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Ding der Woche: Das Tour-de-France-Selfie

Die Selfiesucht erreicht die Tour de France: Viele Zuschauer wollen ein Bild von sich und den Radprofis. Das Problem: Ein Selfie-Fotograf steht mit dem Rücken zum Hintergrund. Wenn dieser Hintergrund ein Haufen heranrasender Radfahrer ist, ist das keine gute Idee.
christian-helten
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Die Tour de France machte in den vergangenen Tagen für drei Etappen einen Abstecher nach England. Die Fahrer sind Profis, sie werden sich auf die offensichtlichen Veränderungen der äußeren Umstände während dieser drei Tage eingestellt haben (Linksverkehr, abends Ale statt Bordeaux, „Go, go, go!“, statt „Allez Allez!“). Eines konnten sie nicht vorhersehen: dass ihnen die britischen Radfans und ihre Smartphones gefährlich werden.  

Dass bei der Tour de France die Fans am Streckenrand stehen und anfeuern, ist nicht neu. Besonders fitte und engagierte Fans rennen ein paar Meter neben dem Führenden her und feuern ihn an. Auch Fotos wurden von schon immer geschossen.  

Seit das Selfie seinen Siegeszug angetreten hat und selbst bei Oscarverleihungen eingesetzt wird, reicht das nicht mehr allen. Britische Radsport-Fans wollen nicht einfach ein Tour-Foto. Sie wollen ein Tour-Selfie.  

Prinzipiell ist gegen diesen Wunsch nichts einzuwenden. Wären da nicht zwei Probleme, die jedem bekannt sein dürften, der mal ein Selfie aufgenommen hat. Das erste könnte man das Arm-zu-kurz-Winkel-nicht-weit-genug-Dilemma nennen: Die menschlichen Proportionen und die Smartphone-Objektive machen es manchmal verdammt schwer, sich selbst und den tollen Hintergrund angemessen ins Bild zu bekommen. Das zweite Problem: Man steht mit dem Rücken zum Hintergrund und sieht ihn also nicht oder zumindest nicht genau. Wenn man einen Berg oder einen Kirchturm im Hintergrund haben möchte, ist das nicht so schlimm. Beides bleibt ja im Normalfall, wo es ist. Wenn der Hintergrund ein fast 200 Mann starkes Feld von Radfahrern ist, das mit Geschwindigkeiten jenseits der 50 Stundenkilometer heranprescht, wird es aber kompliziert.  

Es kam am Wochenende zu mehreren gefährlichen Situationen, weil Selfie-Fotografen zu weit auf der Straße standen und nicht rechtzeitig auswichen, als die Fahrer näher kamen. Marcel Kittel, der am Samstag die Etappe in Harrogate gewann, sagte: „Manche Zuschauer sind mitten auf der Straße gestanden, um ein Foto zu machen.“ Der britische Radprofi Geraint Thomas freute sich zwar über die vielen Fans, aber die Selfies seien der „new pain in the ass“ auf der Tour de France. Die Leute stünden mit dem Rücken zu den Fahrern, sähen sie nicht kommen und verstünden nicht, wie schnell die Radfahrer seinen und dass sie jeden Zentimeter der Straße brauchen würden. Der US-Fahrer Tejay van Garderen machte seinem Ärger über Twitter Luft:    

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Mittlerweile haben die Radprofis die England-Etappen hinter sich und sind zurück in Frankreich. Mal sehen, ob sich die Franzosen von den Radsportfans auf der Insel anstecken lassen.

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