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Survival-Trip durch die Innenstadt

Auch noch nicht alle Geschenke beisammen? So überlebst du den Vorweihnachtswahnsinn rund um die Kaufingerstraße. Sogar am Samstag!
christian-helten

Du hast es wieder nicht geschafft, rechtzeitig vor der vorweihnachtlichen Shopping-Hochsaison alle Geschenke zu besorgen und musst noch mal in die überfüllte Innenstadt? Blöd. Aber mit diesen Überlebenstipps sollte es zu schaffen sein.

Vorbereitung
Jede Station, die du nicht unnötig mit U- und S-Bahn verbringen musst, schont die Nerven, jeder Meter, den du dich nicht durch Menschenmassen zwängen musst, verhindert ein überlaufendes Geduldsfass. Also: Vorher überlegen, wo du überall hinmusst, und eine genaue Route festlegen. Längerfristige Vorbereitung: Präventiv-Vitamin-C-Behandlung. Denn viele Menschen auf engem Raum im Winter ist gleich extrem hohe Schnupfengefahr!

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„Noch eben schnell“
Streiche diese Phrase für die Dauer deines Weihnachtseinkaufs aus deinem Sprachschatz. Nichts, absolut gar nichts, lässt sich jetzt „noch eben schnell“ erledigen. Die größte Falle in dieser Hinsicht ist der Tengelmann im Zwischengeschoss unter den Tram-Haltestellen am Stachus. Der liegt so hinterfotzig verlockend auf dem Weg, da könnte man doch vor dem Heimfahren noch eben schnell... tu’s nicht.

Schleichwege
Früher oder später ist es soweit: Du musst ein Geschäft in der Kaufingerstraße ansteuern. Am besten bahnst du dir deinen Weg dorthin über die Parallelstraßen zu beiden Seiten. Da kannst du noch einigermaßen frei wählen, wo du deinen Fuß hinsetzt, und musst nicht nur mit der Masse treiben.

Fortbewegung
Trotzdem, irgendwann gibt es keine Umgehungsstraßen mehr, du musst mitten durch die Christkindlmarkt-Schlenderer. Ideale Fortbewegungsmethode: Suche dir einen großen, breiten Mann, der in die gewünschte Richtung unterwegs ist, und hefte dich an seine Fersen. Er wird dir eine Schneise schlagen. Noch besser: Nimm den größten Menschen aus deinem Freundeskreis mit und lass ihn voran gehen. Ansonsten beachte folgende Regeln: Schlendergrüppchen meiden. Auf dem Christkindlmarkt die Lücke zwischen dem Menschenstrom in der Mitte der Gassen und den neugierigen Guckern an den Ständen suchen. Mit geschmeidigen Ausfallschritten ausweichen.

Ausgang am Marienplatz
Das effiziente Schwimmen in der Masse beginnt schon bei der Wahl des richtigen Ausgangs aus dem Sperrengeschoss am Marienplatz. Entweder, du verlässt die Unterwelt erst gar nicht und stürzt dich direkt in den Kaufhof. Oder du wählst den Ausgang beim Beck, der mündet nicht direkt auf den Christkindlmarkt.

Treffpunkt
Oft will man noch eine Begleitung im Advents-Einkaufskampf (geteiltes Leid und so) treffen. Bloß wo? Am Fischbrunnen, dem Innenstadt-Treffpunkt Nummer Eins ist es viel zu voll. „Vor’m Hugendubel“ ist auch keine gute Idee, das ist in etwa, als würde man sich in einem reißenden Fluss mitten in die Strömung stellen, um auf jemanden zu warten. Noch unpraktischer sind alle Treffpunkte à la „Bei diesem Glühweinstand rechts hin“. Besser: Am Wildschwein vor dem Jagd- und Fischereimuseum. Das ist ein klar definierter Ort und zumindest ein klein wenig abseits.

Stauraum
Außerdem gibt es direkt am Jagdmuseum eine der wenigen Einrichtungen, bei der man sich denkt: „Oha, der MVV! Da hatte er mal eine ganz gute Idee.“ Die Rede ist vom „Packerlbus“, in dem man gekaufte Geschenke für die Dauer des weiteren Einkaufs zwischenlagern darf, sofern man ein gültiges MVV-Ticket vorzeigen kann. Das ist praktisch, weil mit der Zahl der Einkaufstüten, mit denen man behängt ist, die Fähigkeit zu effizientem Navigieren durch die Massen enorm sinkt. Überhaupt: Tüten vermeiden ist eine ganz wichtige Survival-Regel. Erstens für die Umwelt, zweitens der angesprochenen Durchquerung der vollen Fußgängerzone wegen. Alles, was einen breiter macht, bremst einen aus oder führt zu blauen Flecken bei den entgegenkommenden Einkäufern. Insofern: Rucksack mitnehmen, und möglichst viel da hinein packen.

Kleidung
Du musst dick angezogen sein, zur Wappnung gegen Kälte und die Menschen, die keinen Rucksack tragen, sondern Flachbildschirme in kantigen Verpackungen durch die Gegend schleppen. Bedenke aber die vielen Temperaturwechsel beim Betreten der Geschäfte! Du musst dich schälen und auf die unterschiedlichen Bedingungen auf der Straße, in Kaufhäusern, und öffentlichen Verkehrsmittel einstellen können. Wie im Gebirge empfiehlt sich auch hier das Schichten-Prinzip (Fachterminus: Shopping-Zwiebel). Auch wichtig: Du solltest in deinem Rucksack Platz haben, Handschuhe, Schal, Mütze und Jacke zu verstauen. Nur mit freien Händen gehst du am Wühltisch nicht unter!

Proviant
Nahrungsaufnahme auf Christkindlmärkten ist zu vermeiden. Es sei denn, du möchtest unbedingt überteuerte Rostbratwürschtl konsumieren. Bessere Wahl: Die Würste auf dem Viktualienmarkt, am Stand „Imbiss Elisabeth Teltschik“ neben dem Espresso am Markt. Bis 12 Uhr gibt es sehr gute Weißwürste, danach nur noch Stockwurst, sozusagen eine etwas dickere Weißwurst, die aber keine Weißwurst ist. Eine günstige, nicht so überfüllte Leberkassemmel-Variante in Marienplatznähe ist Wolf's Brotzeitladen am Altheimer Eck. Empfehlung: Chili-Leberkas. Die beste Pausenvariante zum richtig Hinsetzen und essen ist das Bon Valeur (Sonnenstraße 17). Das Essen dort schmeckt gut, ist gesund und das Sättigungsgefühl hält garantiert vor, bis die Einkäufe erledigt sind. Für zwischendurch: Maroni kaufen. Dann hast du auch gleich eine Papiertüte für den Fall, dass du in der Menschenmenge panisch hyperventilierst.

Pause
Wenn du dich kaum mehr auf den Beinen halten kannst, aber keine ausgedehnte Kaffeepause machen willst, such’ dir einen bequemen Sessel in einem Möbelgeschäft oder Kaufhaus und mach einen auf Probesitzer. Oder geh’ in das Beck-Wollgeschäft „Geknöpft und Zugenäht“. Da gibt es eine lange, gemütliche Fensterbank mit Unterhaltungswert: Du kannst älteren Damen beim Kompetent-Beraten zuschauen.

Christkindlmarkt-Alternative
Der Christkindlmarkt ist als Geschenke-Quelle vollkommen überbewertet. Gefühlt gibt es überall dieselbe Warenmischung aus Gewürzen, Tee, Holzschnitzereien, Lammfellen und Christbaumschmuck. Ein bisschen anders ist das auf dem Glockenbach-Weihnachtsmarkt. Der findet am Sonntag, den 16. Dezember statt, und zwar in der Muffathalle, der Name ist ein bisschen irreführend. Dort gibt es schönes Selbstgemachtes. Wenn irgendjemand doch darauf besteht, dass du mit ihm auf einen Christkindlmarkt gehst, dann führ’ ihn zum Weißenburger Platz. Das ist der erträglichste in München.

No-Go-Areas
Es gibt ein paar Orte, die du auf jeden Fall meiden solltest – was auch passiert: Geh nicht in den H&M! Umgehe die Spezialitäten-Abteilungen in den Kaufhöfen am Wochenende vor Weihnachten weiträumig!

Himmlische Helferlein
Engelchen, Weihnachtsmann und Christkind stehen für den besinnlichen Teil der Weihnachtszeit. Das weiß auch der Einzelhandel und platziert diese Figuren strategisch im Gedränge. Obacht, heißt es da! Auf Besucher der Parfumerie Douglas stürzt sich sofort mindestens ein überstylter Weihnachtsengel, der verwirrten Gemütern bei der Suche nach Duftnoten, Farbpaletten und Texturen behilflich sein soll, aber höchstens inflationäre Einzelhandelsformeln vom Himmel regnen lässt. Ludwig Beck überrascht Kunden in der Weihnachtszeit mit rotbemantelten Herren mit Rauschebart, die Herein- und Herausströmenden die schwingenden Glastüren öffnen – leider manchmal in die falsche Richtung. Also Vorsicht vor den Türenschwingern, günstigen Moment abpassen, Nasenbein abschirmen und vorbeischlängeln.

Oxfam
Ein Tipp für den kleinen Geldbeutel mit gutem Gewissen: der Oxfam-Shop gegenüber der Post am Färbergraben. Da gibt es gut erhaltene Bücher für wenig Geld, manchmal auch ganz ansprechende Platten oder CDs.

Letzte Rettung
Nichts gefunden? Kapitulation vor der Fußgängerzone? In diesen Läden findest du bestimmt noch irgend etwas Hübsches: Im Karusa in der Humboldtstraße 6 bietet Jessica Arendt zwar streng genommen gar nichts an, außer Regalfläche. Selbermacher, Restaurateure und andere Kreativlinge können dort einen Bügel oder ein Stück Regal mieten und ihre Sachen verkaufen lassen. Weiteres hübsches Selbermacher-Gedöns findest du in Giesing in der St.–Bonifatius-Straße 20. Noch bis zum 22. Dezember veranstalten die dort unter dem Namen „Sieben machen“ versammelten Münchner Designerinnen eine Weihnachts-Werkschau in ihrem neuen Laden.


Text: christian-helten - und Sina Pousset, Nadja Schlüter, Christina Waechter. Illustration: Tuong Vi Pham

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