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20 Jahre Fantastische Vier: Diese Songs bleiben bestehen

"Tag am Meer", "Sie ist weg" und andere Heuler: Die Redaktion erzählt vier Geschichten zu vier Liedern der Fantastischen Vier.
jetzt-redaktion
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Stefan Winter erinnert sich an "Sie ist weg": An vergangenen Liebeskummer erinnert zu werden, ist nie schön. Wenn diese Erinnerung mit einem jungen Mann mit rotgefärbten Haaren, Unterhemd und Perlenhalsband verbunden ist, ist das doppelt schlimm. Und doch ist

(und das zugehörige Video mit einem extrem merkwürdigen Michi Beck in der Hauptrolle) ein toller Song der Fantastischen Vier. Denn mit diesem gereimten Liebeskummer-Lied ist den vier Jungs etwas geglückt, was nahezu unmöglich scheint. Sie haben die betrunkenen Aufmunterungen, die Jungs sich gegenseitige sagen, wenn sie verlassen wurden, in einen Song gepackt. Das ist gut. Nicht so gut ist es, wenn man sich die Logik dieser Aufmunterungen nüchtern betrachtet. Dann hört man Reime wie diesen hier von Smudo: Die eine ist weg na und. War sie für dich nicht nur Mittel zum Zweck und Grund, sich hinter ihr zu verstecken. Andere abzuchecken war tabu. Und jetzt komst du? In Studentenwohnheimen und WG-Küchentischen nach Mitternacht taugt diese Argumentation vielleicht als Aufmunterung, aber ganz offiziell gesungen? Da gehört Mut dazu und dafür bewundere ich die Fantastischen Vier - noch immer.


jakob-stadler gedenkt "Troy": Wenn ich an „Die Fantastischen Vier“ denke, fällt mir als allererstes ihr Lied „Troy“ aus den Jahr 2004 ein. Eigentlich kann ich gar nicht so genau erklären, warum es gerade dieser Song ist. Es war weder ihr erster großer Hit, noch ihr bester. Aber trotzdem hat mich dieses Lied damals fasziniert, es hat mich dazu gebracht, jedes mal mitzusummen, oder zumindest im Takt mit den Füßen zu zucken. Zum ersten Mal gehört habe ich „Troy“ an irgendeinen Montagmorgen 2004. Selten ist mir das Aufstehen an einem Montag so leicht gefallen. Von da an war es, als ob sich die Melodie in meinen Kopf eingebrannt hätte, ich konnte sie nicht mehr vergessen – wollte ich auch nicht. Schon kurz danach kam es mir vor als ob dieses Lied allgegenwärtig wäre, man hörte es wenn man das Radio oder den Fernseher anmachte oder auch als Handyklingelton eines Freundes. Zwar hielt meine Begeisterung dafür nur etwa zwei Wochen an, denn danach hatte ich es so oft gehört, dass es mir für mein restliches Leben oder zumindest für die nächste Zeit reichte, aber trotzdem ist dieser Song etwas Besonderes.
maria-freilich erinnert sich an "Tag am Meer": Songs, in denen es irgendwie um Drogen geht, werden ja manchmal behandelt, als seien sie selbst Drogen. Verstohlen flüsterte Susanne damals auf dem Schulhof: „Kennst du die Stelle, wo er „Gras“ sagt? Damit ist Marihuana gemeint, wirklich!“ Die geheime Botschaft konnte man dann im richtigen Moment platziert dann weitergeben und damit zeigen, dass man zum inneren Kreis gehört. Der äußere Kreis, der glaubte immer, in „Tag am Meer“ ginge es um einen Tag am Meer. Der äußere Kreis verstand die geheime Botschaft nicht, die Metaebene, das, was zwischen den Zeilen steht! Wir dagegen wussten: In „Tag am Meer“ geht es nur um das eine und weil wir uns so sicher waren, entdeckten wir immer mehr Hinweise: Hieß es nicht „du spürst das Gras“? Und sagen sie nicht: „es ändern sich Zustand der Raum und die Zeit“? Genauso musste es doch sein, wenn man kifft, oder nicht? „Der Moment den du tust ist die Tat – Augenblick - denn Dein Auge erblickt was Du tust und erschrickt“ – Wahnsinn, so verpeilt! Am Ende machte es uns auch noch zu Brüdern. Nach Repeat-Exzessen in der Unterstufe, folgte eine Überdosis bedingte zehnjährige Hörpause. Wenn ich heute „Tag am Meer“ höre, finde ich es ein wenig holprig, aber für deutschen Rap aus dem Jahr 1992 erstaunlich gut. Nur am Meer habe ich das Lied noch nie gehört.
xifan-yang erinnert sich an "MFG": Es ist ein Rätsel, wie dieses Lied es bis auf Platz 2 der deutschen Charts schaffen konnte. Der Beat von „MfG“ kriecht minutenlang unmotiviert vor sich hin; den „Haha-wir-sagen-ein-ganzes-Lied-lang-nur-Abkürzungen-auf“-Witz hat man spätestens nach einer halben Minute kapiert. „MfG“ hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und rangiert in meiner persönlichen Liste der nervtötendsten Songs meiner Kindheit ganz oben (gleich nach „Go West“ von den Pet Shop Boys). Als es rauskam, 1999, war ich eine elfjährige Knirpsin – der deutschen Sprache durchaus mächtig, zur Dekodierung ausufernder Buchstabenbürokratie aber noch nicht im Stande. „ARD, ZDF, C&A“ - das ging noch. „DVU, AKW und KKK“ verstand ich schon nicht mehr. Warum auf „BTM, BKA“ dann ein „Hahaha“ folgen sollte, war mir vollends schleierhaft, von „THC in OCB is was ich dreh“ ganz zu schweigen. Das hatten Thomas D, Michi Beck und die anderen zwei (weiß nicht, wie sie heißen) damals wohl nicht bedacht, als sie beschlossen, die Welt in Abkürzungen abzubilden: Dass es Leute geben würde wie mich, infantile Buchstabenkettenlegastheniker, die tagein, tagaus, auf der Rückbank sitzen mussten, während rund um die Uhr das Autoradio wie ein Maschinengewehr „TNT-IRA-EDV-IBM-WWW“ feuerte. Mittlerweile bin ich vertraut mit der Symbolsprache von Akronymen und sehe auch durchaus die informationstechnische Notwendigkeit von Datenkomprimierung ein. Aber damals, 1999, damals bekam ich Kopfschmerzen davon. Ich habe „MfG“ gehasst.

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