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Niko Alm darf offiziell auf seinem Führerscheinfoto ein Nudelsieb tragen. Ein Interview mit dem bekennden Pastafari über verrückte Religionen
philipp-mattheis

Nik Alm, 35 ist Herausgeber von Vice Österreich, Geschäftsführer der Super-FI-Agentur und bekennender Pastafari. Als Angehöriger einer Religionsgemeinschaft ist es ihm seit Dienstag erlaubt, auf dem Foto seines Führerscheins ein Nudelsieb auf dem Kopf zu tragen. Alm beantragte den Führerschein mit diesem Foto vor drei Jahren, nachdem er erfahren hatte, dass religiöse Kopfbedeckungen auf solchen Fotos erlaubt sind.

Wie oft trägst du dein Nudelsieb jetzt, nachdem du es offiziell auf deinem Führerscheinfoto aufhaben darfst?
Ich muss gestehen, im Alltag eher selten.

 Warum nicht?
So eine Kopfbedeckung ist eher für besondere Anlässe gedacht. Es handelt sich ja auch um ein religiöses Symbol. Auf Fotos für Reisedokumente eignet sich ein Nudelsieb aber ausgezeichnet.  

Warum tragen Pastafaris ein Nudelsieb?
Der Träger fühlt sich so dem Großen Spaghettimonster, dem Erschaffer der Welten noch näher. Das Sieb ist eine Art Antenne, die eine Verbindung herstellt. Es hilft, dem Großen Ganzen näher zu kommen. Außerdem ist so ein Sieb biegsam und flexibel, es fühlt sich einfach gut an, so als ob man seinen Kopf in Pasta getaucht hätte.  

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Nach drei Jahren Kampf mit den Behörden kannst du deine Religion jetzt frei ausleben?
Ich konnte das vorher natürlich auch schon, aber es ist gut, nun eine offizielle Bestätigung zu haben. Aber jetzt einmal im Ernst: Ich engagiere mich sehr für eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat. Mit dieser Aktion wollte ich das Establishment mit seinen eigenen Waffen schlagen. Die Grundidee war ja, auf die Privilegien der Kirche in Österreich hinzuweisen.  

Welche meinst du?
Dass Religion in Schulen und Universitäten unterricht wird, dass diese Lehre im Falle der katholischen Kirche vom Vatikan bestimmt wird, dass der Staat das auch noch bezahlt, dass die Kirchen von der Grundsteuer befreit sind, und außerdem noch eine Reihe von Sonderrechten genießt. In Geld ausgedrückt kosten diese Privilegien den österreichischen Steuerzahler zwei Milliarden Euro im Jahr.  

Das ganze ist ja nur ein Teilerfolg – wie wird es jetzt weitergehen?
Ich will, dass der Pastafarianismus als religiöse Bekenntnisgemeinschaft in Österreich anerkannt wird. Dafür brauchen wir 300 Mitglieder.  

Und dann?
Wir werden die Religionsgründung mit einem Pastagelage feiern!      

Wie bist du selbst bekehrt worden?
Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht mehr genau. Interessiert hat mich der Pastafarianismus schon immer. Es ist die Religion der Skeptischen und Aufgeklärten. Er führt uns die Absurditäten aller Religionen vor Augen.  

Wie sieht dein Alltag als Pastafaris aus?
Kaum anders als vor meiner Pastafari-Zeit, außer dass ich seit gestern sehr viele Interviews gebe.         


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Pastafaris für Dummies:
Die Pastafari-Religion wurde 2005 von dem amerikanischen Physiker Bobby Henderson gegründet. Zentraler Glaubensinhalt ist das fliegende Spaghettimonster (kurz FSM), welches die Erde und alle Lebewesen geschaffen hat. Alle Hinweise auf die Evolution wurden vom Monster gestreut, um die Menschen bewusst in die Irre zu führen. Pastafaris tragen Pirateninsignien, wozu auch Nudelsiebe gehören. Die Klimaerwärmung hängt proportional mit dem Abnehmen der Piraterie zusammen. Je mehr Piraten, desto weniger Erdwärmung.         



Nachtrag, 14.7.2011
Gestern wurde in vielen Medien berichtet, die österreichische Polizei habe das Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung anerkannt. Das ist so nicht richtig. Manfred Reinthaler von der Polizei Wien, sagte in einem "Wien-Heute"-Interview, dass es bei dem Verfahren keine Rolle gespielt habe, ob Niko Alm das Nudelsieb als religiöses Symbol betrachte oder nicht. Ausschlaggebend sei alleine, ob der Kopf vollständig und erkennbar abgebildet ist. Auch Niko Alm bestätigte das jetzt.de auf Nachfrage. "Für mich aber ist und bleibt das Nudelsieb ein religiöses Symbol."



Text: philipp-mattheis - Foto: Niko Alm, wikipedia

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