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"Wir wollen den großen Playern auf die Finger schauen"

Ein Aufpasser, der Facebook und Co. im Auge behält - das soll das "Social Media Watchblog" sein. Der junge Journalist Konrad Weber hat es gegründet. Er will kritisch berichten und gleichzeitig falsche Ängste der Nutzer ausräumen.
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Der 24-jährige Konrad Weber und der 31-Jährige Martin Giesler wollen ein kritisches Auge auf Facebook und Co. werfen und die Angst vor Social Media nehmen. Die beiden Journalisten haben ihr Blog Anfang März gestartet. Sie schreiben Hintergrundartikel, ein News-Aggregator liefert die neuesten Informationen zu Social Media und Big Data und der "Social Media Radar" zeigt die wichtigsten Fakten zu einem Thema an und listet auf, welche Artikel dazu besonders angesagt sind. Wir haben mit Konrad Weber über das Projekt gesprochen.

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jetzt.de: Wie entstand die Idee zu dem Blog?
Konrad Weber: Martin und ich kennen uns über Twitter und andere Kanäle. Wir haben festgestellt, dass es zwar schon einige bestehende Angebote gibt, die über Big Data und Social Media berichten. Bei vielen steht aber ein bestimmtes Interesse im Hintergrund. Wir hingegen möchten unabhängig sein. Außerdem haben wir gemerkt, dass ein großes Unbehagen zu diesem Thema existiert.

Wie begegnet ihr diesem Unbehagen?
Wir machen auf verschiedene Themen des Social Web aufmerksam, aber nehmen den Usern auch die Angst. Die Gefahren des Netzes sind zwar ein Teil des Ganzen, aber man kann mit sozialen Netzwerken auch sinnvoll umgehen. Wir wollen den großen Playern auf die Finger schauen und ihnen klar machen, dass wir sie dabei beobachten, wie sie mit unseren Daten umgehen. 

Wollt ihr auch Vorschläge machen, wie man mit Social Media besser umgehen sollte?   
Es gibt ja keine gute oder schlechte Nutzung. Klar gibt es teilweise fragwürdige Aktionen, die bis zu Rücktritten von Politikern geführt haben. So etwas wollen wir beobachten und dann auch darüber berichten. Aber wir haben auch Anleitungen geplant, gerade im Hinblick auf die Privatsphäre-Einstellungen. Es wird außerdem eine neue Seite aufgebaut, die im Laufe der nächsten Wochen online geht, das sogenannte "Privacy-Center". Dort kann man schauen, wie man seine Daten wenigstens ein bisschen schützen kann.

Ihr schreibt in der Erklärung über das Blog, dass ihr prüfen wollt, wie Politiker und Unternehmen Social Media nutzen. Wie wollt ihr das machen?
Die FDP hat vor einigen Wochen in kürzester Zeit 29.600 neue Follower auf Twitter gewonnen. Das war schon sehr auffällig. So etwas kann man mit speziellen Tools untersuchen, die einem sagen, wie schnell oder langsam eine Community wächst. Außerdem kann man die Accounts an sich analysieren. Also schauen, seit wann der Account auf Twitter existiert und zu welchen Themen die Person twittert.

Du nutzt Facebook und Twitter auch selber. Achtest du dabei auf etwas Bestimmtes?
Wenn ich etwas über mich selbst kundtue, ist mir bewusst, dass das von aller Welt gefunden und gelesen werden kann. Auch noch in fünf Jahren. Das ist bereits seit meiner Anfangszeit im Social Web so. Ich bin nicht vorsichtig, aber handle mit Bedacht. Bei Martin ist es nicht anders. Auch er nutzt soziale Netzwerke persönlich, aber nicht privat. Man kann seine eigene Meinung ja verbreiten, aber es muss ja nicht das ganze Privatleben sein, das man ausbreitet.

Gerade wurde über eine Studie berichtet, die anhand von "Gefällt mir"-Angaben viel über die eigene Persönlichkeit herausfinden kann. Erschreckt dich so etwas?
Ich sehe das nicht als Gefahr, denn ich bin mir dessen bewusst. Meine "Gefällt mir"-Angaben sind nur für meine Kollegen einsehbar. Wobei das natürlich trotzdem noch eine große Gruppe ist. Alleine wenn man meinen Twitterstream verfolgt, weiß man zum Beispiel auch, wofür ich mich interessiere und dass ich journalistisch aktiv bin. Ich verstehe es als Chance, mir ein Profil als Journalist zu gestalten und dem User zu zeigen, was für eine Haltung ich zu welchen Themen einnehme.

Auf eurer Seite heißt es, ihr seid komplett unabhängig. Wie finanziert ihr euch?
Wir haben keine Werbung. Es gibt zwar einen Verlag in Deutschland, der mit uns zusammen arbeiten möchte, aber da ist es noch nicht zu größeren Verhandlungen gekommen und es ist noch unklar, ob sie Artikel von uns übernehmen wollen. Eine Finanzierung gibt es nicht und ist auch nicht geplant. Denn wir wollen unabhängig bleiben.

Du arbeitest für den Schweizer Rundfunk und studierst Journalismus und Organisationskommunikation. Martin arbeitet für das ZDF. Wie schafft ihr es, zeitlich alles unter einen Hut zu bekommen?
Das ist der einzige Haken an der Sache. Aber wir sind beide während der Arbeit immer online. Das hilft dabei, die Themen zu sichten. Wenn man irgendetwas nutzt oder sieht, hat man die Auge offen und überlegt, ob das etwas Interessantes für das Blog sein könnte. Sonst passiert viel in der Nacht und den Randstunden. Wir haben die Arbeit jetzt aber untereinander aufgeteilt. Martin ist für die Technik zuständig. Er plant mit den Designern und Programmierern, was wir aufstellen wollen. Ich übernehme die redaktionelle Arbeit und den Kontakt zu den Autoren. Außerdem leite ich die Themenplanung. So ergänzen wir uns ganz gut, habe ich das Gefühl.

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