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Übers Mittelmeer zum Mond

Ein Film vom Astronauten-Dasein auf der Flucht.
Von Max Sprick

Ein Mädchen träumt davon, als Astronautin zum Mond zu fliegen. Sein Vater träumt davon, als Mensch in Sicherheit zu leben. Fernab der Bomben, die er explodieren sieht, wenn er aus seinem Fenster schaut. Der Vater entschließt sich zur Flucht und dazu, seiner Tochter etwas vorzuspielen. Er inszeniert die Abreise der beiden, als sei es die Reise zum Mond. Das ist einerseits die Handlung eines Kurzfilms der Münchner HFF-Studentin Chiara Grabmayr, andererseits Realität für viele Flüchtlinge. Nicht, dass sie denken, sie würden zum Mond reisen. Sondern dass sie auf ein sicheres Leben hoffen – und die brutale Welt, der sie entfliehen, von ihren Kindern fernhalten wollen.

 

Vergangene Woche postete Perspektiven für jugendliche Flüchtlinge e.V. (PfjF e.V.), der Verein, für den sie ihr Projekt verwirklichte, #astronautswelcome auf  Youtube und auf seiner Facebook-Seite. Bislang wurde der Film mehr als 80.000 Mal angesehen und hunderte Male geteilt.

Unbegleiteten Flüchtlingen zu helfen ist der Auftrag, dem sich der Verein verschrieben hat. Die rund 40 aktiven Mitglieder wollen den Jugendlichen das Ankommen erleichtern, ihnen bei der Integration helfen und ihnen eben Perspektiven aufzeigen. „Die Flüchtlings-Situation ist noch immer sehr schwierig“, sagt Laura Eckmann, die zweite Vorsitzende von PfjF e.V.. „Die meisten unbegleiteten Jugendlichen, die in der Münchener Bayernkaserne ankommen, sind Jungs. Schwer traumatisierte Jungs.“ 

 

„Die Bereitschaft, uns zu helfen, ist immer noch da“, sagt Eckmann. Trotzdem braucht ihr Verein natürlich weitere Unterstützung. Deswegen das Astronauten-Video. Zum Nachdenken darüber, wie man den Menschen helfen kann, denen es genau so geht, wie dem Vater und seiner Astronauten-Tochter.

 

Über gemeinsame Kontakte waren PfjF e.V. und Grabmayr zusammen gekommen. „Mir war es wichtig, im Rahmen der HFF-Ausbildung mit einer Nicht-Regierungsorganisation zu arbeiten“, sagt die angehende Regisseurin. Eigentlich war ihr Auftrag gewesen, im Werbefilm-Block einen Spot für ein Unternehmen zu drehen. Aber Grabmayr wollte die Mittel, die ihr HFF und diverse Firmen sponsorten, nutzen, um ein persönliches Projekt umzusetzen. Sie suchte Produzenten, fand Trini Götze und Philipp Trauer von "Trimaphilm" und Veronika Neuber, die große Lust hatten, Grabmayr zu unterstützen. 

 

Sie pendelt oft zwischen München und Wien. Vergangenen April saß sie mal wieder im Zug. „Da lernte ich einen alleine geflüchteten Jungen kennen“, sagt sie. „Seine Geschichte hat mich emotional sehr berührt.“ Grabmayr sah die Bilder von Flüchtlingen und Helfern in Griechenland. Bilder von Menschen in weißen Schutzanzügen mit Handschuhen, die die Boote am Mittelmeer empfangen und bei ihr Assoziationen weckten. „Da fliehen Menschen vor Krieg und Terror und werden von Leuten empfangen, die wie Astronauten aussehen.“ 

Deswegen träumt ihr Film-Mädchen davon, zum Mond zu reisen. "Wir haben den Film so günstig wie irgendwie möglich produziert", sagt sie. "Alle Teammitglieder haben ehrenamtlich gearbeitet." Ohne den Support von zahlreichen Medienunternehmen und Firmen hätte das Projekt nicht realisiert werden können.

Grabmayrs Kurzfilm folgt dem Motiv des Oscar-prämierten „Das Leben ist schön“, in dem ein Vater den Alltag eines KZs für seinen Sohn spielerisch darstellt, um ihn zu beschützen. Ein Motiv, dem tatsächlich viele Flüchtlinge folgen. Oft versuchen Eltern, die schrecklichen Erlebnisse für ihre Kinder anders aussehen zu lassen.

 

#astronautswelcome endet offen. Das Boot, in dem Vater und Tochter sitzen, hat einen Motorschaden. „So will ich erreichen, dass die Zuschauer sich entscheiden“, sagt Grabmayr. Für Flüchtlingshilfe, damit das symbolische Boot in der Realität weiterfährt.  

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