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Essen kommen! - Mamas Küchenklassiker

Endlich ist es da, das Kochbuch für die Generation Illies. Denn zwischen draußen Rumtoben und frischgebadet im Frottee-Schlafanzug "Wetten dass..." gucken, fehlt noch ein Glied in der Retro-Kette: Mamas Essen.
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Zum Beispiel Gulasch. Das gab es früher bei uns zu Hause etwa alle drei Wochen. Und ich hasste die Rindfleischbrocken in unwürziger Soße mit labbrigen Hörnchennudeln. Oder Kartoffeln mit etwas Butter und Salz. Die kochte mir meine Oma manchmal und immer, wenn ich das Gericht heute esse, erinnert es mich an die dunkle Küche meiner Großeltern, in der ich wenn ich krank war auf der Eckbank lag und die Abenteuer der „Fünf Freunde“ oder „TKKG“ las. Es sind die zwei Gerichte, die ich mit meiner Kindheit verbinde. Das eine, weil ich es nie mochte und doch oft essen musste, das andere, weil ich es immer geliebt hatte und es so selten auf den Tisch kam, oft dann, wenn ich zu krank war, zur Schule zu gehen.

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Tine Kujawski, Ex-Fotochefin des Playboy, und Glamour-Redakteurin Claudia Muschiol haben sich zusammengetan und das Kochbuch für die Epoche Retro verfasst: „Essen kommen! – Mamas Küchenklassiker, die uns groß gemacht haben“. Zeitgemäß und ganz praktisch und weil abwaschbar wurde dem Büchlein ein Blumendekor-PVC-Umschlag angezogen. Innen drin finden sich die Begleitrezepte zur Kindheit. Das fängt an bei den Speisen, die man am liebsten jeden Tag gegessen hätte, wie Schnitzel mit Pommes, Lasagne oder Spaghetti Bolognese. Es finden sich Rezepte für Fastfood aus der Zeit, als auch das noch zu Hause zubereitet wurde, etwa Fischstäbchen mit Spinat und Spiegelei oder den Klassiker Toast Hawaii. Sehr sinnvoll sind die Anleitungen für Sonntag-Mittag-Gerichte, weil ein guter Schweinebraten ohnehin so machen Tag retten kann. Das Kapitel „Kindergeburtstag“ vermittelt Back-Basics und „Ihhhh… nicht schon wieder“ gibt Beispiele für Gerichte, die man oft erst zu schätzen lernt, wenn man etwas älter ist: Etwa Spargel mit Kartoffeln und Butter oder Wiener Tafelspitz, den man gerne sofort – und mit echten Ochsenschwanzknochen – nachkochen will. Sehr gefällig sind die Gimmicks des Buches. Damit es auch wirklich schmeckt, wie zu Hause, gibt es bei jedem Rezept Platz, um Tipps der Mama einzutragen. Die „Sentimental Journey“, 15 Fünf-Sekunden-Tricks, dich die Kindheit zurückzuholen rät unter anderem dazu, mal wieder einen Schokokuss in einem Brötchen zu zerquetschen oder Kaugummis aus einem Automaten zu ziehen. „Werbung die wir nie vergessen“ erinnert an den Keks mit 52 Zähnen und den korngesunden Landkaffee. Unnützes Wissen liefert das kleine Fastfood-Lexikon, aus dem man das Wichtigste über Currywurst, Döner, Pommes oder Hamburger erfährt. Man stelle sich nur vor, den besten Freunden beim Fischstäbchen-, Malzbier- und „Drei Fragezeichen“-Hörspiel- Abend davon erzählen zu können, wie Herta Heuwer am 4. September 1949 in Berlin die Currywurst erfand und Mehmet Aygün 1971 in der gleichen Stadt erstmals Fleisch vom Drehspieß anbot. Das Buch ist eine nette Anleitung für Küchenbasics, die man können sollte. Leider finden sich recht wenig Abbildungen der Gerichte. Die vielen Produkthinweise sind so wie die Wetten bei „Wetten, dass…“: sie stören, aber würde es sie nicht geben, fehlte etwas. Auch wenn „Essen kommen“ kein kulinarisches Sensationsbuch ist, es ist eine hübsche Reise in die Vergangenheit, die Erinnerungen aufweckt und Lust macht, mal wieder Dinge zu kochen, an die man im Tim- und Jamie- und Ralf-Küchenzeitalter oft gar nicht mehr denkt. Essen kommen! – Mamas Küchenklassiker die uns groß gemacht haben, von Tine Kujawski und Claudia Muschiol, 144 Seiten, 12,95 Euro ist beim Südwest-Verlag erschienen.

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