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"Ich verdiene so viel wie ein Investmentbanker"

Jeremy Bonny alias „Soul“ ist ein "Dating-Coach". Der 26-jährige Brite bringt Männern bei, Frauen anzusprechen und ins Bett zu kriegen. Seine Seminare kosten ca. 2000 Euro für ein Wochenende, sie sind fast immer ausgebucht.
philipp-mattheis

Wie wird man ein Dating-Coach? Ich hatte früher große Probleme mit Frauen. Eine Frau anzusprechen, war für mich unmöglich. Ich kam irgendwann an den Punkt, an dem ich beschloss das zu ändern. Ich überlegte mir Strategien, probierte mal dies, mal jenes aus. Das klappte immer besser, bis schließlich ein „Headhunter“ auf mich aufmerksam wurde. Ein Headhunter? In meiner Branche posten die meisten Dating-Coaches ihre Ideen und Erkenntnisse im Internet. So wurde ein anderer Dating-Coach auf mich aufmerksam und fragte mich, ob ich ihm nicht auf einem seiner Workshops aushelfen könne. Ich fühlte mich zuerst nicht gut genug dafür. Aber dann war ich überrascht, wie sehr ich den Männern dort helfen konnte. Du hast also eines Tages beschlossen: Ich werde ein professioneller Aufreißer? Nach einer gewissen Zeit war es einfach die logische Konsequenz: Ich liebe, was ich tue; ich reise um die ganze Welt und verdiene viel Geld. Außerdem ist das kein Nine-to-five-Job: Ich bin sehr flexibel und kann mir meine Zeit frei einteilen. Je mehr ich arbeite, desto mehr Geld verdiene ich auch. Mittlerweile kann ich sehr gut von diesem Job leben. Davor habe ich als Headhunter in der Finanzbranche gearbeitet – das Geld war nicht schlecht, aber ich hasste diese Arbeit!

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Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Das ist sehr unterschiedlich. Zur Zeit arbeite ich tatsächlich sieben Tage die Woche zwischen vier und zehn Stunden. In den letzten drei Monaten hatte ich nur zwei Tage frei.Ich reise sehr viel – im Schnitt jedes zweite Wochenende. Unter der Woche erledige ich hauptsächlich die Büroarbeit, kümmere mich um das Marketing, und organisiere neue Seminare. Ich bekomme hunderte von E-Mails von Leuten, die mich um Tipps bitten. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Viele Leute denken, wir reißen Frauen auf und werden dafür auch noch bezahlt. Das ist nicht wahr. Wenn ich ein Mädchen kennenlernen möchte, dann kann ich keine zehn Jungs gebrauchen, die mir dabei zuschauen und mich dann fragen: Jeremy, wie hast du das gemacht?

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Du arbeitest für eine Firma namens Lovesystems. Wie ist die aufgebaut? Die Firma sitzt in LA. Dort kümmert sich etwa ein Dutzend Angestellte um Organisatorisches wie Buchhaltung. Es gibt etwa zehn Coaches wie mich mit verschiedenen Spezialgebieten, die Seminare geben. Dazu kommen etwa 30 Junior Coaches, die aushelfen. Jeder beginnt als Junior Coach. Hat man das ein paar Jahre gemacht, kann man eigene Seminare geben. Welche Leute besuchen deine Kurse? Es sind oft Leute, die eine hohe analytische Intelligenz besitzen und außerdem nicht zu stolz sind, sich helfen zu lassen. Intelligenz und Erfolg bei Frauen beißen sich oft. Denk an den Sportlertyp in der Schule! Der kriegt zunächst relativ viele Frauen, aber später kriegt er nichts auf die Reihe. Heute ist er zu stolz, sich helfen zu lassen. Bei denen, die früher Nerds waren, ist es andersrum. Die meisten Männer, die unsere Workshops besuchen, sagen: Ich möchte mir eine Zeitlang die Hörner abstoßen und dann eine Freundin finden und eine Familie gründen. Aber unter „Hörner abstoßen“ versteht jeder etwas anderes. Manche wollen einen Dreier und sind damit zufrieden, andere müssen unbedingt die Hunderter-Marke knacken. Manche brauchen dafür sechs Monate, andere sechs Jahre. Wie reagieren Frauen auf deine Arbeit? Manche regen sich furchtbar darüber auf. Andere fühlen sich genau deswegen zu mir hingezogen. Es ist das klassische Badboy-Ding: Frauen stehen auf den Arschloch-Typ, aber sobald sie eine Beziehung mit ihm führen, wollen sie ihn ändern. Viele Leute werfen euch vor: Was ihr macht, ist Manipulation. Zur Manipulation wird es, wenn man seine Motive verschleiert. Früher – zu Mystery’s Zeiten – war das üblich. Es ging viel um Täuschung, man sollte so tun, als sei man gar nicht an der Frau interessiert. Aber gerade im „Daygame“ (Das Ansprechen von Frauen tagsüber. Anm. d. Red.) sprechen wir Frauen sehr direkt an: Hey, mir gefällt dein Style, ich möchte dich kennenlernen und später würde ich auch gerne mit dir schlafen. Das ist sehr ehrlich – und den Frauen gefällt das.

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Warum bietet ihr solche Workshops nicht auch für Frauen an? Wir haben das einmal probiert, aber es hat nicht funktioniert. Es kamen kaum Kundinnen. Es gilt eben immer noch: Der Mann spricht die Frau an. Was, glaubst du, ist der häufigste Fehler, den andere Männer machen? Sie versuchen es nicht. Die meisten Männer sind permanent von Gelegenheiten umgeben, aber sie nehmen sie nicht wahr. Meistens läuft es doch so: Du bist auf einer Party, trinkst und irgendwann unterhältst du dich mit einer Frau. Manchmal passiert etwas, meistens nicht. Irgendwie rutschst du dann in eine Beziehung hinein. Wenn ich abends zehn interessante Frauen sehe, spreche ich alle zehn an.


Funktionieren deine Methoden in jedem Land gleich? Prinzipiell ja, aber natürlich gibt es Unterschiede. In Schweden zum Beispiel ist es unüblich, sich zu einem Date zu verabreden, während es in den USA nur so läuft. Schweden gehen eher zusammen auf eine Party. In Deutschland funktioniert unser Humor dagegen nicht so gut. Wir müssen uns etwas umstellen. Wie ist deutscher Humor? Ich würde sagen, eher trocken und sarkastisch, dem britischen gar nicht so unähnlich. Aber Deutsche legen sehr viel Wert auf Authentizität. Hm. Unsere Firma hat ihren Hauptsitz Los Angeles, deswegen sind wir von amerikanischen Werten geprägt. Wir sind sehr offen und gesprächsfreudig. Wie sprichst du Frauen an? „Entschuldige, ich habe dich gerade vorbei gehen sehen und ich finde, du siehst unglaublich gut aus.“ Das ist alles? Ich versuche dann noch ein spezielles Kompliment hinzuzufügen – etwa, dass mir ihr Style gefällt oder ich ihre Augen mag. Die Situation ist mir egal. Ich sage ihr das sogar vor ihrer Mutter. Gibt es eine Technik, die sich nicht lehren lässt? Harte Arbeit. Wer unsere Kurse besucht, muss danach ständig üben. Ich kann ihnen sagen, wie es funktioniert, aber sie müssen es umsetzen. Um Aussehen geht es nicht. Frauen fühlen sich von Macht und Selbstvertrauen angezogen. Daran muss man arbeiten. Wenn in deinem Leben etwas nicht in Ordnung ist, können wir zwar deine Körpersprache und deinen Charme verbessern, aber es bringt nichts, wenn du dich in deiner Haut nicht wohl fühlst.

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Die meisten Männer sprechen eine Frau erst dann an, wenn sie einen gewissen Alkoholpegel haben. Wie viel darf, kann oder muss man trinken, wenn man eine Frau kennenlernen will? Wir haben lange Zeit gar keinen Alkohol getrunken, um uns voll und ganz auf das Game konzentrieren zu können. Mittlerweile aber sehe ich das lockerer. Wichtig ist nur, dass beide in etwa denselben Pegel haben. Ist einer von beiden total betrunken und der andere nur beschwipst, wird es schwierig. Der größte Vorteil von Alkohol ist: Er macht Frauen locker. Oft fühlt sich eine Frau zu dir hingezogen, zögert aber weil sie unsicher ist oder nicht will, dass ihre Freundinnen das sehen. Die richtige Menge Alkohol kann dann den Ausschlag geben. Übrigens kann es eine tolle Erfahrung sein, zu zweit abzustürzen. Aber wie erkennt man, dass man zu betrunken ist? Die Regel lautet: Sprich mit Frauen, bevor du dich volllaufen lässt. Die meisten Männer gehen in eine Bar, stehen zwei Stunden trinkend am Thresen und sprechen dann endlich die Frau an, die sie interessiert. Das geht meistens schief. Wenn du dich aber zuvor schon mit ein paar Frauen unterhalten hast, bist du locker und die Frau ist wahrscheinlich auf einem ähnlichen Level. Wissen Deine Eltern, womit du dein Geld verdienst? Meine Eltern kommen aus Sri Lanka, das ist eine vollkommen andere Kultur. Zunächst waren sie enttäuscht, dass ich kein Arzt oder Anwalt werde. Deswegen habe ich ihnen erst davon erzählt, als ich von meiner Arbeit leben konnte. Sie verstehen aber bis heute nicht ganz, was ich tue. Mein Vater fragte mich einmal: Junge, bezahlen dich Frauen, damit sie Sex mit dir haben? Wie lange kannst du in diesem Beruf arbeiten? Wird man dafür irgendwann zu alt? In den nächsten fünf Jahren will ich keine Familie gründen. Allerdings kann ich diese Arbeit nicht ewig machen. Sie laugt aus. Ich möchte mich mehr auf die Business-Aspekte konzentrieren und die Trainingsarbeit an andere weitergeben. Mystery ist so etwas wie die Ikone der Branche. Er wird von dem Journalist Neill Strauss in "Die perfekte Masche" porträtiert. Was macht er heute? Mystery ist auch der Gründer von Lovesystems, aber er hatte nach einigen Jahren Streit mit dem CEO Nick Savoy. Savoy übernahm daraufhin die Firma und Mystery gründete eine neue. Er ist sehr gut, was Frauen betrifft, aber Business ist nicht seine Stärke. Hast du in deiner Freizeit überhaupt noch Lust, Frauen anzusprechen? Ja, aber es läuft ganz anders als in unseren Workshops. Es passiert dann einfach, aber wir stehen nicht abends in einer Bar, mit dem Ziel, eine ins Bett zu kriegen. Das ist wie bei einem Koch – wenn du den ganzen Tag in der Küche stehst, willst du nicht auch noch abends für deine Familie kochen. Mit wie vielen Frauen hattest du Sex? Knappe 100. Früher war mein Ziel, mit möglichst vielen Frauen zu schlafen. Aber irgendwann kam ich an einen Punkt, wurde mir klar: Quantität ist nicht alles. Es tut manchmal gut, eine solche Zahl im Hinterkopf zu haben, weil es einen sicherer macht. Mittlerweile finde ich mehr Gefallen an dem, was vorher passiert – die Magie, die Spannung, kurz vor der Verführung. Kann man in diesem Beruf eine feste Beziehung haben? Momentan ist mir wichtig, viel zu reisen und Geld zu verdienen. Ich möchte jetzt keine feste Beziehung. Aber du hattest schon einmal eine? Ich hatte eine feste, exklusive Beziehung vor einiger Zeit. Ansonsten führe ich mehrere offene Beziehungen. Wie viel Geld verdienst du? Mittlerweile lebe ich sehr gut davon. Ich verdiene in etwa so viel wie ein Investmentbanker.

Text: philipp-mattheis - Fotos: Juri Gottschall

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