Partner von

"Ich war nie ein großer Fan"

Plötzlich umarmt sie Chewbacca und bekommt Tipps von Harrison Ford: Wie ist es für Daisy Ridley, mit 23 Jahren im neuen Star Wars mitzuspielen?
Interview von Alexander Soyez

Ein lautes Lachen, eine gewisse Unbekümmertheit. Sie sieht ein bisschen aus wie die junge Keira Knightley, sie wirkt und klingt auch so. Die 23-jährige britische Schauspielerin Daisy Ridley hat bisher nur ein paar kleinere Fernsehrollen gespielt – aber jetzt ist sie eine der „Neuen“ im kommenden Star Wars. Wer genau ist diese Rey, die sie spielt? Vielleicht die Tochter von Han Solo und Prinzessin Leia, die nichts von ihrer Herkunft weiß? Eine Art junger, weiblicher Luke Skywalker? Oder einfach nur eine junge Frau, die in den Kampf zwischen Gut und Böse gerät? Das werden wir wohl erst erfahren, wenn „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ am 17. Dezember in die Kinos kommt. Aber wer Daisy Ridley ist, das kann man jetzt schon erfahren.

  • 1049818
    Foto: Walt Disney/dpa

jetzt.de: Wie fühlt es sich an, Chewbacca zu umarmen?

Daisy Ridley: Toll! Er ist aber auch einfach so toll! Die meisten Leute denken ja, er wäre unglaublich stark, aber er ist ja nur ein Mann im Kostüm . . . Das ist echt lustig. Manche sagen, „Hey, heb mich mal hoch“, aber das kriegt er eben nur im Film hin.

 

Kanntest du dich mit Star Wars aus, bevor du die Rolle bekommen hast? Eigentlich nicht. Ich habe zwar die sechs Teile gesehen, war aber nie ein großer Fan. Ich kannte nicht jeden Jedi beim Namen und von allem, was über die Filme hinausgeht, habe ich auch nichts mitgekriegt.

 

Also hast du jetzt einen Star -Wars-Crash-Kurs hinter dir . . .

Naja, ich kenne mich jetzt ein bisschen aus. Aber selbst bekennende Star-Wars-Nerds haben mir gesagt, dass es fast unmöglich ist, alles darüber zu wissen. Also versuche ich es erst gar nicht. Ich mag die Filme und ich habe eine Menge Spaß, irgendwie dazuzugehören.

 

Das klingt so, als wäre das irgendein großer Film – aber spätestens seit dem ersten Teaser vor einem Jahr warten wohl mehr Menschen auf den Kinostart als auf den Weihnachtsmann.

Ich habe mir anfangs eher Sorgen darüber gemacht, überhaupt eine Kinorolle zu spielen. Das Ausmaß des Star-Wars-Trubels wurde mir ja erst so richtig bewusst, als ich im April vor 5000 begeisterten Fans auf der Bühne einer Fan-Veranstaltung stand. Sie jubelten mir zu, obwohl sie mich noch gar nicht kannten. Da denkt man dann doch darüber nach, dass wir diese Massen an leidenschaftlichen Fans besser nicht enttäuschen sollten. Das alles ist schon ein bisschen unheimlich. Vor allem aber aufregend!

"Als ich den Lego-Boss getroffen habe, sagte ich zu ihm, dass meine Lego-Figur ziemlich breite Schultern hätte"

Und wie ist es, sich in Kampfposition auf einem T-Shirt oder eine Kaffee-Tasse zu sehen, oder eine Lego-Figur von sich selbst in der Hand zu halten?

Das ist echt seltsam! (lacht) Zu der Lego-Figur muss ich noch was erzählen. Als ich den Lego-Boss getroffen habe, sagte ich zu ihm, dass meine Figur ziemlich breite Schultern hätte und ob man die nicht etwas schmaler gestalten könnte. Ich war da allerdings auch ein bisschen beschwipst. Aber sie haben es dann tatsächlich noch mal geändert. Jetzt sind es richtig gut geratene Schultern! (lacht)

 

Was meinst du, warum hast du die Rolle bekommen?

Ganz ehrlich: Ich glaube, ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es gab mal einen Monat, in dem ich für sehr viele verschiedene Rollen vorgesprochen habe. Das ist, als würde man jede Woche zu einem Vorstellungsgespräch gehen und den Job nie kriegen. Es gibt so viele Faktoren, die da reinspielen: Wie sind die Leute drauf, die dich eingeladen haben? Wie bist du drauf? Vielleicht siehst du nicht richtig aus oder hörst dich nicht gut an, und auf der anderen Seite des Tisches wartet sowieso schon eine vorgefasste Meinung darüber, wie oder wer man ist. Oft hat man gar keine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Hier hat man mir genug Chancen gegeben. Meine ersten Vorsprechen waren richtig schlimm und erst beim letzten lief es gut.

 

Und wie haben deine Freunde reagiert, als sie hörten, dass du bei Star Wars dabei bist?

Die meisten meiner Freunde sind keine großen Fans, also ist eigentlich alles ganz entspannt. Einer hat mir ein Video geschickt, in dem er so eine Art Lichtschwert in der Hand hält. Und ein anderer guter Bekannter, den ich schon Ewigkeiten nicht mehr getroffen hatte, verhielt sich bei unserem Wiedersehen ganz merkwürdig. Da habe ich zu ihm gesagt: „Hey, was ist denn los? Wir sind doch Freunde! Du kannst mich gerne Sachen zu Star Wars fragen, wir können aber auch über andere Dinge reden.“ Fragen hätte er können, Antworten hätte er aber wohl kaum bekommen. 

"Mehr als 2000 Menschen haben an diesem Film mitgearbeitet. Wir tragen alle zusammen die Verantwortung, das Geheimnis so lange zu bewahren, bis der neue Star Wars rauskommt."

Du wurdest vertraglich verpflichtet, nichts zu verraten. War das schwierig für dich?

Nein, eigentlich nicht. Mein Vater ist Fotograf. Darum war er interessiert am Filmprozess und ich habe mit ihm darüber geredet, wie wir gedreht haben oder wie viele Kameras dabei waren. Manchmal hat mich jemand gefragt, mit wem ich am liebsten zusammengearbeitet habe, da musste ich dann eher schweigen. Aber es kam auch nur ganz selten an den Punkt, an dem ich etwas Entscheidendes über den Film hätte verraten müssen. Meine Schwester hat mich mal nach der Herkunft von Rey gefragt. Später meinte sie, dass sie mir sowieso nicht glaubt, weil das Internet ja etwas ganz anderes sagt. Okay, dachte ich mir, dann glaub dem Internet.

 

Außerdem bist du ja nicht die einzige, die etwas hätte verraten können? Genau, man darf nicht vergessen: Mehr als 2000 Menschen haben an diesem Film mitgearbeitet. Wir tragen alle zusammen die Verantwortung, das Geheimnis so lange zu bewahren, bis der neue Star Wars rauskommt. Es wäre doch auch total langweilig für die Zuschauer, wenn sie schon vorher alles wüssten.

 

Was man aber weiß: Dieser Star Wars hat eine weibliche Heldin. Nämlich dich.

Nicht alleine, aber das stimmt schon. Starke weibliche Rollen im Film sind immer noch eher selten. Natürlich ist es toll, jemanden zu spielen, der nicht zu sehr sexualisiert wird. Der etwas darstellt, mit dem sich die Zuschauer identifizieren können. Rey ist keine Superheldin, sie ist einfach ein Mensch. Wenn man sie sieht, kann man sagen: „Hey, ich bin auch ein bisschen so. Ich kann mich um mich selbst kümmern, aber ich habe auch Momente, in denen ich Angst habe oder traurig bin.“ Ich sehe sehr viel von mir selbst in ihr. Und sie ist eine ganz andere Figur als die früheren Star-Wars-Heldinnen. Padmé und Leia sind etablierte Figuren, aber ich ziehe da eigentlich keinen Vergleich. Außer, dass alle drei versuchen, das Richtige zu tun und herauszufinden, wo sie in der Galaxie hingehören. Allerdings wurden Padmé und Leia mit Privilegien geboren – und Rey ist eine Plünderin auf einem Wüstenplaneten. Sie schlägt sich so durch. Sie hat auch nicht diese „Vorgeschichte“. Ihr Abenteuer, ihr wahres Leben, beginnt hier im Film.

 

"Harrison Ford hat mir mit auf den Weg gegeben, ich solle mich von nun an darauf einstellen, im Mittelpunkt zu stehen"

 

Spätestens in den Tagen nach dem Start des Films wirst du von einer unbekannten britischen Jungschauspielerin zum Weltstar werden. Bist du darauf gut vorbereitet?

Ich feiere erst mal Weihnachten mit meiner Familie. (lacht) Harrison Ford hat mir vor Beginn der Dreharbeiten mit auf den Weg gegeben, ich solle mich von nun an besser darauf einstellen, im Mittelpunkt zu stehen, und dass man als bekannter Schauspieler eben viel von den Leuten angeschaut wird, auch in der Öffentlichkeit. Und was den Job angeht, da habe ich einen Vertrag mit dem Studio, aber noch nichts, was danach kommt. Alle sagen immer, der erste Job sei der schwierigste. Aber es gibt auch andere, die sagen, dass der zweite viel schwieriger ist. Bis jetzt ist der ja noch nicht da, aber ich hoffe, ich bin auch gut genug für andere Filme.

 

Aber dir ist schon klar, dass du das „Star Wars“ hinter deinem Namen in deinem Leben nie wieder loswirst? Ja. (lacht) Aber jeder wird doch auf irgendeine Weise mit der einen oder anderen Sache in Verbindung gebracht. Ich persönlich hätte mir in meiner Karriere nichts Großartigeres als diese Rolle wünschen können. Das ist eine Plattform. Es ist so wie bei den Schauspielern von Harry Potter: Daniel Radcliffe hat bewiesen, dass er sowohl im Theater als auch im Film ein unglaublicher Schauspieler ist. Aber klar, natürlich wird er immer der bleiben, der Harry gespielt hat. Wenn ich für immer die bleibe, die Rey gespielt hat, kann ich sehr gut damit leben.

 

Text: alexander-soyez

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren