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„Es gibt da noch jemanden, der an einen glaubt“

An der Uni Hildesheim stiften immer mehr Privatpersonen ein Deutschlandstipendium. Eine der so Geförderten ist die Lehramtsstudentin Valentina Sieg. Ein Interview über Dankbarkeit, Leistungsdruck und die Frage, ob man etwas zurückgeben kann.
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An der Uni Hildesheim stiften nicht nur Unternehmen, sondern auch immer mehr Privatpersonen ein „Deutschlandstipendium“ für Studenten. Valentina Sieg ist 22 Jahre alt und studiert Deutsch und evangelische Theologie auf Realschullehramt. Ein Jahr lang wird sie im Rahmen des Deutschlandstipendiums von Christa Mezzetti, 84, finanziell unterstützt – und hat sie auch schon kennengelernt.

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Christa Mezzetti und Valentina Sieg

jetzt.de: Valentina, wie bist du an das Deutschlandstipendium gekommen?
Valentina Sieg: Das war eher Zufall. Es gab eine Mitteilung auf der Uni-Homepage, die ich zwar gelesen, aber nicht so wirklich ernst genommen habe. Dann hat eine andere Studentin davon erzählt und ich war ganz erstaunt und dachte: Das kann ich doch auch. Ich habe es einfach mal versucht und es hat geklappt. Dass diese persönliche Förderung etwas Besonderes ist, habe ich jetzt erst mitgekriegt.  

Wie viel Geld bekommst du im Monat?
300 Euro, 150 davon kommen von Frau Mezzetti und 150 Euro vom Bund.  

Wie war dein erstes Treffen mit deiner Förderin?
Das erste Treffen war super spannend, weil ich gerne wissen wollte, warum sie ausgerechnet mich fördert. Wir saßen dann im Café bei Tee und Gebäck zusammen und obwohl so ein großer Altersunterschied besteht, hatten wir uns gleich unglaublich viel zu erzählen. Sie hat das Gleiche studiert wie ich, sie war Lehrerin, ist sehr erfahren und kann mit Tipps für den Berufalltag geben. Sie versteht mich. Wir haben aber auch viel über Privates gesprochen, man will sich ja kennenlernen und nicht nur auf die Uniseite fixieren.  

Was ist ihre Motivation, dich zu fördern?
Das liegt wohl daran, dass sie gerne im Ausland unterwegs ist und Sprachen liebt. Ich bin in Usbekistan geboren und spreche zum Beispiel Russisch und noch andere Sprachen, die ich in der Schule gelernt habe. Das fand sie interessant.  

Wie fühlt es sich an, Geld von einer fremden Person zu bekommen?
Es ist irgendwie seltsam und man fühlt sich ein bisschen abhängig. Aber ich empfinde sehr große Dankbarkeit, weil das für mich natürlich eine starke Entlastung ist. Ich freue mich, dass es Förderer gibt, die das freiwillig tun und uns Stipendiaten motivieren und unterstützen. Das sorgt auch für eine Art positiven Leistungsdruck, weil man weiß: Es gibt da noch jemanden, der an einen glaubt. Deswegen ist der persönliche Kontakt auch so schön, weil man ganz genau weiß, wer einen fördert und sich gegenseitig motivieren kann.  

Fühlst du dich deiner Förderin gegenüber verpflichtet?
Ja, irgendwie schon, aber in positiver Hinsicht. Nach dem ersten Treffen war ich zum Beispiel so motiviert, dass ich an dem Tag unglaublich viel für die Uni gemacht hab, was vielleicht sonst nicht so der Fall ist...  

Kannst du ihr denn auch irgendetwas zurückgeben außer guten Noten?
Ich glaube, dass man zu wenig zurückgeben kann. Ich versuche es natürlich, indem ich ihre Fragen beantworte. Sie interessiert sich sehr für den heutigen Unialltag und ich habe zum Beispiel auch von einer Unterrichtsstunde erzählt, die ich gehalten habe.  

Musst du dich manchmal auch vor anderen rechtfertigen, dass du eine besondere Förderung erfährst?
Ich habe bisher noch nicht mit so vielen Leuten drüber gesprochen, außer mit meiner Familie und ein paar Freunden. Bis jetzt habe ich aber noch keine negative Rückmeldung bekommen.  

Wie finanzierst du dich sonst? Wirst du von Zuhause finanziell unterstützt?
Nein, obwohl meine Eltern mich ansonsten bestmöglich unterstützen. Ich bekomme noch BAföG und gehe arbeiten.  

Wie ist es für deine Eltern, dass da plötzlich noch jemand anderes ist, der eine „elterliche Pflicht“ übernimmt?
Meine Eltern waren sehr begeistert und haben sich gefreut, weil es für sie ja eine Entlastung und eine Sicherheit ist.  

Es ist gewollt, dass ihr euch über das Stipendienjahr öfter trefft. Wie geht es jetzt weiter, organisiert die Uni eure Treffen oder macht ihr das privat?
Das sind private Treffen. Das erste Treffen war von der Uni organisiert, weil Frau Mezzetti die Uni noch mal besichtigen wollte und bei der Urkundenvergabe für die Stipendiaten war sie auch dabei. Aber im Anschluss werden wir uns nur noch privat treffen, darauf freue ich mich schon.


Text: nadja-schlueter - Foto: Isa Lange / Uni Hildesheim

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