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750 Euro brutto für den Kraftfahrer-Azubi

Benedikt, 22, führt mit seiner Berufswahl eine Familientradition fort. Für immer will er den Job aber nicht machen.
Protokoll von Antonia Gaube
  • job kolumne lkw jetzt
    Foto: privat

Der Weg

LKW fahren liegt bei mir quasi in der Familie. Mein Vater, mein Onkel und mein Opa haben das auch schon gemacht. Als Kind bin ich da öfters mitgefahren und habe Spaß daran gefunden. Mittlerweile bin ich im zweiten Ausbildungsjahr und jeden Tag unterwegs, im ersten Jahr arbeitet man noch ausschließlich in der Werkstatt.

 

Bevor ich mich dazu entschlossen habe Kraftfahrer zu werden, habe ich schon zwei andere Ausbildungen gemacht. Ich bin gelernter Dachdecker und Fensterbauer. Umentschieden habe ich mich, weil diese Berufe körperlich, vor allem für den Rücken, einfach zu intensiv sind. Nach zehn Jahren könnte ich das wahrscheinlich nicht mehr machen. 

Die Wirklichkeit

Ich fahre einen 40-Tonnen-LKW und transportiere alles Mögliche: Abfälle, Lebensmittel oder auch mal Gefahrengut. Ich bin ein sogenannter Springer, was so viel heißt, wie dass ich mal Nah- und mal Fernverkehr fahre. Ich finde die Abwechslung gut und mache beides gern. Wenn man nur Fernfahrten macht, wird man aber glaub ich nach einer Weile echt einsam. Deswegen fahr ich am liebsten zwei Wochen das eine und zwei Wochen das andere. 

 

Während der Ausbildung werde ich nur innerhalb Deutschlands eingesetzt. Wenn ich im Nahverkehr unterwegs bin, komme ich nach der Tour abends wieder zurück in die Firma. Bei Fernfahrten bin ich meistens zwischen zwei und drei Tagen unterwegs. Schlafen tue ich dann in der Fahrerkabine.

 

Viele meiner Kollegen trinken abends auf dem Rasthof schon oft noch ein paar Bier. Mir ist das aber einfach zu riskant, wenn ich am nächsten Tag fahren muss. Wenn ich einen Unfall baue und die mir was nachweisen können, bin auf jeden Fall ich schuld. Bei mir läuft da ein Abend unterwegs also eigentlich immer gleich ab: essen, duschen, schlafen.

 

Auf langen Fahrten höre ich zum Zeitvertreib oft Musik oder telefoniere mit Kollegen, die zum gleichen Kunden fahren. So kann man sich zum Beispiel gegenseitig Hinweise für die Anlieferung geben.

Die Probleme

Ich glaube, mein Beruf bei vielen wegen dem Stress, den er mit sich bringt, unbeliebt. Ich hab schon zwei Mal Praktikanten mitgenommen. Die sind aber beide recht schnell wieder aus dem Berufsfeld ausgestiegen. Sich neun bis zehn Stunden am Stück zu konzentrieren ist ungewohnt und anstrengend. Außerdem muss man die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten, gleichzeitig aber auch die Lieferfristen. Die sind einfach viel zu kurz. Bisher musste ich deswegen aber erst zwei Mal meine Pause ausfallen lassen. Normalerweise versuche ich natürlich beide Vorgaben einzuhalten. Durch plötzliche Staus oder Unfälle ist das oft aber nicht einfach.

 

Zu dem Zeitdruck kommen noch Probleme mit Kunden dazu. Die wollen dann eine Erklärung dafür, warum man zu spät dran ist oder die Lieferung beschädigt ist. Mit sowas muss man halt rechnen und klar kommen.

 

Einen Dienstplan im Voraus gibt es nicht, deswegen kann man schlecht in die Zukunft planen. Im Nahverkehr erfahre ich meistens erst am Tag selbst, wo es hingeht. Bei Fernfahrten wird mir oft wenn ich zurückkomme gesagt, wohin die nächste Tour geht.

 

Wenn ich frei habe, fahre ich oft einfach zu meinen Eltern. Bevor ich mit dem Fahren angefangen habe, habe ich noch Kickboxen gemacht und war öfters im Fitnessstudio. Dafür ist jetzt leider keine Zeit mehr. Auch fürs Privatleben bleibt durch die Fernfahrten kaum Zeit. Zwischen den langen Touren liegen oft nur die vorgeschriebenen elf Stunden Ruhezeit.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Eigentlich bekomme ich eher wenige Klischees über meinen Beruf zu hören. Aber von meinem Vater habe ich ein Namensschild für meine Fahrerkabine bekommen, das haben ja viele. Meins leuchtet sogar! 

Das Geld

Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre, ich bin gerade im zweiten. Aktuell bekomme ich im Monat 750 Euro brutto. Im ersten Lehrjahr sind es 650, im dritten dann 850 Euro. Wenn ich fertig bin, kann ich mit 2200 bis 2300 Euro brutto rechnen.

 

Das Gute an dem Job ist, dass ich Zuschläge und Spesen beziehe. Der Nachtzuschlag beträgt zum Beispiel 15 Euro die Stunde, Spesen bekomme ich ab acht Stunden Fahrt. Im Nahverkehr sind das zwischen sechs und zwölf Euro, im Fernverkehr je nach Stundenzahl zwischen 12 und 24 Euro. Durchschnittlich kommen so zu meinem Gehalt nochmal zwischen 700 und 1000 Euro brutto dazu.

 

Ich habe eine eigene Wohnung und komme soweit gut mit dem Gehalt zurecht. 

Die Zukunft

Das Fahren macht mir wirklich Spaß und ich kann mir gut vorstellen, dass ich den Job noch gute 15 bis 20 Jahre machen werde. Aber auch dieser Beruf geht durch das ganze Sitzen irgendwann echt auf die Bandscheiben. Pläne für danach habe ich noch keine. Ich lasse das einfach auf mich zukommen. 

 

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