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Die Schallplatte zum Anstecken

Bei treuen Fans kommt der Bandbutton zum an die Jacke Pinnen wahrscheinlich nie aus der Mode. Den Anstecker gibt es jetzt auch in einer digital-anachronistischen Variante namens Playbutton: Als MP3-Player, der aber nur ein Album des aufgedruckten Künstlers abspielen kann.
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Das mit dem Tanzen, das ist nicht so sein Ding. Als König Boris seine erste Single „Alles dreht sich" neulich in der ProSieben-Sendung „Schlag den Raab" präsentierte, führte er eine Art Cancan-Tanz in Springerstiefeln auf. Nun ja, eigentlich hüpfte er bloß unkoordiniert herum und führte damit den Namen ad absurdum, den er sich selbst gegeben hat: Der König tanzt.

Nun muss man nicht tanzen können, um tanzbare Alben zu machen, und genau das ist dem einen Drittel von Fettes Brot mit seinem Solo-Debüt gelungen. Doch das Bild des ungelenk tanzenden, etwas molligen Königs brennt sich einem ins Gedächtnis. Auch, weil eben dieses Motiv auf der CD zu sehen ist – und nun eben am Revers wahrer Boris-Fans: Als erster deutscher Künstler hat Der König tanzt ein Album nicht nur auf CD und auf Vinyl veröffentlicht, sondern auch als Playbutton, in einer limitierten Auflage von nur 1000 Stück.

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Der Playbutton ist eine digitale Schallplatte zum Anstecken, ein tragbarer Musikspieler in Form eines 4,5 Zentimeter großen Buttons. Er hat einen Eingang für Kopfhörer und gerade einmal drei Tasten (Wiedergabe/Pause, nächstes Stück, vorheriges Stück). Um die Batterie aufzuladen, muss man das Ding über ein USB-Kabel an den Rechner anschließen. Doch anders als bei jedem x-beliebigen MP3-Player hat man keinen Zugriff auf die integrierte Festplatte – und auf der ist nur die Musik drauf, die man mit dem Anstecker gekauft hat.

In anderen Worten: Der Playbutton ist ein ziemlich anachronistisches Spielzeug. Die Frage ist nun: Ist der Playbutton mehr als ein Zuckerl für die Fans? Braucht ihn irgendwer?

Nostalgiker mögen jetzt sagen, na klar, darauf haben wir gewartet, das ist der Walkman der Neuzeit, der Discman der Zukunft. Etwas für Menschen, die sich noch an die Zeiten erinnern können, als man noch in den staubigen Kisten von Plattenläden nach neuer Musik kramte. Als es noch eine Bedeutung hatte, wie ein Album zusammengestellt war – schon, weil man nicht ohne Weiteres vor- und zurückspulen konnte.

Nick Dangerfield, der New Yorker Erfinder des Playbuttons, denkt da noch an eine andere Zielgruppe. Die Menschen, sagte er der britischen BBC einmal, hätten die Schnauze voll von CDs, aus dem Internet heruntergeladene Dateien seien aber auch nicht das Wahre. „Ich wollte digitale Dateien auf einen einer bestimmten Band gewidmeten Spieler packen, der zeigt, dass man die Musik gekauft hat und, dass man eben jene Band mag."

So entstand der Playbutton im Jahre 2010. Mittlerweile sind einige prominente Alben in dem Format erhältlich, das grandiose Debüt von The xx etwa, Alben von Florence + The Machine, Belle And Sebastian sowie eine Sonderedition von Lady Gagas „Born This Way". Und nun eben das Solo-Debüt von König Boris. Das Ding hat schon jetzt Sammlerwert, es ist entsprechend teuer und nur schwer zu kriegen: 20 Euro kostet Der König tanzt in der tragbaren Version, und die gibt es nur auf Konzerten und in ausgewählten Plattenläden.


Text: thierry-backes - Foto: Fettes Brot Schallplatten

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