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Wie gutgläubig bist du?

Ein satirischer Text in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat viele Menschen glauben lassen, das neuste Grass-Gedicht sei ein Fake. Wie leicht lässt du dich auf den Arm nehmen?
nadja-schlueter

Am vergangenen Wochenende gab es für kurze Zeit ein mittelgroßes Durcheinander. Auslöser war Günter Grass' neustes Gedicht namens „Europas Schande", in dem er sich zur Eurokrise und dem Umgang mit Griechenland äußert und das die SZ veröffentlichte. Dieses Gedicht, so schrieb Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, sei gar nicht von Grass, sondern eine Erfindung der Satirezeitschrift Titanic. Weidermanns Text war zwar selbst Satire – aber das haben nicht alle Leser verstanden. Über Twitter wurde die Nachricht, „Europas Schande" sei ein Scherz der Titanic-Redaktion, teilweise ungefiltert weitergegeben und schon war das Durcheinander geboren. Es hat dann ein Weilchen gedauert, bis alle wieder auf dem Laufenden und davon überzeugt waren, dass die Klageverse die echten Nachfolger von „Was gesagt werden muss" sind.

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Das Grass-Gedicht ist echt - aber kurzzeitig glaubten viele, es sei ein Fake.

Peinlich ist das Ganze vor allem für jene, die auf Weidermanns Scherz hereingefallen sind. Die Geschichte wird bei ihnen als einer der Momente im Leben in Erinnerung bleiben, in denen sie zu gutgläubig waren, und sie werden noch eine ganze Weile die Häme und  den Spott derer ertragen müssen, die den Scherz sofort durchschaut oder zumindest erstmal gezweifelt und sich noch ein bisschen genauer informiert haben. Die Scham, nachdem man auf dem Arm genommen wurde und eine brisant erscheinende Information geglaubt und sogar weitergegeben hat, ist ein Gefühl, das man nur allzu gerne vermeidet.

Hast du der FAS die Titanic-Geschichte geglaubt? Wie gutgläubig bist du – kann man dich leicht auf den Arm nehmen oder bist du sehr kritisch, wenn es um besonders reißerische Geschichten oder Informationen geht? Wann und wie wurdest du das letzte Mal so richtig hinters Licht geführt? 

Text: nadja-schlueter - Foto: dpa

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