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Ich hätte differenzieren können zwischen "saudumm" und "leicht beschränkt"

"Wir sind Helden"-Frontfrau Judith Holofernes verflucht die BILD-Zeitung und Jung von Matt. Wir haben sie gefragt, weshalb sie sich denn so aufregt.
jurek-skrobala

jetzt.de: Judith, du schreibst in deinem offenen Brief auf die Anfrage von Jung von Matt, Wir sind Helden in die neue BILD-Werbekampagne einzubeziehen, die BILD-Zeitung sei ein "bösartiges Wesen". Inwiefern ist sie das?
Judith Holofernes: Hmm. Sagt euch der Begriff "Dementoren" was?

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Die BILD möchte 10.000 Euro für einen guten Zweck spenden, wenn ihr bei ihrer Werbekampagne mitmacht. Ist es das nicht wert?
Nein. Gerade, wenn es um Spenden geht, ist die Motivation dahinter extrem wichtig. Deswegen tanzen wir ja auch nicht auf jeder Charity Gala herum, nur weil das Fernsehen sonst nichts mehr hergibt. Und im Übrigen ist diese Summe im Vergleich zu dem, was in der Werbung sonst gezahlt wird, ein Hohn.

Du bezeichnest die BILD-Leser in deinem Text als "saudumme Menschen". Ist das nicht etwas zu harsch und über einen Kamm scherend?
Ja, stimmt. Ich hätte vielleicht differenzieren können zwischen "saudummen", "leicht beschränkten" und "extrem leichtgläubigen" Menschen.

Ist das nicht eine olle Kamelle, die BILD anzuprangern? Man denke an "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" oder den längst etablierten BILD-Blog.
Genau das ist ja Teil des Bilds, das die Leute von Jung von Matt mit ihrer Kampagne in den Köpfen verankern wollen: dass die BILD-Zeitung anzugreifen, bedeutet, sich als humorlos, gestrig und irgendwie - igitt - politically correct zu outen.

Du stellst Werbeagenturen in deiner Antwort als perfide dar. Sind das nicht auch bloß Leute, die ihren Job machen?
Ja, Werber sind auch nur Leute, die ihren Job machen. Viele sogar sehr gut, und vor allem sind darunter sehr viele extrem helle und auch unterhaltsame Köpfe. Zweifel würde ich nur an Leuten anmelden, die es in dem Job zu lange aushalten. Ich kann mir keinen halbwegs kritisch denkenden Menschen vorstellen, der im Lauf seiner Agenturkarriere nicht über das eine oder andere ethische Dilemma stolpert. Deswegen wandern ja auch erfreulicherweise immer mal wieder ein paar der besten Leute ab und schließen sich den diversen konsum- und werbekritschen Publikationen an, wie den Adbusters in Kanada. Oder schreiben Romane wie Frédéric Beigbeider.

Deine Schmähschrift kommt gut an - der wirsindhelden.com-Server "rauchte" heute Mittag. Glaubt ihr nicht, dass man das schnell als abgekartete PR-Aktion zwischen euch und Jung von Matt deuten kann?
Also, wenn diese E -Mail uns fünf schlaue, nette Leute in die Arme treibt, die uns bis jetzt scheiße fanden, und wir die dann vielleicht gegen die fünf Leute eintauschen können, die uns in ihrem Plattenregal neben den "Grafen" gestellt ahaben, weil sie "halt irgendwie so deutsche Texte mögen", dann ist das doch ein guter Deal.

jetzt-Userin synthie_und_roma hat eine Fakeantwort auf deinen offenen Brief geschrieben. Wie findest du den?
"Weltverbesserische Neofeministin mit Sendungsbewusstsein" finde ich schick.

Mehr zum Thema findet sich hier.

Text: jurek-skrobala - Bild: ap

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