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Jung, schwul, CDU-Mitglied

Christian Röbcke-Gronau ist Vorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union in Hamburg. Wie fühlt er sich in einer Partei, die derzeit als größter Feind der Homo-Ehe gilt?
charlotte-haunhorst

jetzt.de: In der aktuellen Debatte um die sogenannte Homo-Ehe ist man sich ziemlich einig: Die CDU ist schuld, dass es sie in Deutschland nicht gibt. Wie fühlt man sich da als schwuler CDU-Politiker?
Auf der einen Seite motiviert, weil eine neue Debatte entfacht wird. Auf der anderen Seite aber auch frustriert, weil Deutschland bei dem Thema mal weit vorne war: Wir hatten ab 1999 die Hamburger Ehe, später dann die Umsetzung des Lebenspartnerschaftsgesetztes. Und jetzt ziehen alle anderen Länder vorbei und in der eigenen Partei befinden sich die größten Bremser.

Fragt man sich nicht manchmal, ob man in der falschen Partei ist?
Ich glaube, dass das schon viele tun, da würde ich mich selbst nicht ausnehmen. Aber ich komme dann immer wieder zu dem Punkt, dass ich nicht in die Partei eingetreten bin, weil ich schwul bin und in dieser Hinsicht etwas bewegen möchte. Sondern weil die CDU/CSU für mich wirtschafts-, arbeitsmarkt- und finanzpolitisch die beste Wahl ist. Das ergeht vielen, die sich mit mir in der LSU (Anm. d. Red.:Lesben und Schwule in der Union) engagieren, übrigens ähnlich. Und wenn man sich das immer wieder vor Augen führt, hält man in der CDU ganz gut durch.

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Christian Röbcke-Gronau, 34, ist Vorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) in Hamburg und für eine gesetzliche Gleichstellung der Homo-Ehe.

Das ist jetzt aber eine sehr nüchterne Argumentation. Man kann die eigene private Lebenssituation doch nicht völlig ausblenden?
Natürlich nicht. Aber zu einer guten Privatsituation gehört ja auch eine solide wirtschaftliche Situation. Und wenn ich die nicht habe, dann bringt es mir auch nichts, dass ich mich als Schwuler oder als Lesbe outen kann oder heiraten darf. Dann hätte ich in der Summe vielleicht trotzdem ein schlechteres Leben.

Auch wenn Sie nicht der CDU beigetreten sind, um dort etwas für Schwule und Lesben zu bewegen – das muss doch trotzdem ein Thema für Sie sein.
Ja, und das ist manchmal auch frustrierend. Andererseits – vor zweieinhalb Jahren konnten wir auf dem Bundesparteitag einen Antrag zur steuerlichen Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften einbringen. Es gab dann natürlich Gegenanträge, am Ende wurde es 60 zu 40 abgelehnt. Aber einige Delegierte haben da vielleicht angefangen umzudenken. Und auch, dass wir die sogenannte „Wilde 13“ (Anm. d. Red.: Eine Gruppe CDU-Politiker, die 2012 die Bundesregierung aufforderte, Homo-Paare im Steuerrecht gleichzustellen) motivieren konnten, laut für uns zu einzutreten, war ein Erfolg. Das zeigt ja, dass die Union nicht insgesamt ein homophober Haufen ist. Konservatismus wird da einfach unterschiedlich gelebt und verstanden.

Sie sind mit 14 in die Schülerunion eingetreten, mit 16 in die CDU. Hatten Sie damals Angst, Ihre Homosexualität könnte in der Partei ein Problem sein?
Als ich in die Partei eingetreten bin, hatte ich noch gar nicht realisiert, dass ich schwul bin. Und als ich dann so weit war, habe ich nicht mit dem Gedanken gespielt, damit hinterm Berg zu halten. Das lag auch daran, dass ich 2003 Kontakt zu einem Abgeordneten hatte, der sich in der LSU engagierte und mir half, dort erste Schritte zu machen. So kam die Angst, mir in der Partei damit etwas zu verbauen, gar nicht erst auf. Man muss nur von Anfang an offen mit dem Thema umgehen und so keine Angriffsfläche bieten.

Sind Sie je diskriminiert worden?
Persönlich angegriffen wurde ich nie und das habe ich auch noch nicht von anderen gehört. Allerdings gibt es hier natürlich schon Hardliner, die Dinge sagen wie „Gott hat die Menschen als Mann und Frau geschaffen und nur diese beiden können eine Familie hervorbringen und sind es deshalb wert, miteinander in der Ehe verbunden zu werden“ und so weiter. Wenn ich mir dann meine eigene persönliche Situation anschaue – ich lebe mit einem Mann zusammen, wir haben eine eingetragene Lebenspartnerschaft und ich habe sein Kind mit großgezogen – dann empfinde ich solche Aussagen schon als persönlichen Affront.

Gerade innerparteiliche Debatten über das Thema „Adoptionsrecht für Homosexuelle“, die ja viele in der CDU ablehnen, stelle ich mir für Sie sehr schwierig vor.
Ja, da hatte ich schon häufig sehr emotionale Debatten, und bei dem Thema ärgere ich mich auch oft wahnsinnig. Zum einen, weil mir dabei das Gefühl vermittelt wird, ich würde nicht als Vater taugen. Zum anderen schwingt da der Vorwurf mit, man würde dem Kind eine schlechte Zukunft bieten. Die Argumente der Gegner klingen oft, als würden unsere Kinder in der Schule gehänselt werden und seien später emotionale Krüppel. Und dann sehe ich, zu was für einem selbstbewussten Kerl unser Sohn, der jetzt 20 ist, herangewachsen ist und finde solche Vorwürfe einfach nur unglaublich.

Man liest oft, dass die CDU Angst hat, mit der der Befürwortung der Homo-Ehe konservative Wähler zu vergraulen. Ist das wirklich der Hauptgrund?
Man würde viel weniger Wähler vergraulen, wenn man die Homo-Ehe umsetzen würde! Denn die meisten Umfragen sagen doch, dass der Mehrheit der Bevölkerung das auch wurscht ist, solang ihre eigenen Rechte nicht eingeschränkt werden. Der aktuelle Kurs führt aber dazu, dass konservative Homosexuelle ihre Stimme vielleicht doch eher der SPD oder FDP geben und wir insgesamt gegenüber den anderen Parteien bei diesem Thema an Boden verlieren. Das hätte man aber auch schon früher ahnen können. Die LSU hat davor auch gewarnt, aber die Meinung der Parteispitze ist halt eine andere.

Man liest auch, dass es vielen innerhalb der CDU, insbesondere der Kanzlerin, eigentlich egal ist, ob Homosexuelle nun heiraten dürfen oder nicht. Spiegelt das Ihre Erfahrungen in der Partei wider?
Nein, auf keinen Fall. Manche in der Partei sagen, sie trauen homosexuellen Paaren beispielsweise kein Adoptionsrecht zu. Andere sagen, sie sehen im Steuerrecht dafür keine Veranlassung, der besondere Schutz der Ehe müsse gewährleistet werden. Diesen Gegenwind gibt es schon. Das sind aber nur deren vordergründige Argumente. Dahinter steckt meistens doch Unwissenheit und Angst vor Veränderung. Die Kanzlerin behauptet wiederum, die ganze Thematik sei ihr egal, aber das ist aus meiner Sicht nicht ganz richtig. Man kann ihr schon vorwerfen, dass sie keine Initiative ergreift, sondern immer nur auf Entscheidungen vom Verfassungsgericht wartet. Gefühlt ist das Thema einfach das letzte Feigenblatt des Konservatismus. In der großen Koalition haben sich so oft SPD und CSU durchgesetzt, und deshalb hat man in der CDU jetzt das Gefühl, diese letzte Bastion dürfe auf keinen Fall eingenommen werden, damit man sagen kann: "Aber unsere Grundwerte haben wir ja verteidigt."

Kann die aktuelle Debatte denn dazu führen, dass die CDU sich doch nochmal bewegt?
Ich vermute, dass die Parteispitze das aussitzen wird. Es gibt zwar einige Befürworter in der Union, die den Weg mit uns gemeinsam noch ein Stück gehen wollen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass das Thema „Adoptionsrecht für Homosexuelle“ nochmal auf den Tisch kommt. Aber die gesamte Gleichstellung der Ehe? Eher nicht.

Text: charlotte-haunhorst - Foto: oh

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