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Ein letztes Gespräch mit finn.

Der Mann hinter der Musiker-Kunstfigur finn. hört auf, um von vorne anzufangen. Ein Interview.
julia-janke


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Jever?
Ja, ich weiß auch nicht, ich mag das eigentlich nicht, aber es lag noch im Tourbus.  

Na gut. Wie soll man Dich eigentlich nennen, wenn man Dich in der Realität sieht: Finn oder Patrick?
 Du darfst beides, gern auch Patrick. 

 Patrick ist ja auch ein recht schöner Name, warum fungierst Du eigentlich unter diesem Kunstnamen finn.?
Ich fand Patrick Zimmer als Musikernamen mit Anfang 20 einfach nicht schön. Und als ich mich dann für den Namen finn. entschieden habe, war der auch unglaublich unpopulär. Ich habe den vorher noch nie gehört und ein Jahr nachdem mein erstes Album rauskam, da wurde es wohl Babyname Nummer Eins weltweit. Tja. Aber es ist ja auch bald Schluss, nach mittlerweile zehn Jahren.  

Wie bitte? Warum?
Man kann das mit einem Kunstschaffenden der Malerei vergleichen, der mit offenem Ende seriell arbeitet. Wenn der dann das siebte Bild malt und für ihn die Serie schlüssig wirkt, dann wird sie abgeschlossen. Es ist eigentlich ein sehr positives Ende, es beschließt eine Dekade meines Lebens. Und es ist auch, wie ich glaube, dieses Begehren sich selber nochmal so eine Art Neuanfang zu gönnen, das dann auch wieder so ganz frisch zu zelebrieren und wieder Freiheiten zu haben. Ich habe zum Beispiel über das Artwork eine Serie aufgebaut und ehrlich gesagt, kann die Figur nicht mehr sehen. Das sind auch Faktoren, die eine Rolle spielten, man würde gerne etwas Anderes aufs Cover machen, aber das geht nicht, das würde dem Konzept nicht gerecht werden. Es gibt viele dieser Faktoren, aber ich trenne mich im Guten.  


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Wer es nicht kennt, Deine Alben schmückte so ein gemaltes Männchen. Es war eigentlich nur ein Kopf und der trug immer verschiedene Outfits, mal hatte er eine Brille auf, mal Puffärmel dran - und auf dem aktuellen Album hat er gar kein Gesicht mehr.
Genau, das ist die Selbstauslöschung.  

Man soll ja auch alle zehn Jahre etwas Neues machen! Ich habe gehört, das wäre gut für ein glückliches Leben.
So fühlt es sich auch an, ehrlich gesagt. Das neue Projekt wird unter bürgerlichem Namen stattfinden, der lautet Patrick Siegfried Zimmer. Als Kind hätte ich meine Eltern steinigen können für diesen Zweitnamen und mittlerweile find ich ihn einfach unglaublich lustig und charmant. Ich glaube, das ist auch noch mehr so ein Schritt oder ein Bekenntnis zu sich selbst, auch nach außen.  

Abgesehen von Name und Coverdesign, wird es denn musikalisch gesehen große Veränderungen geben?
Ja, sehr. Das hat sich schon auf dem Coveralbum bemerkbar gemacht, ich gehe zum Beispiel mittlerweile viel mehr in den tieferen Gesang, früher war es immer die hohe Stimme, die ist jetzt meist Backingvocal. Sehr stark beeindruckt und beeinflusst durch das Coveralbum ist auch das Songwriting. Ich habe dieses Ziel eines klassischen Songwritings, so dass man nicht sagen kann, welche Sparte das jetzt ist oder aus welcher Zeit. Da hat mich das Interpretieren anderer Lieder schon sehr stark beeinflusst.  

http://vimeo.com/25076423

 Apropos Coveralbum: Da hast Du ja schon eine eher krude Mischung gewählt - Tina Turner, Bob Marley und Prince. Wie bist Du da drauf gekommen?
Es sind teilweise Lieder, die ich als Kind gehört habe; Lieder, die mir in Filmen begegnet sind; Lieder, die ich eigentlich gar nicht gut finde und es gerade deswegen spannend fand, sie mal zu interpretieren. Ich empfinde covern auch immer als Experiment. Und bei einem Experiment ist das Ergebnis ja erstmal sekundär, man forscht einfach und ich hatte auch nie den Anspruch zu sagen, diese Lieder sollen schön oder irgendetwas Tolles werden, sie sollten einfach einen interessanten Aspekt für mich haben. Nehmen wir "Dancing with Tears in My Eyes": das ist nicht nur eine Kreisch-80er-Autoscooternummer, sondern irgendwann saß mal jemand alleine in einem Raum und hat das für sich geschrieben, ganz akustisch mit was auch immer. Auf meiner Seite gab es da das Begehren mal kurz in diesen Raum reinzugucken und das Nackte zusehen, das mich interessiert.

 Kann man das mit jedem Lied machen oder muss da schon ein guter Song dahinterstehen?
Die Komposition muss mir gefallen, „gut“ oder „schlecht“ ist ja immer so subjektiv. Aber es gibt auch Lieder, die ich niemals covern würde, weil ich das Original in der Interpretation schon so perfekt finde, dass ich nicht wüsste, was ich daran machen sollte. Als Patrick Siegfried Zimmer werde ich aber vor allem eigene Lieder spielen, mit dem Covern ist es erstmal gut jetzt.


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