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Zu lesen vor der Vorlesung

Klar, Bücher gehören zum Alltag an der Uni. Aber hat auch mal jemand etwas über den Alltag dort geschrieben? Hier sechs Lektürevorschläge, die bei keinem Seminar auf der Liste stehen
kathrin-hollmer

Das Seriöse

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„Studieren – Eine Gebrauchsanweisung“
von Eduard Augustin, Matthias Edlinger und Philipp von Keisenberg
Darum geht’s: Studienwahl, Wohnungssuche, BAföG, Referate, Erasmus, Stipendien, Nebenjobs. Ganz schön viel für so ein kleines Buch. Besonders interessant: eine Schätzung, wie viel Geld man durchschnittlich im Monat braucht – und wann und wie viel Unterhalt die Eltern zahlen müssen.
Darum geht’s wirklich: Um leichte Panikausbrüche, die man beim Lesen bekommt: Muss ich alles wissen? Nein, nicht alles – und vor allem nicht sofort.
Wer kauft’s: Lehrereltern und -kinder.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: nach dem Studium. Klar wäre es stressfreier, wenn man die ganzen Geheimnisse rund ums Prüfungsschreiben und Notenanfechten schon vorher kennen würde. Dann verpasst man allerdings die Leute, die man kennenlernt, wenn man solche Fragen selbst zu klären versucht.
Gelernt: die ideale Lerngruppengröße (drei) und den Schnipo-Index. Angelehnt an den BigMac-Index, der die Kaufkraft einer Währung illustrieren soll, haben die Autoren ein Preis-Ranking für Schnitzel mit Pommes, den Schnipo-Index, erfunden (am günstigsten übrigens in der Mensa der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit 1,85 Euro.)
Wo liegt das Buch: Auf der Kommode im WG-Flur. Natürlich vor der bunt gestrichenen Wand.
Unnötig: Die Anleitung, wie man studentisch applaudiert, und der Hinweis darauf, dass man sich im Hörsaal nicht in die letzte Reihe setzen soll (weil da so viel geschwätzt wird).
Status: Möchte gerne Studentenpflichtlektüre werden. 
 



Das Praktische

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„Käts Studentenküche“ von Katerina Dimitriadis
Darum geht’s: Basic-Rezepte für Chili con Carne, Spaghetti Bolognese und Pizza, aber auch Griechisches, aus der Heimat der Autorin. Katerina Dimitriadis, 22, studiert Buchwissenschaft und arbeitet nebenbei im Restaurant ihrer Mutter.
Darum geht’s wirklich: wie in jedem Kochbuch ums Appetitmachen. In diesem Fall aufs Bekochtwerden zu Hause. Und ein bisschen auch ums Neidischwerden auf das Kitsch-Porzellan auf den Fotos.
Wer kauft’s: Eltern, die nicht mehr jede Woche ein Fresspaket schicken wollen.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: Wenn man Heißhunger auf Pfannkuchen hat, der Teig zu fest geworden ist und Mama nicht ans Telefon geht.
Gelernt: Dass man den Wecker wirklich mal früher stellen und frühstücken sollte.
Wo liegt das Buch: neben dem Herd. Irgendwann verdecken es ein paar Pizzaschachteln.
Unnötig: Die QR-Codes, die zu jedem Rezept die Einkaufsliste aufs Handy schicken. Die Basics hat man zu Hause und den Rest kann man sich auch merken.
Status: Hunger!
 



Die Lebenshilfe

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„This is water“ von David Foster Wallace
Darum geht’s: „There are these two young fish swimming along and they happen to meet an older fish swimming the other way. . .“, so begann David Foster Wallace 2005 seine Abschlussrede vor den Absolventen des Kenyon College. Geworden ist daraus ein wunderbar leichter, philosophischer Aufsatz, der auf einer schlichten Parabel basiert. Zwei junge Fische begegnen einem älteren, der fragt: „Morning, boys. How’s the water?“ Die zwei jungen schwimmen weiter, bis einer den anderen fragt: „What the hell is water?“
Darum geht’s wirklich: Eigentlich sagt schon der Buchtitel alles. Dass man offen für alles sein soll, was einen umgibt – wie die Fische das Wasser.
Wer kauft’s: In der Regel kauft man es nicht selbst, es wird einem gekauft. Klassischerweise zum Abi.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: Wenn gerade alles schief läuft und man eigentlich von jemandem geschüttelt werden muss, um die Dinge wieder anders zu sehen. Also oft.
Gelernt: Dass man diejenigen, die in der Schlange an der Supermarktkasse zwei Minuten vor Ladenschluss hinter einem warten, bestimmt genauso genervt sind wie man selbst. Und dass 24 Seiten viel zu schnell vorbei sind. Dafür kann man das Buch immer wieder lesen, es wird einem immer wieder etwas Neues auffallen.
Wo liegt das Buch: In der Tasche – es hat dort sein eigenes Fach.
Unnötig: Die deutsche Übersetzung. Zum Glück ist in der deutschen Ausgabe die englische Version dabei.
Status: unantastbar.
 



Die Altersweisheit 

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„Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt“ von Umberto Eco
Darum geht’s: Nicht nur um wissenschaftliche Abschlussarbeiten, sondern auch um Seminar- und Hausarbeiten und Referate. Eco, damals Professor an der Universität Bologna, schreibt über Literaturlisten, Materialsuche und -ordnung, Zeitplanung und klärt die Frage, wie viele Bücher man für eine Seminararbeit lesen sollte und für wen man da eigentlich schreibt.
Darum geht’s wirklich: Natürlich ist alles hilfreich, was Eco schreibt, das Buch ist aber auch ein wunderbares Prokrastinationswerkzeug. Es ist leicht verständlich und mit einem Hauch Ironie einfach schön zu lesen. Man darf nur nicht vergessen, anzufangen. Also mit der Abschlussarbeit.
Wer kauft’s: Nostalgiker (wegen der Schreibmaschine), und die, die ein Erasmussemester in Italien planen. Eco bezieht sich oft auf das italienische Hochschulsystem.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: Zu Beginn des Studiums. Weil es auch um Referate und Seminararbeiten geht. Und, weil man laut Eco für die Abschlussarbeit mindestens sechs Monate und höchstens drei Jahre brauchen soll (letzteres kann man nur verstehen, wenn man noch weiß, wie ein Studium vor der Vor-Bachelor- & Masterzeit ausgesehen hat.)
Gelernt: Eigentlich logisch, trotzdem muss es vor einer wichtigen Arbeit noch mal gesagt werden: „Je begrenzter das Gebiet, umso besser kann man arbeiten und auf umso sichererem Grund steht man.“
Sehr schön: die vielen Beispiele für „unmachbare“ Arbeiten, die Eco bringt.
Wo liegt das Buch: aufgeklappt auf dem Schreibtisch. Immer.
Unnötig: Alle Kundenrezensionen, die darauf hinweisen, dass es veraltet ist und kein Internet, kein Computer darin vorkommen. Schließlich bekommt man noch einmal vorgeführt, wie man an interessantes Material kommt – und kann sich gegen das abheben, was alle anderen etwas lustlos ergoogeln.
Status: hat immer Recht. 
 



Das Skandalöse

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„Ich bin Charlotte Simmons: Roman“ von Tom Wolfe
Darum geht’s: Die hochbegabte Charlotte erhält ein Stipendium für eine Eliteuniversität. Endlich kommt sie aus ihrem Kaff raus und hofft, dass sie es jetzt nur noch mit Genies zu tun hat. Natürlich kommt alles ganz anders. An der Uni geht es nämlich nicht vordergründig ums Lernen.
Darum geht’s wirklich: Sex. Und Alkohol. Und dass der Umgang damit durchaus als „Soft Skills“ durchgehen kann. Wer kauft’s: Alle, die sich immer fragen, warum es an ihrer Uni ganz anders zugeht als in den Colleges in Filmen und Serien.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: Wenn man gerade die neue Staffel der Lieblingsserie fertig geschaut hat.
Gelernt: Dass der Wunsch dazuzugehören manchmal so stark ist, dass wir uns vor uns selbst fürchten.
Wo liegt das Buch: Klassiker. Typischer Fall fürs Bücherregal.
Unnötig: künstliche Empörung über die böse Jugend. War schon 2004 überflüssig.
Status: „Cruel Intentions“ der Nullerjahre
 



Das Bizarre

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„Männer-WG mit Trinkzwang“ von Karsten Hohage
Darum geht’s: Um Karsten, der ein Zimmer sucht und in einer Studentenverbindung landet. Erst will er nur ein paar Wochen bleiben, dann gefällt es ihm doch – oder besser, mit der Zeit findet er alles nicht mehr so schlimm.
Darum geht’s wirklich: Alkohol, obskure Verbindungsrituale und Erfüllung von Pflichten, die sich vor ein paar Jahrhunderten mal jemand ausgedacht hat.
Wer kauft’s: Jungs, die bei der Wohnungssuche verzweifeln und mit dem Gedanken spielen, doch auf eine Verbindungsanzeige zu antworten (die erkennt man z.B. an dem Wunsch nach „katholischen“ Männern oder an den meist recht gediegenen Villen). Und „alte Herren“, als Erinnerung.
Bester Zeitpunkt zum Kauf: Wenn man auf so ’ne Anzeige stößt.
Gelernt: Vor allem Verbindungsvokabeln. Da kommen Sänger-, Burschen- und Landsmannschaften vor, man lernt, was eine Mansur, Pönalen und „aufs Haus gehen“ bedeuten. Auf den letzten Seiten ist auch noch eine Tabelle mit allen Verbindungsformen. Zum Glück hat man das gleich wieder vergessen.
Wo liegt das Buch: Es liegt nicht. Es steht. Unter „gebrauchte Bücher“ auf Amazon.
Unnötig: die Fußnoten. Der Autor weist darauf hin, dass sie „manchmal viel interessanter als der Text sind“. Sind sie nicht. Meistens sind es nur weitere Verbindungsvokabeln. Er schreibt auch, dass er sich nicht rechtfertigen will. Tut er natürlich dauernd.
Status: Opa erzählt von früher (und ohje, warum war der in einer Verbindung?).
 

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