Süddeutsche Zeitung

Unsere Kernprodukte

Im Fokus

Partnerangebote

Möchten Sie in unseren Produkten und Services Anzeigen inserieren oder verwalten?

Anzeige inserieren

Möchten Sie unsere Texte nach­drucken, ver­vielfältigen oder öffent­lich zugänglich machen?

Nutzungsrechte erwerben

Mädchen, was wollt ihr eigentlich wirklich drunter tragen?

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Die Jungsfrage

Default Bild

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

„Wenn du deiner Freundin eine echte Freude machen willst“, so lautete der Rat der Nachbarin meiner Eltern stets, „dann schenk ihr schöne Unterwäsche. Darüber freuen sich alle Frauen.“ Die weise Dame war bis vor kurzem die Inhaberin eines Dessousfachgeschäfts, und mit ihrer Weisheit lag sie immer richtig. Ich genoss viele vorweihnachtliche Stunden der textilen Inspiration im kleinen Laden der Nachbarin, ließ mich beraten, fühlte beschämt aber fasziniert die Feinheiten von Spitze, Samt und Seide. Die Standardfrage lautete natürlich: „Was für ein Typ ist sie denn? Was trägt sie sonst so?“ Einfühlsamkeit und Stilsicherheit sind das A und O des Unterwäscheverschenkens, dessen war ich mir immer sicher. Die Bilder, mit denen Britney Spears in dieser Woche Schlagzeilen machte, will ich dagegen schnellstmöglich aus dem Gedächtnis streichen. Eine junge Frau, aufgetakelt und angezählt, steigt aus der Limousine – und zeigt dabei alles, was normalerweise durch Unterwäsche verdeckt wird. „Hat mir Paris Hilton empfohlen – total freies Gefühl untenrum“, soll sie hinterher gesagt haben. Frechheit! Da tauchen plötzlich diese Amazonen in den Medien auf, die behaupten, Unterwäsche tragen sei jetzt offiziell uncool. Und als ob das noch nicht reicht, machen sich bei seriösen Dessousversendern mit einem mal Kuriositäten breit. Zum Beispiel „Nippelhänger“ – das sind diese Dinger, die man sich an die Brustwarzen klebt, damit merkwürdige Troddeln an den Brüsten herunterbaumeln („Der neue Trend - DIE Geschenkidee!“). Oder Tangas mit einem String aus großen Perlen oder verzierten Metallketten, die bestimmt unangenehm zu tragen sind. Ich sehe mein mühsam erarbeitetes Wissen um die Geheimnisse des Unterwäscheverschenkens ernsthaft bedroht. Was soll man euch – wenn überhaupt – für Unterwäsche schenken? Bequeme, baumwollene Feinripp-Vernunft oder doch lieber raffiniert-verruchte Serviervorschläge mit Special Effects – oder vielleicht doch lieber gar nichts? Die Mädchenantwort

Default Bild

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Liebe Jungs, nichts von beidem! Wenn ihr uns Oma-Baumwollschlüpfer unter den Christbaum legt, werdet ihr wenig Lob ernten. Denn die sind zwar praktisch, bequem und warm, aber gar nicht kreativ und zudem kratzt es an unserem Selbstbewusstsein. Die Dinger geben uns nämlich nicht gerade das Gefühl, wir seien in euren Augen noch attraktiv und sexy. Und euch selbst tut ihr damit ja auch keinen Gefallen, denn Erotik versprüht ist darin schwer. Der Großteil von euch gehört sowieso eher zum Schenker-Typ 2: Dem Schnickschnack-Schenker. Zu Schnickschnack zähle ich dabei alles, was zwar oft als Unterwäsche bezeichnet wird, aber auf ein Minimum reduziert wird, so dass zu guter Letzt nicht mehr viel übrig bleibt: eben genau diese „Nippelhänger“ und „Perlenstrings“. Die sind vielleicht als Spaßaccessoire ganz gut zu gebrauchen, aber von Praktikabilität kann da keine Rede mehr sein. Genau die sollte aber nicht ganz außer Acht gelassen werden. Geschenkte Unterwäsche soll zwar was Besonderes sein und muss deshalb auch nicht unbedingt alltagstauglich sein, doch ich muss mich damit erstens noch bewegen können, zweitens keinen Kältetod sterben, wenn ich sie drunter trage und mich ins Freie begebe, und drittens sollte ich damit auch nicht aussehen wie Borat im Badeanzug. Hört mal: Der ursprüngliche Sinn der Unterwäsche lag einst darin, warm zu halten. Und dass ein kleines Dreieck mit Perlenschnur daran, das sich immer noch String nennen darf, aber eher Eva’s Feigenblatt ähnelt, nicht mehr warm hält, können sich wohl die meisten vorstellen. Außerdem mag das Nippel-Troddel-Ding an den straffen Brüsten einer Dita von Teese ganz fabelhaft aussehen, doch verliert es enorm an Wirkung, sobald die Troddeln traurig nach unten hängen, weil die Brust, an der sie pappen, keinen Halt mehr bekommt. Schließlich hat der Großteil von uns leider keinen perfekten Traumkörper. Ebenso hat ein Perlenstring nur noch wenig Reiz, wenn er zwischen den Pobacken kaum noch zu sehen ist und sich an den Seiten in die Fettpölsterchen gräbt. Zu guter Letzt ist ein eleganter Gang mit Metallperlen zwischen den Pobacken so gut wie unmöglich. Im besten Fall schauen wir damit aus, als würden wir geradewegs vom Schafe-Scheren kommen. Eine ähnlich bescheuerte Idee ist übrigens der String aus Zuckerperlen, da weder gesund noch sonderlich appetitlich. Dann tragen wir wirklich lieber gar nichts drunter! Wobei das im Grunde auch keine wahnsinnig gute Idee ist, wenn man nicht den Eindruck entstehen lassen will, dass man – wie derzeit Britney – versucht vom Milchkuh-Image wegzukommen und sich durch derartige Entblößungs-Aktionen zu resexualisieren. Auch wenn ich jetzt die Träume mancher Männer störe: Ich kenne nicht eine Frau die Britneys Beispiel folgt. Mein Fazit ist also: Unterwäsche gerne, sofern sie Stil hat. Alle anderen Scherzartikel sind besser geeignet um dem Alltagstrott zu entkommen, gehören aber bestimmt nicht unter den Christbaum. Und von Feinripp will ich lieber gar nicht erst reden. nina-roethel

  • teilen
  • schließen