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15 junge liberische Frauen haben sich zu einem Biker-Club zusammengeschlossen. Ihr Ziel: mehr Sicherheit für Motorrad-Taxifahrerinnen
lisa-bruessler

Dearest Coleman ist 24 Jahre alt und seit sechs Jahren Motorrad-Taxifahrerin in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia an der Westküste Afrikas. Bei einer längeren Tour bat ein Kunde Dearest, unterwegs anzuhalten, um einen Zuckerrohrsaft zu kaufen. Dann tauchten zwei Männer auf, bedrohten sie mit Messern und wollten ihr die Motorradschlüssel abnehmen. Als sie sich wehrte, wurde sie niedergeschlagen und ihr Bike geklaut.



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Über eine Millionen Menschen leben in Monrovia, Motorräder sind ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Von Montag bis Sonntag fährt Dearest Kunden von A nach B. Ihr Tageslohn: zwischen sechs und 12 Dollar. Für das Motorrad zahlt sie am Tag sechs Dollar Miete. Um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und um sich sicherer zu fühlen, hat Dearest Mitte Februar mit 14 anderen jungen Taxifahrerinnen den Pink Panthers Motocycle Club gegründet. Die Frauen zwischen 18 und 30 Jahren treten jetzt als organisierte, gut sichtbare Gruppe auf und hoffen, sich dadurch besser vor Angriffen, sexueller Gewalt und Belästigung schützen zu können. Außerdem wollen sie ein Vorbild sein für andere Moto-Taxifahrerinnen, die sich ihren Platz in dem von Männern dominierten Beruf jeden Tag neu erkämpfen müssen. „Ich bin ziemlich groß und kräftig – das hilft. Aber bei vielen der Mädchen ist das anders“, sagt Dearest.

Die Polizei war ihnen bisher keine große Hilfe – im Gegenteil: Sie hielt die Moto-Taxifahrerinnen besonders oft an, um sie zu kontrollieren, und verhalf so der männlichen Konkurrenz zu mehr Aufträgen. „Die männlichen Kollegen schüchtern uns oft ein oder versuchen, uns Kunden abzuwerben. Aber ich muss trotzdem dranbleiben, weil es der einzige Weg ist, um überhaupt Geld zu verdienen“, sagt Dearest. Dass nie klar sei, wie viel Lohn sie am Ende des Tages wirklich in der Tasche habe, sei dabei das Schlimmste. „Sonntag ist unser bester Tag, da wollen alle in die Kirche und nutzen unseren Service. Aber jeder andere Tag kann gut oder schlecht laufen“, sagt sie. „Es ist sehr hart, von dem Job zu leben, vor allem, weil ich Miete für das Bike zahlen muss.“ Auch das ist vor allem ein Problem der weiblichen Biker: Die männlichen Fahrer haben überwiegend eigene Motorräder – sie können sie sich leisten, weil sie mehr Aufträge bekommen und seltener Opfer von Überfällen werden.

Auf Initiative der lokalen Organisation Angie Brooks International Centre (ABIC) und mit finanzieller Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) konnten sich die Pink Panthers mit Helmen und Jacken ausstatten. Die Farbe Pink macht die Frauen im Stadtbild sichtbarer, schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und gibt ihnen so mehr Selbstvertrauen. Und der Club soll noch mehr bewirken. „Wir planen, mit den Eigentümern der Bikes zu verhandeln, dass sie die Preise runtersetzen, und wir suchen einen Weg, dass die Frauen sich über einen Kredit oder einen Gruppenpreis eigene Bikes kaufen können“, sagt Yvette Chesson-Wureh von ABIC. Helen Clark, Leiterin des UNDP in Liberia, wurde sogar zum Ehrenmitglied des Clubs ernannt. „Weibliche Taxifahrerinnen müssen mit extra großen Risiken umgehen. Deswegen müssen wir sicherstellen, dass sie ihren Job machen können, ohne belästigt zu werden“, sagt Clark.

Aber nicht nur mögliche Gewalt ist ein Problem, sondern auch der enge Körperkontakt mit den Kunden auf dem Motorrad: Dadurch kann Ebola schnell übertragen werden. Kein Land in Westafrika hat bisher so stark unter der Epidemie gelitten wie Liberia. Etwa 9600 Menschen sind bisher in Afrika an Ebola gestorben  – rund 4000 davon in Liberia. „Wir benutzen Chlor, Desinfektionsmittel und tragen lange Ärmel und Boots. Aber Angst habe ich natürlich trotzdem“, sagt Dearest. Denn gegen Viren hilft auch keine Gang.


Text: lisa-bruessler - Fotos: UNDP / Carly Learson

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