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Wie werde ich Lektor?

Der Literatur-Schwerpunkt: Von Donnerstag bis Sonntag dieser Woche findet in Leipzig die Buchmesse statt und jetzt.de nutzt den Anlass, sich eingehend der "Literatur" zu widmen. Im Ressort Job bringen wir unter anderem in Erfahrung, wie man Lyriker wird, wie ein Sachbuchautor arbeitet und wo man sich zum Schriftsteller ausbilden lassen kann. Heute fragen wir Birgit Schmitz vom Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch: Wie wird man eigentlich Lektor?
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Birgit Schmitz ist 34 Jahre alt und seit 2002 Lektorin bei Kiepenheuer & Witsch, dort zuständig für die KiWi-Paperback-Reihe. Im Interview verrät sie uns, wann man besser kein Lektor wird, warum man sich mit Verlagen auskennen sollte und was aus Musikjournalisten mal wird.

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Zuletzt von Birgit Schmitz lektoriert: Helen Walshs Roman "Millie" (Bild: Kiepenheuer & Witsch) Ich lese gerne. Soll ich Lektor werden? Dass man gerne liest, ist eine notwendige Voraussetzung - aber keine hinreichende. Als Lektor muss man Texte schließlich nicht nur lesen, sondern auch mit ihnen arbeiten. Dazu braucht man Geduld, Einfühlungsvermögen und Sprachgefühl. Das bedeutet auch, sich auf unterschiedliche Schreibweisen einlassen zu können. Dazu muss man aufmerksam sein, genau lesen, hinschauen und zuhören können. Wann sollte ich auf keinen Fall Lektor werden? Die klassische Antwort darauf ist, dass man nicht Lektor werden sollte, wenn man eigentlich Schriftsteller werden möchte. Dabei gibt es auch Lektoren, die namhafte Schriftsteller sind. Für mich ist das ausschließende Kriterium vor allem Desinteresse an Sprache. Wie werde ich Lektor? Inzwischen sollte man ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben. Für unseren Verlag sind vor allem Philologen interessant, egal ob sie Englisch, Spanisch, Französisch oder Deutsch studiert haben. Oder Geisteswissenschaftler: Historiker, Soziologen oder Philosophen. Wichtig ist aber auch eine gute Allgemeinbildung und ein Verständnis für die Welt. Um einen Roman einschätzen können, ist das ebenso wichtig, wie für ein Sachbuch. Das Volontariat bei einem Verlag dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Wir schreiben diese Stellen aber nicht aus, weil wir sowieso schon zu viele Bewerbungen bekommen. Man sollte übrigens wissen, was der Verlag macht, bei dem man sich bewirbt. Wenn Bewerber unser Programm gut kennen, findet man schon im Bewerbungsgespräch viele Anknüpfungspunkte und sieht schneller, was den möglichen Volontär interessieren könnte. Werden die Volontäre übernommen? Sagen wir so: Die Chance besteht. Das Lektorat bei Kiepenheuer & Witsch ist jedoch so klein, dass bei zwei Volontären pro Halbjahr die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme sehr gering ist. Wenn wir eine Volontärin oder einen Volontär nicht übernehmen können, verfolgen wir natürlich, wie es ihm weiter ergeht. Es ist schön zu sehen, wenn sie dann bei anderen Verlagen unterkommen. Wie sind Sie selbst Lektorin geworden? Ich habe Geschichte, Germanistik und Soziologie studiert und währenddessen journalistisch gearbeitet, hier in Köln zum Beispiel für die Spex. Dann habe ich angefangen zu promovieren, währenddessen ein Volontariat bei Kiepenheuer & Witsch gemacht und bin dort geblieben. Eigentlich wollte ich Historikerin werden, aber heute ist das weit weg. Denn ich bin richtig gerne Lektorin. Was macht ein Lektor? Um erst einmal ein klassisches Missverständnis auszuräumen: Die Korrektur macht ein Korrektor. Neben der direkten Arbeit an den Texten, gilt es die Bücher in den Abläufen des Verlages zu halten. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist der Kontakt mit Autoren und Agenten, ob am Telefon, auf Lesungen oder den Buchmessen in London, Frankfurt und Leipzig. Was macht am meisten Spaß? Die Arbeit mit Autoren ist besonders schön, wenn man sie über einen längeren Zeitraum bei verschiedenen Büchern begleiten kann und dabei miterlebt, wie sie sich weiter entwickeln. Was stört am meisten? Vom ökonomischen Druck will ich gar nicht reden, davon erzählen ja immer alle. Das ist mittlerweile in jedem Beruf so, ich finde nicht, dass Lektoren darunter besonders oder mehr leiden. Eher stört die Masse an Neuerscheinungen, wenn gute Bücher darin untergehen, ist das schon traurig. Ist Lektorin ein Beruf fürs Leben? Für mich schon. Aber das muss jeder für sich wissen. Welche Bücher haben Sie zuletzt lektoriert? Den Coming-of-age-Roman "Millie" von Helen Walsh, einer Autorin aus Liverpool und "Disko Ramallah", eine Sammlung von DJ-Geschichten aus aller Welt von Hans Nieswandt. Übrigens: beides tolle Bücher!

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