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"Die gesamte Musik kann umsonst runtergeladen werden"

Während die digitale Welt grübelt, ob und wie das alte Urheberrecht zu reformieren ist, gibt es bereits eine Musikszene, die ganz ohne Copyright auskommt - am Wochenende trifft sie sich in Köln.
lars-weisbrod

Während scheinbar die ganze digitale Welt darüber grübelt, ob und wie das alte Urheberrecht zu reformieren ist, gibt es bereits eine Musikszene, die ganz ohne Copyright auskommt: Am kommenden Wochenende präsentiert sie sich in Köln bei der Cologne Commons, einem Festival für Musik unter Creative Commons-Lizenz. Wir haben uns mit Marco Medkour und Jörg Friedrichs, zwei der Organisatoren, über freie Musikkultur im Netz unterhalten. jetzt.de: Auf der Website der Cologne Commons ist zu erfahren, dass ihr beide Netlabel-Betreiber seid. Was genau muss man sich eigentlich unter einem Netlabel vorstellen? Jörg: Ein Netlabel hat seinen Output im Netz. Es gibt - von Ausnahmen abgesehen - keine physikalischen Tonträger mehr wie Vinyl oder CD. Marco: Man ist in erster Linie im digitalen Raum aktiv, aber natürlich veranstaltet man auch Konzerte, das eine schließt das andere nicht aus. Vor allem sind aber die meisten Netlabels Creative-Commons-motiviert: die gesamte Musik kann umsonst heruntergeladen und weiterverbreitet werden. Mittlerweile gehen viele sogar so weit, dass der Output der Musiker so lizenziert wird, dass die Musik sogar weiterverarbeitet werden darf. Solange der Ursprung angegeben wird.

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Shooting-Star in der CC-Szene: Julia Kotowski alias entertainment for the braindead. (Foto: Julia Kotowski) Welche Vorteile seht ihr in der Creative-Commons-Lizenz? Jörg: Früher war es so: Wenn du als Musiker deine Sachen veröffentlichen wolltest, war das mit Kosten verbunden, CD-Produktion, Label, Mastering. Das ist ja heute durchs Internet alles hinfällig, was für den Künstler per se schon mal besser ist. Creative Commons ist dann ein schönes Modell für ihn zu sagen, was man mit der Musik darf. Die Künstler, die unter einer CC-Lizenz veröffentlichen, wollen, dass ihre Sachen die Leute erreichen. Sie sagen: „Hey, kopier’s dir, mach mich und meine Arbeiten bekannt“ Marco: CC ist genau der Weg, jetzt aktuell Medien zu schaffen als Prosument, aber vor allem auch für die Zukunft. Es wird in der CC-Welt immer wieder Nachschub geben an Musik, Videos, Fotos, an denen sich der User bedienen kann und aus denen er ein neues Werk erschaffen kann. Und wie kommt ihr dazu, ein Festival für die CC-Lizenz zu veranstalten? Marco: Die Cologne Commons ist die reale Plattform für Künstler, die sonst eigentlich nur im virtuellen Raum aktiv sind und dort ihre Musik anbieten. Neben dem Konzertteil gibt es eine Konferenz, dort wird in Workshops, Vorträgen und Diskussionsforen der Öffentlichkeit das Thema Creative Commons noch einmal nähergebracht - und Musikschaffenden, die jetzt die Bühne Internet betreten, Tipps und Knowhow mit auf den Weg gegeben. Jörg: Es geht eigentlich darum, auf die Sachen, die im Netz veröffentlicht werden, auch Leute aufmerksam zu machen, die nicht den halben Tag dort rumhängen und sich durch Foren klicken. Wir wollen zeigen: Hey, es gibt auch eine Menge anderer Künstler, die euch unbekannt sind, aber ihren Erfolg im Netz haben. Marco: Wir wollen zeigen, dass es qualitativ keinen Unterschied gibt zwischen CC-Musik und kommerzieller Musik. Der einzige ist, dass CC-Musik frei verfügbar ist und kopiert und verschenkt werden darf. Jörg: Es gibt sicherlich auch Sachen, die Geschmackssache sind, aber das gleiche gibt’s natürlich auch im kommerziellen Rahmen. Und es gibt eben auch eine Menge Perlen. Was für Musik wird denn bei der Cologne Commons zu hören sein? Jörg: Freitagabend dreht es sich hauptsächlich um Bandmusik, Drum’n’Bass, Pop und Folkpop - handgemachte Musik, wie es auch gerne heißt. Am Samstag ist dann schon eher Electro und Techno. Marco: Headliner wird Freitagabend entertainment for the braindead sein. Die Musikerin hinter dem Projekt, Julia Kotowski, ist schon so eine Art ein Shooting-Star im Bereich der deutschen CC-Szene. Sie zeigt, dass Verschenken von Musik nicht nur im Internet funktioniert, sondern dass ich dadurch auch Live-Auftritte generieren kann. Da ist es wirklich ablesbar: Sie hat durch ihre Strategie, Musik im Netz umsonst zu verteilen, Konzerte bekommen. Und das heißt dann reales Geld. Kommen CC-Künstler eher aus dem Elektrobereich? Jörg: Leute, die Musik hauptsächlich am Rechner produzieren, haben eine ganze andere Produktionsweise als eine fünfköpfige Band, die sich einen Proberaum anmietet und teures Equipment hat. Der Weg der Musik direkt vom Laptop ins Netz ist natürlich einfacher. Größere Bandformationen sind vielleicht noch eher daran interessiert, die Musik nicht zu verschenken. Aber auch das kippt gerade ein bisschen, weil sie merken, dass sie gerade als unbekannte Bands mit CC die Chance bekommen, eine Menge neue Leute zu erreichen. Ist alles, was an den Abenden gespielt wird, unter Creative commons lizenzsiert? Jörg: Alle Künstler veröffentlichen auf Netlabels und unter CC-Linzenz. Auf der Cologne-Commons-Seite kann man sich auch eine Festival- Compilation herunterladen, die wir zusammengestellt haben. Wir haben bewusst nicht mit GEMA-Künstlern zusammengearbeitet, weil wir ein alternatives Modell präsentieren wollen: dass auch alles anders funktioniert. Dann dürfte ich das Konzert also einfach mitschneiden? Jörg: Klar. Bootleggen erlaubt. Solange es nicht kommerziell ist. Mehr über das Festival gibt es auf der Website Cologne Commons. Mehr zum Thema Creative Commons gibt es im Themenschwerpunkt Urheberrecht auf jetzt.de

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