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"Superman kriegt alle. Clark Kent gar keine"

Manche brauchen eben ein bisschen Hilfe: Die "Pickup"-Methode soll erfolglose Jungs an die Frau bringen. Zwei "Verführungskünstler" erklären, warum man Mädchen keinen Drink spendieren darf.
xifan-yang

Pick Up Artists, auch PUAs genannt, sind eine Gemeinschaft von „Verführungskünstlern“, die streng methodisch Frauen aufreißen. Bekannt wurde die „Seduction Community“ durch Bücher der Szene- Protagonisten Neil Strauss alias Style und Erik von Markovik alias Mystery. Die Bestsellertitel lauten „Die perfekte Masche“ oder „Wie sie jede Frau rumkriegen – egal wie sie aussehen“. Mystery hat seit einiger Zeit eine eigene Show auf MTV, in der er erfolglosen Typen zeigt, wie man an die Frau kommt. Die deutsche Community trifft sich einmal im Jahr auf einem mehrtägigen „Pick Up Kongress“. Diesen August findet er in München statt. Die Gymnasiasten Jonas und Cornelius, beide 18, sind Mitglieder der Münchner Pick Up-Gruppe „Munich Lair“. Wir haben mit ihnen gesprochen. Ihr trefft euch nachmittags am Fischbrunnen und geht in der Innenstadt Mädchen aufreißen. Wie läuft das ab? Jonas: Wir sprechen einfach Frauen auf der Straße an. Sargen nennen wir das. Cornelius: Wir teilen uns in mehrere Gruppen auf und ziehen dann los. Eine Stunde später treffen wir uns, tauschen unsere Field Reports aus und beraten uns. Das hört sich ziemlich organisiert an. Jonas: Pick Up-Communities gibt es eigentlich in jeder größeren Stadt. Die Münchner Szene ist mit circa 300 Leuten recht groß. Dieses Jahr findet in München auch der deutsche Pick Up-Kongress statt. Warum Pick Up? Cornelius: Das ganze Spiel, Frauen aufzureißen, entwickelt sich extrem schnell, und man muss immer einen Schritt voraus sein als der Durchschnittsmensch. Heutzutage wird eine Frau im Club zwanzig Mal angemacht. Da muss man sich was ausdenken. Jonas: Als die Beziehung zu meiner Ex in die Brüche gegangen ist, kam Cornelius an und sagte: Hey, vergiss die eine. Du kannst viel mehr haben. Damit hat er mich für Pick-Up gewonnen. Am Anfang war es Ablenkung und mittlerweile... Cornelius: ...ist es ein Lifestyle geworden. Was sind das für Leute, die bei euch mitmachen? Jonas: Um ehrlich zu sein: Hauptsächlich verzweifelte Typen. Wie bei einer Selbsthilfegruppe. Cornelius: Die Klischees treffen total zu. Pick-Upper sind zu 90 Prozent Computerfreaks, Loser, Nerds. TU-Studenten. Jonas:Ok, das rückt jetzt alles in ein schlechtes Licht. Aber die Anfänger, die zu uns hinkommen, das sind eben genau solche Typen. Die brauchen Hilfe.

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Und die bekommen sie dann bei euch. Jonas: Da sind 25-jährige männliche Jungfrauen dabei, die haben noch nie eine Frau angefasst. Für die sind Frauen fremde, unerreichbare Wesen. Cornelius: Manchmal stehen bis zu zwanzig Newbies pro Woche am Fischbrunnen herum. Pick Up bringt ihnen bei, wie sie Frauen beeindrucken können. Ist Pick Up also eine Methode, um an schnellen Sex zu kommen? Cornelius:Erstmal geht es um Sex. Man kann lernen, wie man jede ins Bett kriegt. Eine Beziehung steht zunächst nicht im Vordergrund. Jonas: Das ist das, was die verzweifelten Typen wollen. Man zieht sich so etwas wie eine Ritterrüstung an, malt sich an, und damit kriegst du die Frauen. Das bist aber nicht du selbst. Das ist wie bei Superman. Superman kriegt Lois Lane und Clark Kent kriegt gar keine. Cornelius: Bevor man eine Frau anspricht, denkt man sich Sprüche und Strategien aus, wie man sie erobern kann. Auf der nächsten Seite: Jonas und Cornelius erklären den bewährten Triangelblick und die Polarität zwischen Mann und Frau


Könnt ihr mal ein Beispiel nennen? Cornelius: Der Triangelblick funktioniert eigentlich immer. Da schaust du einer Frau zuerst in das eine Auge, dann auf den Mund. Währenddessen beißt du dir selbst auf die Lippen. Dann schaust du ihr ganz intensiv ins andere Auge. Danach hat sie Bock dich zu küssen. Jonas: Eine andere Methode ist, zu einem Mädchen hinzugehen und zu sagen: „Nenn mir mal eine Zahl zwischen 1 und 4.“ Die meisten Menschen sagen in so einem Fall 3. Diese Zufallswahrscheinlichkeit nutzt man aus, indem man ihr zuvorkommt und sagt: „Hey, du hast bestimmt 3 gedacht.“ Dann sagt sie: „Hey, woher wusstest du das?“ Das findet sie cool. Cornelius: Sie denkt dann, dass du eine gute Menschenkenntnis hast und die Wahrheit über Frauen weißt. Seid ihr Gentlemen? Jonas: Nein. Cornelius: Wir geben zum Beispiel nie Drinks aus.

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Wieso nicht? Cornelius: Die Frauen nutzen das ja auch aus. Die reden fünf Minuten mit dir und suchen sich einen anderen. Du darfst ihr nicht zeigen, dass du sie heiß findest. Auf keinen Fall darfst du den Nice Guy raushängen lassen. Jonas: Frauen suchen das Alphamännchen und fahren auf Machos ab. Da passieren unterbewusste Aktionen bei denen. Damit musst du spielen. Cornelius: Du kannst sie zum Beispiel verwirren, indem du etwas anderes sagst, als du tust. Du bist sehr nett zu ihr, machst viel Kino, also Berührung. Dann hörst du damit auf, beachtest sie gar nicht mehr. Das merkt sie und denkt: „Was ist denn jetzt los, der wollte doch was von mir.“ Jonas: Was du damit bezweckst, ist, dass sie dann versucht, sich bei dir zu qualifizieren. Das Ziel von Pickup ist, dass sie dir aus der Hand frisst. Und das funktioniert? Jonas: Du bekommst Routinen beigebracht. Du gehst eine Art vorgefertigtes Drehbuch durch. Cornelius: Es ist kein Problem, sie damit ins Bett zu kriegen. Das Problem ist, dass man damit keine Beziehung führen kann. Jonas: Irgendwann geht dem Pick-Upper der Stoff aus. Die Mädchen checken das. Cornelius: Diese Routinen helfen dem Anfänger an Sex zu haben, aber nicht, um eine Freundin zu kriegen. Die Pickup-Methode reicht nur zum Lay. Mehr wird einem meistens nicht beigebracht. Das ist auch eigentlich das Verlogene an der ganzen Sache. Worum geht es euch denn? Cornelius: Eigentlich geht es eher um soziale Interaktion und darum, nette Mädels kennenzulernen. Einfach mit einer Frau reden, Interesse zeigen. Für Anfänger sind Frauen nicht mal primär das Problem, die haben generell ein Problem, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und sozialer werden. Jonas: Ja, das ist eigentlich genau andersrum: Man muss erst sein Leben ändern, um dann Frauen anzusprechen. Wenn man Pick-Up ernst nimmt, dann ist es ein Teil deiner Persönlichkeitsentwicklung. Was muss eine Frau haben, damit sie euch gefällt? Jonas: Ich will jemanden für’s Leben finden, der interessiert, vielseitig und aktiv ist. Die viele Ideen hat und abenteuerlustige Sachen machen will. Das Dilemma ist eigentlich: Jeder Mensch hat Makel und man denkt sich: Ich finde nie die Richtige. Da hinein gerät man eigentlich nur, wenn man früher ein Durchschnittsmensch war. Mit der Persönlichkeitsentwicklung. . . Cornelius: . . . . werden auf jeden Fall die Ansprüche höher. Was ist Weiblichkeit? Cornelius: Emotionalität. Meine Exfreundin war unglaublich weiblich. Sie hat echt einen Shittest nach dem anderen rausgehauen, total anstrengend. Dauernd hat sie geheult wegen jedem Scheiß. Männer haben keine Emotionen? Cornelius: Doch, schon. Aber eine Frau ist für mich chaotischer, leidenschaftlicher, zickiger. Und der Mann ist dazu da, das Emotionale der Frau in Schach zu halten. Jonas: Also ich finde diese Polarität sehr wichtig. Je weniger Gegensatz zwischen den Geschlechtern, desto weniger Leidenschaft. Der Idealtyp eines Manns ist natürlich der Natural. Darauf arbeiten alle Pick-Upper hin. Wer ist ein Natural? Cornelius: Ein Natural ist ein Kerl, der von Haus aus gut mit Frauen klarkommt. Einer, der nie Pick Up gemacht hat und trotzdem richtig viel Erfolg hat. Ich glaube, das hat mit Erziehung oder Vererbung zu tun. Wenn der Vater schon ein Vollopfer war, dann wird sein Sohn auch einer. Jonas: Jemand der Blockflöte spielt, wird nie ein Natural werden. Naturals können ohne die Routinen Frauen verführen und schaffen es, einen eigenen Charakter in ihrem Game zu entwickeln. Cornelius: Ein Natural ist das geborene Alphamännchen. Seid ihr Alphamännchen? Jonas: Nein, ich bin kein Alpha. Ich bin nicht so einer, der sagt, dass Frauen nur Spielzeuge sind... Cornelius: ...oder Sexpuppen. Eigentlich sind wir Romantiker. Auf der nächsten Seite: Targets und Hotbabes - Eine Auswahl an Pick Up-Fachvokabular


Ein kleines Glossar der Pick Up-Geheimsprache PUA - Pick Up Artist; Verführungskünstler MPUA - Master Pick Upper; Meisterverführer PUAG - Pick Up Artist Guru; Verführungsgott AA – Aproaching Anxiety: Die Angst, Frauen anzusprechen AFC - Average Frustrated Crump: Typ, der keinen Erfolg bei Frauen hat The Game - Das Spiel der Verführungskunst.

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Das M3-Modell - Das Dreistufenmodell nach Mystery. Besteht aus folgenden Schritten: 1. Opening (die Frau ansprechen, ihr Interesse wecken), 2. Komfort (ein interresantes Gespäch aufbauen und halten) und 3. Verführung Sarging - Ausgehen mit der konkreten Absicht, Frauen anzumachen Target - Zielobjekt, hier: Frau HB Faktor 1-10 – Der Faktor "Hotbabe" ist ein numerisches Bewertungssystem für Frauen SHB - Superhotbabe (9er und 10er) Set - Gruppe von weiblichen Targets (2Set, 3Set, etc) Opener - der erste Anmachspruch Cold Approach - Das Ansprechen bzw. die Kontaktaufnahme mit einer Frau ohne vorherige Bekanntschaft, etwa auf der Strasse, in einer Bar oder einem Club. Vorteil: sehr viel Auswahl an Targets. Warm Approach - Die Kontaktaufnahme mit einer Frau in einer Komfortumgebung: im Freundeskreis, auf der Arbeit, im Sprachkurs. Vorteil: Wesentlich leichter als Cold Approach. Nachteil: wenige SHBs. Direct - direkte Anmache, Bsp.: „Du gefällst mir.“ Indirect - indirekte Anmache, Bsp.: „Hey, wo ist die Post?“ DHV - Demonstration High Value: Zielorientiertes Auftreten, das dazu dienen soll, sich als Typ mit hohem sozialen Wert zu präsentieren. Shittest - Akt der emotionalen Erpressung, überwiegend von Frauen ausgehend. Typische Frage: "Bin ich zu dick?" Field Report - (Erfolgs)Bericht. Werden auch gerne in einschlägigen Internetforen veröffentlicht. Kino – kinetische Operation, auch Körperberührung genannt Number Close - Austausch der Telefonnummern. Auch #Close geschrieben. Kiss Close - Das Küssen des Targets Fuck Close - Sex mit dem Target. Als einzig wirkliche Closeform angesehen.

Text: xifan-yang - Illustration: Katharina Bitzl

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