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Lesen mit Links (5): Zombies aus der DDR

Einmal in der Woche versorgt uns Jan Drees mit Buchbesprechungen und -tipps und den aktuellsten Neuigkeiten aus der Literaturszene. Heute geht es um Sommerferien in der DDR, "Girls Gone Oscar Wilde" und Texte aus Hotels.
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Das Buch  
[link=http://www.voland-quist.de/autor/?125/Jochen+Schmidt">Jochen Schmidt gehört seit über zehn Jahren zu den besten Schriftstellern des Landes. Das wussten nur die meisten Leser nicht. Aktuell brilliert der stets groß Scheiternde mit seinem Ferien- und Endzeitroman „[link=http://www.chbeck.de/Schmidt-Schneckenmuehle/productview.aspx?product=11511985">Schneckenmühle“. 

Im Sommer 1989 darf der 14-jährige Ost-Berliner Jens ein letztes Mal ins DDR-Ferienlager „Schneckenmühle“ fahren. Danach wird er zu alt sein, um mit einer Schülerhorde Nachtwanderungen zu machen, gemeinsam in den sächsischen Seen zu baden und den Mädchen heimlich beim Duschen zuzusehen. Die DDR steht vorm Zusammenbruch, Jens‘ Eltern, so phantasiert er, stehen kurz vor der Scheidung. Wie fühlt sich das an, wenn alles verschwindet?

„Vor allem, was denkt man, wenn es noch keine Handys gibt, und plötzlich die Erwachsenen in den Westen gehen, nur niemand im abgeschotteten Ferienlager informiert wird, dass die Heimat zerbricht?“, fragt Jochen Schmidt. Und die Antwort lautet: „Dann kommen die Gerüchte auf.“ Weshalb die Schülerinnen und Schüler im letzten Ferienlager der DDR ihre eigene Theorie erspinnen, weshalb Menschen von heute auf morgen nicht mehr auffindbar sind: Sie müssen sich in Zombies verwandelt haben. Denn dass jemand „rübergemacht“ hat, ist erstmal undenkbar.




Text: jan-drees - Illustration: Katharina Bitzl

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