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Der Preis des Selbermachens

Immer mehr Menschen bieten online selbstgebastelte Produkte an - aber kann es sein, dass sie dafür zu wenig Geld verlangen?
christina-waechter

Handgemachtes boomt. Die Marktplätze im Internet, auf denen Verkäufer ihre selbstgebastelten Waren anbieten, haben traumhafte Zuwachsraten. Nur eines trübt gerade die grenzenlose Freude der Selbermach-Community: sie selbst. Die Verkäufer auf Plattformen wie Etsy und Dawanda setzen die Preise für ihre Waren selbst fest - und die werden, so scheint es, wenn man sich durch die Angebote klickt, immer niedriger. Nicht selten findet man dort selbstgeschneiderte und genähte Kleidungsstücke zu Großhandelspreisen. Können die Heimwerker nicht ordentlich kalkulieren? jetzt.de fragt nach bei Claudia Helming, 34, der Geschäftsführerin des Internetkaufhauses dawanda.com, wo Selbstgemachtes verkauft wird.

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Dawanda-Geschäftsführering Claudia Helming (links) und eines von vielen Angeboten auf dawanda Wenn Sie sich das Angebot bei Dawanda ansehen - wundern Sie sich dann manchmal darüber, wie ein T-Shirt zwölf Euro kosten kann, das aus fair gehandelter Baumwolle hergestellt ist und von einem Menschen in Europa handgemacht wurde? Claudia: Es stimmt sicher, dass es große Preisunterschiede auf diesem Markt gibt: Da gibt es T-Shirts für zwölf Euro, aber auch T-Shirts, die auf den ersten Blick nicht anders erscheinen und dann doppelt so viel oder mehr kosten. Manches ist erstaunlich günstig. Aber das liegt daran, dass es sehr unterschiedliche Gruppen gibt, die das anbieten. Es gibt Menschen, die als Hobby Dinge selbst herstellen und das nicht als ein Gewerbe sehen und auch Leute, die damit ihr Geld verdienen oder gar kleine Betriebe im Rücken haben. Und die können dementsprechend auch ganz anders kalkulieren und ihre Preise berechnen. Woran liegt es, dass Verkäufer auf Marktplätzen wie Dawanda oder Etsy die Preise selber so drücken? Ich glaube, das ist ein trügerischer Eindruck. Es gibt durchaus Sachen, wo man sich fragt, warum die so billig sind; zum Beispiel einen Pullover, an dem ich drei Monate stricken würde und der dann für 50 Euro verkauft wird. Klar gibt es solche Fälle, aber diese Pulli-Verkäufer sind meist Leute, die den sowieso gestrickt haben und ihn auch gestrickt hätten, wenn es Dawanda nicht gäbe. Denen geht es nicht darum, damit Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite gibt es Sachen, die teuer sind oder ganz normal. Es finden sich bei uns sämtliche Preiskategorien Kann man mit Selbstgebasteltem denn Geld verdienen? Ja, das geht. Wir haben auf Dawanda einige solcher Erfolgsgeschichten. Es gibt Leute, die parallel mit uns angefangen haben, zu verkaufen und die jetzt davon leben können. Einige haben schon ein oder zwei Leute eingestellt. Es gibt da zum Beispiel die Userin Meko, eine Modedesignerin, die in einem ganz kleinen Dorf im Osten Deutschlands lebt. Die hat ihr Label erst vor einem Jahr gegründet und damals wirklich alles alleine gemacht: vom Design übers Nähen bis zum Versand und der Buchhaltung. Sie verkauft fast ausschließlich über Dawanda und kann sehr gut davon leben. Mittlerweile hat sie sogar schon eine Angestellte. Wer ist denn der Dawanda-Verkäufer? Ist das jemand, der mit seinem Handgemachten Geld verdienen will? Oder eher jemand, der sich mit seinem Hobby selbst verwirklichen und durch den Verkauf nur ein bisschen nebenher verdienen will? Ich würde sagen, der typische Verkäufer liegt genau dazwischen. Die meisten Verkäufer betreiben den Shop nicht als ihren Haupterwerb, aber sie sehen ihn zumindest als Nebenerwerb an. Für ungefähr 30 Prozent der Verkäufer ist das ihr einziger Beruf, 35 Prozent machen es nur als Hobby und nur gelegentlich. Die restlichen 35 Prozent sind die Spannenden. Die wollen das gerne hauptberuflich machen und sehen Potenzial darin, haben aber vielleicht noch ein bisschen Angst davor und behalten deshalb einen Beruf, mit dem sie Geld zum Leben verdienen. Wie sollte man denn kalkulieren, damit man auch Geld mit Selbstgemachten verdienen kann? Das funktioniert im Prinzip wie in jeder Firma: Man schaut, welche Kosten man hat und das beinhaltet Material, Werkstätten, Lager, Vermarktung und so weiter. Außerdem schaut man, wie viel Zeit man benötigt, um etwas anzufertigen. Und dann bricht man das runter auf den Gegenstand, den man verkaufen will. Aber oft wäre der Preis, wenn man einen normalen Stundensatz von zehn bis 20 Euro ansetzen würde, für den Verbraucher nicht mehr attraktiv. Also muss man da den Preis drücken. Glauben Sie, dass das ein typisches Frauenproblem ist, wenn diese Waren so billig angeboten werden? Würden Männer eher gleich auf das Geschäft aus sein? Dieses "sich nicht trauen", das viele Frauen kennen, spielt da sicher eine Rolle und ich glaube auch, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen "Frau sein" und sich nicht zu trauen, Geld für eine Leistung zu verlangen. Aber ich sehe es auch so, dass es in diesem Bereich sehr viele Neulinge und Frischlinge gibt. In der Anfangsphase ist es sicher sinnvoll, nicht allzu billig, aber auch nicht zu teuer anzubieten. Sonst findet man nämlich keine Käufer und kann nicht weitermachen.

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