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Ein Abendessen führt Bloggerinnen und IT-Mädchen zusammen

Bei „Girl Geek Dinners“ lernen sich Frauen kennen, die in Neuen Medien arbeiten. Wir waren in München dabei
christina-waechter

Obwohl Frauen und Mädchen rein zahlenmäßig im Netz mittlerweile die Oberhand haben und durch ihre Blogs und rege Teilnahme in Social Communities für das rasante Wachstum des Web 2.0 mitverantwortlich sind, gehen sie bei Branchentreffen regelmäßig unter. So waren bei der Berliner Bloggerkonferenz re:publica im April dieses Jahres von 160 Vortragenden nur 19 weiblich. Bei anderen Veranstaltungen dieser Art sieht es ähnlich düster aus. Um dieses Phänomen einmal zu umgehen, fand Anfang Juni das erste Münchner „Girl Geek Dinner“ statt. Allerdings führt der Name der Veranstaltung ein wenig in die Irre: Unter den Teilnehmerinnen waren durchaus gestandene Frauen und wie Geeks – also wie Streber oder Computerfreaks – sahen sie nicht aus. Sogar Männer waren zu dem Treffen zugelassen, solange sie von einer der angemeldeten Frauen eingeladen waren. Dank dieser Regel war das Geschlechterverhältnis zumindest an diesem Abend in einem Schwabinger Lokal mehr als ausgeglichen. Häppchen und Referentin Die Idee für ein solches Treffen hat Veranstalterin Nicole Simon, 34, aus England mitgebracht, wo Zusammenkünfte dieser Art schon seit Jahren erfolgreich veranstaltet werden. Auf „Girl Geek Dinners“ treffen sich Frauen, die im weitesten Sinne mit Informationstechnologie zu tun haben und sich austauschen wollen; als „Girl Geeks“ werden Frauen bezeichnet, die sich für Technologie und die neuen Medien interessieren.

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Im Web, in Blogs, in Communities haben Mädchen fast schon das Sagen und gehören zu den Top-Nutzern. Nur auf Konferenzen und auch in der sonstigen Öffentlichkeit sind Mädchen und Frauen irgendwie unterrepräsentiert. Das soll sich ändern. Mit einer Dinner-Reihe. Nicole Simon kommt eigentlich aus Lübeck und war extra für die Veranstaltung nach München gereist. Sie selbst fasst ihren Beruf unter dem Titel „European New Media Spezialist“ zusammen und verfolgt vor allem ein Ziel: Sie will Frauen zusammenzubringen, die wie Simons selbst in einem Bereich tätig sind, der von außen betrachtet männlich dominiert wird. Deshalb veranstaltet sie in ganz Deutschland „Girl Geek Dinners“ und hofft, durch diese Events anderen Frauen in der Branche helfen zu können. Wie alle Girl Geek Dinners wurde auch das Münchner Treffen gesponsert. Diesmal stellte ein großes Softwareunternehmen Häppchen und eine Referentin zur Verfügung: Deren Personalchefin berichtete in einem kurzen Vortrag von den Bemühungen ihres Arbeitgebers, Frauen an das Unternehmen zu binden. Nach dem Vortrag forderte Nicole Simon ihre Gäste auf, das zu tun, wozu sie gekommen waren: Sich auszutauschen. Und auch wenn die Teilnehmerinnen noch aus ganz verschiedenen Branchen kamen, ergab sich jede Menge Gesprächsstoff. Zwei Informatik-Studentinnen erzählten, dass sie extra aus Nürnberg angereist waren, um sich zur Abwechslung einmal mit anderen Frauen aus ihrem Bereich unterhalten zu können. Eine Gamerin erklärte, warum Mädchenclans ungern gegeneinander im Egoshooter antreten und währenddessen wurden Visitenkarten ausgetauscht, Praktikumplätze angeboten und Folgeveranstaltungen festgezurrt. Am Ende des Abends waren die Häppchen aufgegessen und Nicole Simon zufrieden. Sie wünscht sich, dass sich das Dinner in der Stadt etabliert und zur dauerhaften Einrichtung wird. Deshalb dürfe es, sagte sie mit einem Lächeln, künftig auch gerne ohne sie stattfinden. Zumindest eine Folgeveranstaltung steht schon fest: Am 30. und 31. August wird in München das erste Barcamp stattfinden – eine sogenannte Un-Konferenz, auf der jeder Teilnehmer sprechen kann. Dort soll diskutiert werden, warum Frauen bei der Gestaltung des Web 2.0 so selten mitspielen, und wie sich dieses Missverhältnis ändern lassen kann. Ein hoher Frauenanteil ist auf jeden Fall garantiert: Männer werden nämlich diesmal erst gar nicht eingeladen. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen findest du im Internet unter: groops.de/barcamp und girlgeekdinner.de

Text: christina-waechter - Foto: dpa

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