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Kommissar Copyright im Einsatz

Tatortautoren schreiben an einem schweren Urheberrechtsfall und schaffen damit eine große Debatte, deren Lösung sich vielleicht im Archiv findet
dirk-vongehlen

"Die Welt im Web wächst zusammen. Der Tahirplatz und die Spanische Revolution scheinen plötzlich ganz nah. Vielleicht ist ganz in der Nähe aber auch einfach nur deutsche Provinz".

 

Wer sonntags gegen kurz nach acht nach Einträgen zum Hashtag #tatort sucht, kann dort die Meinung der Netzgemeinde über die jeweils aktuellen Ermittlungen von Deutschlands berühmtesten Kommissaren nachlesen. Wer heute Einträge zu dem Hashtag sucht, findet vor allem die Meinung von 51 Tatort-Autoren über diejenigen, die sie wiederum für die Netzgemeinde halten. Und diese Meinung ist schlecht. 

"Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde" ist der offene Brief überschrieben, den die Drehbuchautoren donnerstag Nachmittag veröffentlichten. Darin beklagen sie Lebenslügen der Netzpolitiker, die sich nicht ausreichend für die Rechte der Autoren einsetzen würden, sondern alles dafür tun, "die Umsonstkultur in den Rang eines Grundrechtes" zu hieven.

Die Netzgemeinde tat den Autoren den Gefallen und reagierte sehr prompt auf die doch eher schlampig formulierte Provokation und brachte den Hashtag #tatort auf die Twitter-Tagesordnung. Hier machen wiederum diejenigen ihrem Ärger Luft, die sich von dem wenig konstruktiven Brief angesprochen fühlen. Zwar endet das Schreiben mit dem Angebot zu einem Dialog, inhaltliche Anknüpfungspunkte liefert es aber kaum - und findet sie in der twitternden Netzgemeinde auch nicht.

 

Am Abend reagierten dann "51 Hacker" vom Chaos Computer Club lieferten den Drehbuchautoren eine ebenfalls eher emotionale Antwort . Im Netz sammeln sich nun auf beiden Seiten Menschen, die den jeweiligen anderen unsachliche Argumentation oder Ahnungslosigkeit vorwerfen. Der Sache, also einer inhaltlichen Debatte über die Frage nach einem modernen Urheberrecht, hilft dies ganz und gar nicht. Auch dann nicht, wenn man die Autoren-Provokation wie auf Netzpolitik angedeutet, als Auftragswerk der Film- und Medienwirtschaft interpretiert.

 

Solche Wutausbrüche (wie auch der aus der vergangenen Woche von Sven Regener) verfestigen eher die Fronten als dass sie einer Lösung dienlich sind. Und so fühlt man sich als Hashtag-Leser tatsächlich an einen Tatort erinnert, in dem die Kommissare so lange im Dunkeln tappen bis irgendeiner einen für die Zuschauer unerklärlichen Geistesblitz hat und der Fall sich löst. In der Urheberrechts-Debatte könnte dieser Geistesblitz der Gang in das ebenfalls Tatort-typische Archiv sein. Dort könnte man nachschauen, wie die Gesellschaft urheberrechtliche Fälle in der Vergangenheit gelöst hat - als das Radio oder die Musikkassette die Kreativbranche ebenfalls schon vor grundlegende Herausforderungen stellte. Sie fand Lösungen, die gerade den Tatort-Autoren, die ja über Rundfunkgebühren finanziert werden, nicht fremd sein dürften: pauschale Abgabemodelle wie die Kulturflatrate.

 

Nachtrag: Im Laufe der Debatte sorgte übrigens der Neu-Tatort-Kommissar Til Schweiger dafür, den Hashtag mit neuen Beiträgen zu versorgen. Unter #tatort liest man jetzt auch die Empörung der Zuschauer über Schweigers Vorschlag den Vorspann der Krimi-Serie zu verändern.

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