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Daumen hoch!

Der Like-Button gilt manchen als Beweis für stupides Mitläufertum im Web. Dabei ist er oft Anstoß zu einer eigenen Meinung und macht auch Kritik besser und schneller, findet unsere Autorin.
nadja-schlueter

Es geht zu Ende mit uns! Wir werden bis an unser Lebensende abgestumpft im Internet surfen, können bald keine Sätze mehr zustande zu bringen, die aus mehr als 140 Zeichen bestehen, und vor allem verlieren wir gerade die Fähigkeit, selbstständig zu denken. „Once there was something called a point of view“, schreibt Neil Strauss im [link=http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304584004576415940086842866.html?mod=WeekendHeader_Right" target="_blank">Wall Street Journal und fährt fort mit dem Abgesang auf die eigene Meinung. Als das Internet erstmals öffentlich genutzt werden konnte, da sei es eine Welt gewesen, beherrscht von Leidenschaft, Kreativität, Innovation und der Freiheit der Information. Doch nun gehe es nur noch darum, Anerkennung und Zustimmung zu sammeln und gut zu finden, was viele gut finden. Schuld daran sei der kleine Button mit dem Daumen nach oben. Schuld daran sei die „Like-Kultur“.

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Der Like-Button, der auf der Webseite „FriendFeed“ zum ersten Mal auftauchte und dann von Facebook übernommen wurde, wird gerne als Beweis für die Verdummung der Internetmasse angeführt. Er steht dabei oft symbolisch für jede Ein-Klick-Geste, „die kleinste Einheit online bewusst ausgeführter Tätigkeit“, wie sie Marcel Weiss auf [link=http://www.neunetz.com/2010/07/29/der-aufstieg-der-ein-klick-geste/" target="_blank">neunetz.com definiert. Man kann mit einem Klick „gefällt mir“ sagen, einen Tweet favorisieren oder einem Text auf jetzt.de einen Lesenswertpunkt geben. Man kann auch über die reine Bestätigung hinausgehen und mit nur einem Klick den Status oder den Tweet einer anderen Person teilen und damit an die eigenen Freunde und Follower weiterreichen. Der Like-Button, vor allem der auf externen Webseiten eingebettete, ist aus Datenschutzgründen kritisch zu sehen, keine Frage: Die Angst vor dem Meinungseinheitsbrei und dem Verlust des eigenen Kopfes im Internet aber hat mit Datenschutz nichts zu tun. Sie ist reiner Kulturpessimismus. Und zeugt einmal mehr davon, dass internetaffinen jungen Menschen nicht zugetraut wird, kompetent mit ihrem Medium umzugehen.

Die größte Angst, die Strauss in seinem Text formuliert, ist die vor einer Tendenz der Nutzer, ihre Online-Äußerungen an den Geschmack der Masse anzupassen, um möglichst viele „Likes“ abzustauben. Er befürchtet, der Like-Button löse einen Zwang zum Konformismus aus. Am besten lässt sich Angst vor schlechtem Online-Einfluss immer mit Realitätsvergleich entschärfen. Wer sich über allzu sehr auf die Peer-Group zugeschnittene Statusmeldungen anderer beklagt, der sollte am besten abends mit Freunden in eine Bar gehen. Dort wird er seinen Freunden den Witz erzählen, von dem er glaubt, dass die meisten ihn lustig finden. Er wird ein Thema ansprechen, das ihn interessiert und von dem er glaubt, dass es die meisten anderen ebenfalls interessiert – und vor allem, dass die meisten dazu etwas zu sagen haben. Er passt sich an. Ohne sich oder seine eigene Meinung aufzugeben. Und ja, vielleicht sucht er auch Bestätigung, abends in der Bar und im Internet. Aber erstens ist das nichts Verwerfliches und zweitens bekommt man nicht selten für eigene und originelle Ideen und Ansichten mehr Anerkennung als für konformistisches und opportunistisches Geplaudere. Wenn man bei Facebook etwas postet, das weniger harmlos ist als das Foto eines Sonnenuntergangs, dann wird es immer jemanden geben, der es gut findet, aber auch immer jemanden, der dagegen ist. In einem Raum mit so lebhaftem Austausch und so vielen Partizipanten wir dem Internet, ist es kaum möglich, sich immer so zu äußern, dass es allen in den Kram passt. Und wenn man sich zu sehr darum bemüht, ist die Zuschauermenge zu groß, als dass es nicht irgendwem auffallen würde, der es dann anmerkt.

Wahrscheinlich richtet sich Strauss' Angst aber nicht nur auf die harmlosen Statusmeldungen, Fotos und Filme, sondern auch auf die durch massenweises „Gefällt mir“-Klicken (meist in Verbindung mit der Weiterverbreitung) ausgelösten Hypes. Die besten Beispiele dafür sind das Gotye-Cover von „

“ und die Kampagne „

Text: nadja-schlueter - Foto: Torben Schnieber

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