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Der Tampon-Typ

Der Flirt begann mit einem Kommentar bei Facebook. Für Clara wurde daraus ein ziemlich unangenehmer Abend. Sie würde Facebook-Dating nicht weiterempfehlen.
juliane-frisse


Ich habe immer gedacht, was in schlechten romantischen Komödien passiert, sei völlig überzogen. Bis ich in so einer Story gelandet bin: Lars* habe ich kennengelernt, als wir beide das Urlaubsfoto einer gemeinsamen Facebook-Freundin kommentiert haben. Ich fand seinen Kommentar lustig, er meinen – jedenfalls haben wir daraufhin hin und her getextet. Lars machte in diesen Nachrichten einen total sympathischen Eindruck, sein Profil gefiel mir: Netter, sportlicher Typ, dachte ich, und sieht auch ganz gut aus. Er hat nicht lange gefackelt und vorgeschlagen, Billard Spielen zu gehen. Da dachte ich zwar gleich „Oh Gott Billard!“, das kann ich nicht – aber was tut man nicht alles für die Aussicht auf Liebe.

Schon der Auftakt unseres Billard-Dates war etwas seltsam. Er sagte mir gleich, dass er es total toll fände, dass sich mal eine Frau so schnell auf ein Treffen einlässt. Naja, dachte ich. Wir haben erstmal eine Partie Billard gespielt. Ich habe mich entgegen meiner Erwartungen dabei gar nicht so schlecht angestellt und war im Zuge dessen ziemlich euphorisiert. Wobei ich glaube, er hat mich absichtlich gewinnen lassen. Nach ein bisschen Smalltalk fragte er mich, wie lange ich denn schon Single sei. „So acht, neun Monate.“ Woraufhin er antwortete: „Ich erst seit zweieinhalb Wochen.“ Also ganz frisch getrennt, das fand ich dann noch seltsamer. Aber okay, für die Liebe. Und es war ja eigentlich ganz nett.

Als wir uns auf ein Bier hinsetzten, wurde es aber ziemlich surreal. Es war so, als hielte er ein imaginäres Klemmbrett mit einer Checkliste in den Händen, er stellte mir eine Frage nach der anderen: „Willst du mal heiraten?“ „Wie viele Kinder willst du?“ Völlig irritiert von dem Verhör bekam ich das erste Mal echte Fluchtgedanken. Ich habe aber trotzdem brav geantwortet.

Die Abfrageaktion wurde allerdings zunehmend intimer: „Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie leidenschaftlich würdest du dich einschätzen? Hättest du ein Problem damit, jeden Tag Sex zu haben?“ Und schließlich: „Könntest du dir vorstellen, Sex während der Regel zu haben?“ Erst waren meine Antworten ausweichend, aber bei der Frage habe ich ihm dann klar gemacht, dass mir das wirklich zu privat wird. Lars versuchte, sich mit der Beziehung zu seiner letzten Freundin zu erklären. Das machte es aber noch schlimmer: „Sie hat gedacht, ich wolle sie zum Sex drängen, als wir nebeneinander im Bett lagen. Sie hatte ihre Regel und ich hatte gerade Lust, da habe ich an ihrem Tamponbändchen gezogen.“ An dem Punkt war’s für mich endgültig vorbei. Er muss mein Entsetzen bemerkt haben, weil er es dann erneut zu retten versuchte – indem er seine sexuellen Qualitäten angepriesen hat. „Bei meinen letzten fünf, sechs Freundinnen war es immer super – ich bin nie vor denen gekommen.“ Daraufhin habe ich gesagt, dass mein Parkticket jetzt ablaufe, und mich eilig verabschiedet. Er schien aber trotzdem nichts zu verstehen und schlug ein weiteres Treffen vor. Ich habe ihn dann nur noch mit großen Augen angesehen.

Die Erkenntnis, dass es mit uns nach diesem Date nichts mehr werden würde, reifte bei ihm erst mit Verspätung. Am nächsten Tag kam nämlich eine SMS von ihm. Er habe das eine oder andere Detail vielleicht zu früh verraten. Aber: Er habe da noch einen total netten Kumpel, mit dem er mich verkuppeln könne.

* Namen der Beteiligten wurden geändert.

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