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Liebe auf muslimisch

Haroon Mokhtarzada hat eine App für heiratswillige Muslime entwickelt. Anders als bei Tinder soll man damit die Liebe fürs Leben finden. Muslimische Liebe, versteht sich.
dilek-ozyildirim

jetzt.de: Haroon, du bist verheiratet und hast drei Töchter. Wie hast du deine Frau kennengelernt? Via Online Dating?
Haroon Mokhtarzada: Nein, Freunde der Familie haben uns einander vorgestellt. Damals, 2002, war Online Dating ja noch ein Tabu. Heute ist es fast zur Norm geworden. 

Warum braucht es unbedingt eine eigene muslimische Dating App?
Ich habe verschiedene Leute getroffen, insbesondere Frauen, die verzweifelt einen Ehepartner suchten. Das Problem in westlich geprägten Ländern ist, dass die Leute lieber innerhalb ihrer Religion heiraten. Wenn man das möchte, verbringt man viel Zeit mit Suchen. Minder könnte hierbei Abhilfe schaffen.

Worin unterscheidet ihr euch von anderen muslimischen Dating-Portalen wie Ishqr.com? 
Ishqr und die anderen Portale sind keine Apps. Wir bieten mobile Partnersuche an. Das war uns am wichtigsten. Minder ist wie jede andere App, nur eben mit einem besonderen Filter, und zwar um andere Muslime zu finden. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass Muslime nicht anders sind als Nichtmuslime. Die Leute sollen sehen, dass wir dieselben Probleme haben. Auch wir suchen nach einem Partner, wollen heiraten, Kinder bekommen. 

Aber warum gleich heiraten? Ist eine Heirat wichtiger oder besser als eine Beziehung? 
Wir helfen Muslimen, die nicht mehr daten wollen, sondern bereit sind für die Ehe und nur noch niemanden gefunden haben. Ich denke, dass jeder einen natürlichen Filter hat, was das Heiraten angeht. Für Leute, die eine Minderheit in einem Land sind, kann die Suche nach einem Ehepartner mit derselben Religion sehr schwer werden. Die App ermöglicht, ernsthaft Interessierte zusammenzubringen und es ihnen selbst zu überlassen, ob sie nun zusammenpassen oder nicht. Langjährige Beziehungen haben nach einer Weile auch einen eheähnlichen Charakter.

Warum denkst du, dass Muslime eher bereit sind, einen Muslim zu heiraten?
Ich glaube, das Zusammenleben im Alltag wird dadurch erleichtert. Wenn du ein Muslim bist und gerne beten würdest, dann möchtest du natürlich, dass dein Ehemann ebenso mit dir betet. Dann ist da noch die Frage der Kindererziehung. Was wirst du deinen Kindern beibringen? Nach welcher Religion sollen sie erzogen werden? Das ist auch schwer für ein Kind, denn eine Religion aussuchen zu müssen, kann dazu führen, einen Elternteil auswählen zu müssen.

Denkst du nicht, dass eine "Marriage-App" nur für Muslime das Problem der Parallelgesellschaften verstärken könnte, wenn niemand mehr außerhalb seiner Religion heiratet?
Die Leute haben doch schon immer innerhalb ihrer Religion geheiratet und das hat sie nicht davon abgehalten, sich mit anderen Kulturen auszutauschen. Ich denke, das ist eher ein Generationenproblem. Die erste Generation der Einwanderer bringt Kinder hervor, die im Westen groß geworden sind, auch wenn diese wiederum nur Muslime heiraten, sind sie eher dazu fähig, sich an die westliche Gesellschaft anzupassen, weil es nicht mehr völlig fremd für sie ist.

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Haroon Mokhtarzada, ein in den USA lebender IT-Unternehmer mit afghanischem Wurzeln, hat eine Dating App speziell für Muslime entwickelt. Ab diesen Sommer soll sie auch in Deutschland zugänglich sein

Es gibt verschiedene Glaubensrichtungen im Islam, etwa Sunniten, Schiiten und Aleviten. Wie funktioniert das Dating zwischen diesen meist zerstrittenen Gruppierungen?
Hier unterscheiden wir uns von anderen Dating-Apps: Solche Details sind beim ersten Blick auf das Profil erkennbar. Der User kann selbst entscheiden, ob er speziell einen Sunniten möchte, oder einfach nur einen Muslim.

Denkst du, dass Minder auch schwer vermittelbaren Muslimen helfen kann, einen Partner zu finden, zum Beispiel geschiedenen, gehandicapten oder gar homosexuellen Muslimen?
Ja, definitiv. Es ist zum Beispiel für einen Behinderten sowieso schon schwer, rauszugehen und Leute zu treffen. Minder hilft dabei, mit wenig Mühe viele Leute kennenzulernen. Damit könnten auch Tabus in der islamischen Gesellschaft brechen. Minder hat hierbei eine klare Botschaft: Wir sind nicht mehr im mittleren Osten, wir sind im Westen, im 21. Jahrhundert. Kommt damit klar, brecht mit den Tabus, jeder hat das Recht auf eine glückliche Beziehung. Homosexuelle Muslime können wir aber wegen der noch viel zu geringen Anzahl von Usern leider noch nicht vermitteln.

Eine Beziehung kannst du jederzeit beenden, aber aus einer Ehe kommst du nur mit Scheidung raus. Und das stigmatisiert vor allem die Frauen. 
Scheidungen sollten meiner Meinung nach in der muslimischen Community enttabuisiert werden, denn sie sind im Islam generell erlaubt. Im Nahen Osten haben geschiedene Frauen kaum Chancen, wieder zu heiraten, das ist wahr. Ich denke aber, das ist im Westen nicht so extrem.

Denkst du, die App könnte helfen, die Kommunikation zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu unterstützen?
Jemand hatte mal unter unsere FB Seite geschrieben “Oh, ich dachte Muslime könnten nur ihre Verwandten heiraten”. Wir haben Sie daraufhin gefragt, wie sie darauf kommt und sie sagte, dass sie keine bösen Absichten hatte, sie wusste es nur wirklich nicht besser und hatte dieses Bild im Kopf. Ich denke, wenn wir diese Frau damit aufklären konnten, dann könnte das Minder auch. Es zeigt nämlich: Hey, seht her, auch Muslime haben Probleme bei der Partnersuche, auch sie benutzen Dating Apps. Die sind ja wie wir.

Text: dilek-ozyildirim - Dilek Özyildirim; Foto: Haroon Mokhtarzada

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