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Kultur ist ihr Gemüse

Drei junge Leute wollen Kultur frei Haus liefern: Bücher, Filme, CDs. Indie, regional und kuratiert. Wie viel ein Jahresabo kostet und wie sie Künstler aus Sachsen-Anhalt finden? Erklären sie im Interview.
nadine-wolter

jetzt.de: Ihr wollt regionale Kulturboxen kuratieren. Warum könnt ihr das?
Nadja Dumouchel: Alain Bieber und ich haben uns bei Arte kennengelernt. Und Alexander Brauch hat vorher schon mit Alain zusammen gearbeitet. Ich bin in der Filmlandschaft aktiv, Alain kennt sich mit Independent-Kunst und urbaner Kultur aus und Alexander ist Experte für Grafik, Design und Foto. Im Grunde wollen wir in der Kulturbox das Beste aus Independent-Film, -Foto, -Kunst, und -Illustration, also aus allen unseren Bereichen, zusammenführen und für ein breites Publikum zugänglich machen.

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Noch bis zum Ende Januar 2015 kann man das Kulturbox-Projekt von Alain Bieber, Nadja Dumouchel und Alexander Brauch auf startnext unterstützen.
Die erste Kulturbox kann man auf diekulturbox.de oder startnext.de schon bestellen. Was ist drin?
In der ersten Box ist jetzt ein Buch, „Eine Tonne für Frau Scholz“. Dann gibt es das neue Klebstoff-Magazin, mit ganz vielen Aufklebern, die von Künstlern gestaltet wurden. Außerdem gibt es noch eine CD von Tapete Records. Und für das Letzte war ich verantwortlich: Eine Freikarte für „Shortattack“, das ist ein Kurzfilmprogramm, das jeden Monat stattfindet und an verschiedenen Locations in Deutschland ausgestrahlt wird. Die Box wurde von einem Leipziger Künstler gestaltet und heißt „Best of Deutschland 2014“. Sie ist ein kleiner Sonderfall, weil sie noch nicht regional ist. Wir wollten erst einmal gucken, wie das Projekt ankommt.

Ein Klebstoff-Magazin klingt ja schon etwas speziell.  Für wen ist die Kulturbox gedacht?
Alle Menschen, die sich für Kultur abseits des Mainstream interessieren, aber vielleicht keine Zeit mehr haben, sich selbst auf darüber dem Laufenden zu halten, was gerade in der Indie-Szene aktuell ist. Also alle, die trotz Zeitmangel Insider bleiben oder werden möchten.

Ein Jahresabo für vier Kulturboxen im Jahr kostet 189 Euro, eine einzelne Kulturbox 49 Euro. Ist das nicht ein bisschen teuer?
Ein neuer Roman mit 200 Seiten würde 15 bis 20 Euro kosten, das Klebstoff-Magazin und die CD kosten jeweils zehn Euro und eine Kinokarte kostet ja auch um die neun Euro. Wenn man sich das so überlegt, ist der Preis schon fair. Falls das Projekt gut angenommen wird, würden wir gern noch mehr Sachen in die Boxen der einzelnen Regionen packen.

"Wir haben auch Fernbeziehungs-Specials für Paare in unterschiedlichen Bundesländern!"


Ihr wollt für jedes Bundesland eine Kulturbox gestalten. Wie ernst nehmt ihr das, müssen die Künstler immer aus dem passenden Bundesland kommen?
Da orientieren wir uns wirklich an dem Modell der Gemüsekiste: nur saisonale und lokale Produkte. Wir werden es nicht von vorneherein schaffen, jedes Bundesland zu bedienen, aber das ist unser Ziel. Also auch das hinterste Sachsen-Anhalt. Wir haben in jedem Bundesland Experten, die uns dabei helfen, die richtigen Künstler oder Labels zu finden. Nimm zum Beispiel Berlin, da ist es nicht einfach, aus dem Dschungel an Angeboten das Beste herauszufischen.

Kann ich bei einem Jahresabo auch Boxen aus verschiedenen Bundesländern bestellen?
Ja, das kann man sich frei aussuchen. Wir haben zum Beispiel auch ein Fernbeziehungs-Special für Paare, die in verschiedenen Bundesländern wohnen. Dann kann man sich in beiden Städten, in denen man lebt, das kulturelle Angebot nutzen.

Kann man auch zu Mainstream sein, um in der Kulturbox zu landen?
Ja und Nein. Wir wollen nicht Indie-Kultur um des Independents Willen fördern. Unser erstes Kriterium ist, dass der Artikel sehr gut sein muss, originell, aber trotzdem zugänglich für ein breites Publikum. Der zweite Aspekt ist aber, dass er nicht von einem Major-Label vertrieben werden sollte.

Gemüseboxen werden ja meisten mit Rezepten angeliefert. Wird der Inhalt der Box bei euch auch irgendwie kontextualisiert?
Wir hoffen,  dass die Empfänger der Box auf unserer Internetseite, bei startnext, oder auf unserer Facebook-Seite miteinander über den Inhalt diskutieren werden. Die Box soll auch der Ausgangspunkt einer kulturellen Austauschbörse sein.

Wenn ich keinen Lauch mag, gebe ich das bei der Gemüsebox an und bekomme keinen. Kann man bei euch auch No-Gos angeben?
Nee, es geht ja auch darum, seinen Horizont zu öffnen. Im Moment ist die Kulturbox schon als kuratiertes Gesamtwerk gedacht. Und einzelne Sachen kann man ja immer auch weiter verschenken.

Text: nadine-wolter - Bild: Kulturbox.de

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