Partner von

Sauerbraten und bayerisches Fast Food

Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum. Heute: jetzt-User Grrmpf.
jetzt-redaktion

Diese Woche hat sich jetzt-User Grrmpf die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.

Montag:

  • 938464


„Die Woch’ fang schon gut an“ soll der Räuber Kneißl gesagt haben, als man ihn an einem Montag zum Galgen führte, was, wie wir alle wissen, zweierlei Unfug ist, weil Matthias Kneißl am Freitag, den 21. Februar 1902 guillotiniert wurde. Was das mit der abgebildeten Kürbissuppe mit gerösteten Kürbiskernen und – Sie erraten es – Kürbiskernöl zu tun hat? Nichts.  
Eigentlich wollte ich diese Woche Tag um Tag die Eintönigkeit der Ernährung des einfachen Außendienstlers demonstrieren, mit 5 Leberkässemmeln in unterschiedlichen Einwickelpapieren. Aber es kommt gleich am Montag anders. Ich war ausnahmsweise Mittags mit Kollegen unterwegs und besuchte ein Tageskaffee, wo es belegte Semmeln und Spezi gab. Aus Anonymitätsgründen verzichtete ich allerdings auf ein Foto.  
Nach Feierabend erwartete mich bereits ungeduldig meine Frau: Einer von zahlreichen Elternabenden im Kindergarten stand an, die Kinder mussten noch zum Einschlafen bewegt werden. Die Suppe zum aufwärmen stand auf dem Herd. Ich mag Kürbissuppe, aber nur ein bis zwei Mal pro Saison.  

Irda:

  • 938466


Nach dem Lied „Wos is heit für Tag?“, das in der grandiosen Sepp-Depp-Henadreck Kinderliedersammlung enthalten ist, wäre Dienstag Nudeltag. Auch das hat nichts mit meinem heutigen Abendessen zu tun. Ich frage mich nur gerade, ob die Biermösl Blosn hier Schmalznudeln in der einen oder anderen Form besingen oder ob es sich gar um wel(l)sche Pasta handeln könnte. Außerdem deucht mir merkwürdig, warum so leichtfertig auf die bayerische Benamung der Wochentage verzichtet wurde.  
Die Suppe links dürfte Ihnen bereits bekannt vorkommen. Aber so ein übrig gebliebenes Schüsserl vom Vortag gereicht einem hart tickernden Menschen natürlich nur zur Vorspeise. Also noch flugs den Kühlschrank geplündert und den Magen mit 2 Schinkensemmeln mit Gurkerln aufgefüllt. Der süße Senf steht nur aus Schussligkeit auf dem Tisch und wurde ungenutzt wieder aufgeräumt.  

Mittwoch:

  • 938468


Grundsätzliches zu mir und der Leberkässemmel: Ich bin orthodoxer Leberkässemmelesser. Eine Leberkässemmel besteht aus rotem oder weißem Leberkäs (fein, warm). Nicht aus grobem, nicht aus Pizza-, Chili-, oder Hawaiileberkäse. Er wird in eine aufgeschnittene Semmel gelegt. Nicht in eine Schrippe, in kein Mini-Baguette und schon gleich gar nicht in eine Körner-Semmel. Von der Variante mit Laugensemmel habe ich schon gehört. Allerdings kenne ich dieses Gebäck in eher kleiner Form und ich frage mich, wie ein gescheiter Fransen Leberkäs darin Platz haben soll. Senf ist nur gestattet, wenn der Leberkäs so gräuslich ist, dass man ihn sonst nicht hinunterbekommen würde. Von Ketchup rede ich gar nicht erst.  
Da ist sie also. Es hat bis zum dritten Tage gedauert. Ein Kurzausflug führt mich in die wastelands um München, viele Termine, keine Zeit, sich etwas richtiges zum Essen zu suchen. Zu meinem Erstaunen stolperte ich in der Mittagspause über eine von wenigen Metzgereien, die nicht der Großkette mit den Hygienemängeln angehört. Die Preise waren München-typisch, der Leberkäs aber ganz gut. Etwas fett vielleicht.  
Abends gab es übrig gebliebene Nudeln vom Mittagessen mit ebenfalls übrig gebliebenem Sauerkraut vermischt. Das sah so wenig fotogen aus, dass ich Ihnen den Anblick ersparen möchte.  

Donnerstag:

  • 938470


Als ich um kurz nach drei Uhr Nachmittag die Metzgerei erreiche, gibt es noch ein Scherzl vom Surbraten, das ich mir in 2 Semmeln packen lasse. Der Braten hat wohl schon etwas länger gelegen, als seit heute Mittag. Er schmeckt überwiegend nach Salz.  
Drei Liter Wasser und fünf Stunden später gibt es auch schon Abendessen. Es gibt Risotto mit Hokkaidokürbis. Und das schmeckt ausgezeichnet, obwohl es wieder der aufgewärmte Rest vom Mittagessen ist. Und ohne Foto, weil am  

Freitag

  • 938474


gibt’s...aufgewärmtes Kürbisrisotto. Das ist wegen der enthaltenen Speckstückchen jetzt nicht gerade ein passendes Freitagsfastenessen.  
Jetzt werden Sie sagen: Der Grrmpf jammert in einer Tour, dass er abends immer nur aufgewärmtes vom Mittagessen bekommt. Denkt der nicht an seine armen Frau und Kinder, die bekommen das gleiche Essen ja dann noch öfter vorgesetzt. Das stimmt. Und nicht nur das: Die armen Kinder müssen in einer Tour sprachlich zwischen dem Bairisch des Vaters, dem Hochdeutsch der Mutter, und dem Platt Theodor Fontanes hin und her switchen:  

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge, wiste 'ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.“  

Da haben sie sich etwas Abwechslung verdient.  

  • 938472



Samstag:

  • 938476


Viel zu tun, denn die landwirtschaftliche Verwandtschaft schenkt uns einen Kofferraum voller Äpfel, ein Termin zum Saftpressen ist für den Nachmittag vereinbart. Wir kommen erst spät, allerdings mit frisch pasteurisierten 120 Litern Apfelsaft zu Hause an. Gut, dass Frau Grrmpf schon alle Bestandteile für den abgebildeten Karottenkuchen vorbereitet hat, dann geht’s recht schnell und die Kinder kommen bald ins Bett. Die Karotten/gelben Rüben/Möhren sind übrigens die letzten unserer diesjährigen Ernte.  

Sonntag:

  • 938478


Ein Sonntag wie aus dem Soziogrammbilderbuch der Tickergemeinde: Nach gemeinsamen Kirchgang und Besuch des Wahllokals (hier standen wieder einmal ein paar dieser überflüssigen direkt-demokratischen Entscheidungen an) geht es vorbei an Jägerzäunen und frisch vom Herbstlaub befreiten Vorgärten ins Eigenheim, wo schon seit geraumer Zeit ein Sauerbraten vor sich hin schmurgelt. Dazu haben wir Blaukraut vorbereitet, und noch frisch eine deutlich zu große Menge Spätzle hergehobelt.   

Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von Grrmpf.




Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben?
Ich mag Essen.
 
Was ist dir beim Essen oder Essen-einkaufen besonders wichtig?
Wir haben einen großen Garten und bauen einiges selber an, und es bedürfte einer gesonderten Erörterung mit den einschlägigen jetzt.de-Experten, aber ich habe den Eindruck, das schmeckt am allerbesten. Seit hier für Kinder gekocht wird, versuchen wir, möglichst Bio-Gemüse zu verwenden und Fleisch von einem Metzger, der angeblich so-gut-wie-Bio-und-nur-aus-Niederbayern anbietet. Aber kontrollier das mal.

Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal für dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat?
Meine Mutter hat mit mir gekocht. Und weil sie berufstätig war, habe ich mit 11-12 Jahren öfters selbständig Essen zubereitet. Allerdings lerne ich immer noch von ihr. Und da sie bestimmte Gerichte nur aus dem Gedächtnis kocht und auf genaue Mengenangaben pfeift, hilft immer nur gemeinsames Kochen und zuschauen.

Was war dein Lieblingsessen als Kind?
Dampfnudeln.

Was ist dein aktuelles Lieblingsessen?
Mir fällt keines ein. Ich freue mich immer, wenn es etwas Selbstgekochtes gibt.
 
Was magst du gar nicht?
Schnecken, Schalen- und Tentakeltiere, Schaf- und Ziegenfleisch, gekochtes Schweinernes. Kohlrabi, Blumenkohl, Knoblauch, Rosenkohl usw. usf.
 
Mittags warm und abends kalt, oder andersherum?
Am liebsten wäre mir Mittags was gescheites. Aber da ich beruflich viel unterwegs bin, muss ich’s nehmen, wie’s kommt. Hauptsache: Sonntag Mittag warm und ausgiebig.
 
Wo isst du am liebsten - am Tisch oder auf dem Sofa?
Eigentlich immer am Tisch. Als die Familie im Sommer länger weg war, ist allerdings die alte Untugend des fernsehschauend auf dem Sofa herumbröselns aus Juggesellentagen wieder eingerissen.
 
Was trinkst du zum Essen?
Sprudel oder gespritzten Apfelsaft. Beim Wirt ein Helles oder Spezi.
 
Wie oft gehst du auswärts essen und: hast du ein Lieblingsrestaurant?
Berufsbedingt sehr oft, worunter meine Frau sehr leidet, weil ich am Wochenende kaum Lust habe, noch weiteren Wirtshausfraß in mich hineinzustopfen. Wirtshäuser, die ich mag, müssen es wenigstens schaffen, mich darüber hinwegzutäuschen, dass die Knödel aus dem Kochbeutel und der Kartoffelsalat aus dem Kübel kommen. Und weil die Speisekarten in der Provinz nach mehr als 10 Jahren Außendienst einem vorkommen, wie ein kulinarischer Groundhog-Day, bin ich immer froh über einfache Gerichte, die gerne auch aus Resteln zusammengesetzt sein dürfen, wie Schinkennudeln oder Gröstl. Oder aber, wenn ich mal in Siedlungsschwerpunkten weile: indisch oder vietnamesisch.
 
Was isst du, wenn es schnell gehen muss?
Daheim: Nudeln mit Tomatensoße oder Pesto. Auswärts: Was es halt gibt.
 
Was war das aufwendigste Gericht deines Lebens?
Ich koche nie sehr aufwendig. Für einen Brunch haben wir allerdings beinahe eine Woche vorgekocht, aber halt wegen der vielen verschiedenen Gerichte.
 
Hast du ein Standard-Vorführgericht, wenn Freunde oder deine Eltern zu Besuch kommen?
Da kocht meistens meine Frau, und die dann gerne Lauchsuppe oder den schmackhaften Karottenkuchen (siehe Samstag), weil der Besuch meistens von weit her kommt und das Essen auch nach längerem Warmhalten noch was hermachen soll.
 
Welchen jetzt-User oder jetzt-Redakteur möchtest du als Kosmoskoch sehen?
Die Gelegenheitsente, weil ich weiß, dass die was kann. Oder JoergAuch, denn der mag Fleisch.

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

t├Ąglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren