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Cool genug für kleine Ponys

Die Animationsserie "My Little Pony" ist eigentlich für Kinder gedacht. Doch sie hat mittlerweile eine große und begeisterte Fangemeinde aus erwachsenen Männern: Die "Bronies".
nadja-schlueter

Diesen Monat machte die angeblich „Greatest New York Times Correction Ever” die Runde. Es ging dabei um einen Artikel, in dem zwei Charaktere der Animationsserie „My Little Pony” verwechselt wurden, und zwar das Pony „Twilight Sparkle” mit dem Pony „Fluttershy”. Amy Harmon, die Autorin des Artikels, beschreibt in einem Eintrag auf ihrem persönlichen Blog , wie viel Reaktion auf diesen Fehler folgte: „Not correcting it would have undermined the credibility of the other 5,011 words of the story – at least for 'My Little Pony' fans.” Aber die Fans dieser Kinderserie, die alt genug sind, um die New York Times zu lesen, das können doch nicht so viele sein. Meint man. Und irrt sich damit gewaltig. Die bunten Ponys mit Kulleraugen, viel Haarpracht und putzigen Symbolen auf der Flanke erschließen sich eine immer größere (und ältere) Fangemeinde und sind mittlerweile vor allem online sehr präsent.

 

Dabei stammen die Ponys aus einer internetfernen Zeit. 1983 brachte der Spielzeughersteller Hasbro die erste Linie von „My Little Pony”-Figuren auf den Markt. Es folgten weitere Linien, die letzte 2010. Auf dieser basiert auch die Fernsehserie „My Little Pony – Friendship is Magic”, die seit 2010 in den USA, seit Herbst 2011 auch in Deutschland ausgestrahlt wird. 

Vor allem diese Serie um das Einhorn-Pony Twilight Sparkle, das nach Ponyville kommt, um etwas über Freundschaft zu lernen und dabei natürlich eine Menge Pony-Freunde findet, hat einen Kult über die Zielgruppe kleiner Mädchen hinaus ausgelöst. Vor allem mit den Anhängern, die sich „Bronies” nennen, hätte man eher nicht gerechnet. „Brony” ist eine Abkürzung für „bro pony” und meint die erwachsenen, männlichen Fans der Serie. „I believe the fan base for this new generation of MLP is one of the most amazing/unexpected things to come out of the internet in a long while”, wird in der Wired Brony Henty Yount zitiert, der sehr erfolgreich bekannte Filmtrailer mit der Ponyserie zusammenschneidet (aktuell: „The Rainbow Knight Rises”).

 

My Little Pony hat knapp 145.000 Fans auf Facebook, die Bronies haben immerhin um die 20.500. Sie haben eigene Foren wie Ponychan oder, in Deutschland, bronies.de , in denen die letzten Folgen oder die Geschichte des Ponylandes Equestria diskutiert und selbstgemalt Pony-Kunstwerke ausgetaucht werden. Man kann @MyLittlePony auf Twitter folgen oder sich auf YouTube Dubtrot anhören – ein Elektro-Remix mit Dialogen und Musik aus der Serie. Auf dem unter Bronies beliebten Blog Equestria Daily gibt es mehrere Posts am Tag. So könnte man immer weiter aufzählen, wo man die Ponys und die Jungs, die sie lieben, überall findet, bis hin zur BronyCon, die am 7. Januar in New York stattfand. Auf dem Video von der Convention , sagt ein Brony: „Wir sind so etwas wie Trekkies.” Der Vergleich der Bronies mit nerdigen Fankults um Science-Fiction-Serien und Fantasy-Romane ist sicher der treffendste.

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    Fotos: Screenshots (dragoart.com; mycartoonbrew.com (via wired.com))

Als mögliche Gründe für die Beliebtheit der Serie nennt die Wired mit Verweis auf Aussagen der Fans die gute Illustration oder die tollen Charaktere. Was diese angeht, funktioniert MLP wie fast jede andere erfolgreiche und leicht konsumierbare Serie auch: Es ist für jeden was dabei. Es gibt die Bodenständige, die Schüchterne, die Lebhafte, die Abenteuerlustige, die Eitle und die Intellektuelle. Das allein ist noch kein Grund für diesen riesigen Erfolg. Auch „kulturelle Ironie” nennt ein Fan. Diese Erklärung leuchtet, gepaart mit der Nostalgie, am meisten ein. Wenn man die Serie schaut, dann denkt man wohlmöglich wehmütig an die heile Kinderzeit zurück, in der die Cousine doch auch diese Ponys mit synthetischem Haar hatte, die irgendwie komische gerochen haben. Eine Zeichentrickserie mit Moncici-Äffchen wäre vielleicht ebenso erfolgreich. Und im Vergleich zu niedlichen Katzenvideos bringen die Ponys gleich eine ganze Welt mit, mit der man online herumspielen kann.

 

Lauren Faust, die Macherin der Serie, zeigte sich in der Wired begeistert davon, dass so viele erwachsene Männer „open-minded and cool enough and secure in their masculinity enough” seien, die Serie zu lieben und das auch offen zuzugeben. So gesehen könnte man MLP und die Bronies beinahe als lohnenden Beitrag zur Gender-Debatte verstehen. Bronies, die neuen emanzipierten Männer, die das Ende des alten Männlichkeitsbilds besiegeln und den Glitzer in ihrem Leben zulassen? Vielleicht. Vielleicht muss man sich, bevor man darauf abhebt, aber noch einmal kurz vor Augen rufen, was „My Little Pony – Friendship is Magic” eigentlich ist. Nämlich die Vermarktungsstrategie eines Spielzeugkonzerns.

 

 

Text: nadja-schlueter

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