facebook und Twitter geistern, soll nicht länger im Ungewissen sein. Der "Harlem Shake" ist ein HipHop-Move aus dem Jahr 1981, der sich gerade zum Internet-Mem entwickelt. Aber vorn vorne.

Ursprünglich hieß die Tanzbewegung ganz anders, nämlich "Albee", benannt nach ihrem Erfinder Al B aus dem New Yorker Viertel Harlem. Erst 2001 wurde der Move zum Mainstream, als er in verschiedenen Musikvideos auftauchte, unter anderem in "Lets Get It" von G-Dep. Danach war es lange still um den "Harlem Shake". Bis vor ein paar Monaten.

Im August 2012 veröffentlichte der amerikanische Produzent Harry Rodrigues, besser bekannt als Baauer und einer der wichtigsten Vertreter des "Trap", einem Ableger der Electronic Dance Music (EDM), seinen Song "Harlem Shake" auf YouTube. Am 30. Januar 2013 tauchte dieser Song wieder auf: Der YouTube-User "Filthy_Frank" postete ein Video , in dem vier Typen in Latexanzügen dazu tanzen, - ohne zu ahnen, was er damit auslöste. Drei Tage später gingen die ersten Parodien davon online, die bekanntesten kommen von den YouTubern "TheSunnyCoastSkate" and "PHL_On_NAN" und wurden teilweise bereits mehr als eine Million Mal angeschaut (Stand: 8.2.2013).

 

Dutzende Videos dieser Art sind seitdem veröffentlicht worden, mal mehr, mal weniger ambitioniert nachgemacht. Die Parodie ist immer gleich aufgebaut und schnell nachgestellt: Man steht in einem Raum voller Menschen bevorzugt in einem Großraumbüro oder einem Teenager-Zimmer, zieht sich eine Maske, einen Helm oder irgendwas über den Kopf und tanzt drauf los. Dazu läuft Baauers "Harlem Shake " und der wird im besten Fall dazu getanzt (das funktioniert so bzw. so ). Wer das zu kompliziert findet, darf beruhigt sein: Der "Harlem Shake" muss es gar nicht sein, ein unkontrolliertes, leicht obszönes Herumgezappele tut es auch. Stilistisch rät das Magazin "The Atlantic" auf seiner Website "Do it as poorly as possible" und beschreibt den Tanz, ziemlich treffend, als "like a bunch of high schoolers on spring break in Miami". 

Wichtiger als der perfekte Tanzstil ist ohnehin die Reaktion aus dem Umfeld: Die anderen im Raum ignorieren den Einzeltänzer zunächst und gehen ihren Arbeiten oder Beschäftigungen nach. Nach 15 Sekunden gibt es einen Break und im nächsten Moment setzen alle ein und flippen völlig aus.

 

Das sieht gleichzeitig so lustig aus und ist so einfach nachzumachen, dass neben den vielen YouTube-Bloggern inzwischen mehrere Blogs und Magazine ihre eigenen Versionen gedreht haben. Neben Buzzfeed und College Humor tanzen auch unsere Münchner Kollegen von on3 den "Harlem Shake" in ihren Redaktionsräumen.

Jetzt könnte man in diesen Trend natürlich viel hineininterpretieren, ein Aufgebaren gegen Konventionen, gegen den tristen (Büro-)Alltag, man könnte an Deichkinds " Bück dich hoch" verweisen. Man kann es aber auch lassen und wie CBS News sagen: "The Harlem Shake is a ridiculous trend (and we love it)".

 

Am Dienstag soll in New York der bisher größte "Harlem Shake " getanzt werden. Mindestens 200 Teilnehmer sollen bei dem Flashmob am Times Square mitmachen. Auf der Facebook-Event-Seite schreiben die Veranstalter: "Gangnam style is so 2012 - the Harlem Shake is where it's at for 2013 ". Als hätte Al B das geahnt. 2003 sagte er in einem Interview mit " Insidehoops.com ", der Tanz sei "a drunken shake anyway, its an alcoholic shake, but its fantastic, everybody appreciates it. " Zehn Jahre später hat er damit offensichtlich immer noch Recht.

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