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Wie viele Smarties passen in einen Smart?

Brainteaser werden mittlerweile immer häufiger in Bewerbungsgesprächen gestellt. Doch was bringen diese absurden Ablenkungsmanöver? Eine Personalberatin über den Sinn unsinniger Fragen.
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Die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch löst in der Regel Freude aus, schließlich hat man damit den ersten Schritt zur gewünschten Stelle gemeistert. Fallen jedoch im Laufe des Gesprächs Fragen wie „Wie viele Autos passen auf die Autobahnen in Deutschland,“ oder „Welcher Tag ist morgen, wenn vorgestern der Tag nach Montag war,“ so löst dies im ersten Moment wohl eher Verwunderung und Irritation aus, haben sie doch mit der ausgeschriebenen Stelle sowas von gar nichts zu tun. Und genau das sollen sie auch: aus der Ruhe bringen, irritieren. Personalmanager versuchen dadurch, das analytische Geschick von Bewerbern auf die Probe zu stellen, um zu sehen, wie diese mit Problemstellungen umgehen. Marietta Esche ist Bewerbungscoach und Personalberaterin. Wir haben mit der Münchnerin darüber gesprochen, wie man sich auf solche Situationen vorbereitet und wie man sie am besten meistert.

Jetzt.de: Frau Esche, wie würden sie einem jungen Bewerber erklären, was ein Brainteaser ist?
Marietta Esche: Brainteaser sind kleine, meist knifflige Denkaufgaben. Sie beschreiben eine außergewöhnliche Situation, die den Befragten vor ein Problem stellt, nach dessen Lösung er dann suchen soll. Innerhalb eines Bewerbungsgespräches wirken sie im ersten Moment meist irritierend, doch der Sinn dahinter ist ja auch, den Bewerber etwas aus der Ruhe zu bringen und zu beobachten, wie er mit solch einer Situation umgeht.

Seit wann wird diese Art der Befragung angewendet?
So genau lässt sich das nicht sagen, meiner Erfahrung nach aber hat diese Entwicklung vor etwa zehn Jahren eingesetzt. Ursprünglich wurden Brain Teaser in der Beratung eingesetzt, etwa bei McKinsey oder Boston Consulting. Mittlerweile ist es aber auch in anderen Branchen eine gängige Methode in Bewerbungsgesprächen, klassische Beispiele wären etwa „Wie viele Smarties passen in einen Smart?“ oder „Wie viele Windeln werden in Deutschland pro Jahr verbraucht?“.

Und was genau bezweckt ein Personalmanager damit, wenn er einem Jobanwärter solche Fragen stellt?
Im Grunde genommen geht es darum, das logische und analytische Denkvermögen eines Bewerbers zu testen. Man will herausfinden, wie eine Person mit ungewohnten Situationen bzw. nicht zu erwartenden Problemen umgeht. Schließlich wird man im Joballtag immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. Gerade im Beratungsbereich ist die analytische Betrachtung von Problemstellungen eine äußerst wichtige Qualifikation. Der Befragte soll zeigen, ob er Kreativität mitbringt und wie er Probleme angeht, welche Lösungswege er einschlägt und ob er eine Fragestellung strukturiert erfassen kann.

Kann man also sagen, dass es weniger um die Lösung des Problems geht, sondern vielmehr um den Weg dahin?
Ganz genau, die Lösung der gestellten Aufgabe ist zweitrangig. Was zählt ist, wie der Bewerber mit der Situation umgeht und ob er in der Lage ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich analytisch an die Aufgabe heran zu wagen. Ob in Deutschland jährlich 7,8 Millionen Windeln verbraucht werden oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist nur wichtig, dass der Bewerber Schritt für Schritt schildert, wie er auf eine Lösung kommen würde. Also dass er zunächst nach der Zahl sucht, wie viele Neugeborene es in Deutschland gibt, wie viele Windeln ein Säugling pro Tag braucht und so weiter.

Man sollte also laut denken?
Unbedingt, denn der Gegenüber soll jeden Schritt klar nachvollziehen können.

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Hat als Bewerbungscoach häufig mit Brain Teasern zu tun: Marietta Esche.

Was kann man nun ihrer Meinung nach richtig oder falsch machen, wenn einem solch eine Frage gestellt wird?
Das Wichtigste ist zunächst, dass man die Frage ernst nimmt! Es sollte einem stets bewusst sein, dass es seinen Grund hat, dass sie gestellt wurde. Danach kann man ganz sachlich bleiben und Schritt für Schritt seine Lösung darlegen. Ungünstig wäre es, wenn man minutenlang überlegt und dann einfach nur sein Ergebnis sagt, da der Lösungsansatz so nicht erkenntlich wird. Und das ist es ja, worum es geht. Und natürlich wäre es gänzlich falsch, zu fragen was die Frage denn jetzt solle, oder gar pampig zu werden. Aber das ist in einem Bewerbungsgespräch ohnehin nicht ratsam.

Und welche Empfehlungen haben Sie für Bewerber, um sich im Vorfeld auf eine solche Situation vorzubereiten?
Am besten geht man einfach einige dieser Aufgaben durch, davon finden sich ja zahlreiche im Internet. Außerdem gibt es Literatur dazu. Der Sinn ist dabei nicht, Fragen zu lernen, in der Hoffnung, dass im tatsächlichen Gespräch dann eine drankommt, die man bereits kennt. Denn in der Regel ist das nicht der Fall. Man sollte sich vielmehr mit der Art von Interviewsituation vertraut machen und für sich selbst durchspielen, wie man in dem Moment reagieren würde.

Lässt sich denn eine ungefähre Regel ausmachen, zu welchem Zeitpunkt des Gespräches Brain Teaser gestellt werden?
Das ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, aber tendenziell würde ich sagen, dass sie eher am Ende des Gesprächs kommen, wenn man eigentlich vermuten könnte, dass es gleich vorbei ist. Denn für den Interviewer ist es natürlich besonders interessant zu sehen, wie die Person reagiert, wenn sie aus einer vermeintlich entspannten Situation herausgeholt wird. So, wie es im Berufsalltag auch oft der Fall ist. Es wäre aber falsch, wenn man nun denkt, dass es das Ziel wäre, den Bewerber auszutricksen. Denn letztendlich sollen solche Denkaufgaben lediglich dabei helfen, herauszufinden, ob ein Bewerber für den Job wirklich geeignet ist. Im Endeffekt dient das beiden Seiten.

Ist der Einsatz solcher Befragungsmethoden branchenabhängig?
Also generell würde ich sagen, dass sie überall da zum Einsatz kommen, wo analytisches Denken gefragt ist. Dazu zählt der gesamte Beratungssektor, insbesondere die Strategieberatung, und zusätzlich der Investmentbereich. Doch natürlich kann dies auch in der Industrie von Bedeutung sein.

Nun ist es ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass solche Denkaufgaben bei Bewerbungsgesprächen zum Einsatz kommen. Erfüllen diese denn in einem Interview überhaupt noch ihren Zweck, wenn mit ihnen gerechnet werden kann?
Ich denke schon. Denn auch wenn ein Bewerber damit rechnen kann, muss er trotzdem seine Fähigkeiten noch unter Beweis stellen. Und wenn jemand die Fähigkeit, eine Situation logisch zu analysieren, nicht besitzt, dann wird er sie auch im Bewerbungsgespräch nicht zeigen können.

Text: josef-wirnshofer - Foto: Marietta Esche / coaching-karriere.com

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