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Wie kann ich meine Abschlussarbeit veröffentlichen?

Die Veröffentlichung einer Abschlussarbeit kann der erste Schritt in die akademische Welt sein. Aber wie geht man bei einer Publikation am besten vor? Und was bringt sie einem? Im Lexikon des guten Lebens findest du Antworten auf diese Fragen.
josef-wirnshofer

Mein Leben spielt sich momentan zwischen zwei Koordinaten ab: meinem Schreibtisch und der Uni. Der Auftrag für diesen Sommer lautet "Abschlussarbeit". Das Institut, an dem ich studiere, sitzt direkt am Englischen Garten in München, nicht weit vom Biergarten am Chinesischen Turm. Der für diese Lage Verantworliche muss Zyniker gewesen sein; während ich mir in der Bibliothek das Hirn zermartere, höre ich durch die gekippten Fenster permanent das Anstoßen von Maßkrügen, Geschirrgeklapper, lachende Menschen. Wenn dann noch die Blaskapelle ansetzt, zwingt sich mir unweigerlich der Gedanke auf: Irgendwas mach' ich falsch. Dabei ist diese letzte Phase des Studiums eigentlich die Spannendste. Zum ersten Mal befasst man sich wirklich intensiv mit einem Thema und häuft ansatzweise so etwas wie Expertenwissen an. Wäre doch schade, wenn diese ganze Arbeit nach dem Studium in irgendeinem Ordner verstaubt. Warum dann nicht gleich die Bachelor- oder Masterarbeit veröffentlichen?

Nach all der Plackerei ist es eine hübsche Belohnung, wenn man seine Arbeit als Buch in den Händen hält. Doch nur um sich selbst eine Freude zu machen oder dem Familien- und Freundeskreis seinen Erfolg haptisch zu demonstrieren, dazu ist der Aufwand einer Veröffentlichung zu groß. Und wäre obendrein umsonst, wenn man hinterher einen Beruf außerhalb der Uni ergreift. Will man allerdings in der Wissenschaft bleiben und eine akademische Karriere forcieren, kann eine Publikation durchaus sinnvoll sein. Im Idealfall macht man damit nämlich zum ersten Mal innerhalb des jeweiligen Fachs auf sich aufmerksam.

„Dass Bachelorarbeiten veröffentlicht werden, ist eigentlich nicht üblich. Als Student ist man nach dem Bachelor auch meistens fachlich noch nicht so weit“, so Professor Gregor Dorfleitner, der an der Universität Regensburg den Lehrstuhl für Finanzierung leitet. Bei Masterarbeiten komme das schon öfter vor, sei aber ebenfalls sehr schwierig. Schließlich erhalten Verlage und Journals wesentlich mehr Anfragen, als sie Texte veröffentlichen können. Enorm wichtig ist deshalb ein Betreuer, der einem bei diesem Vorhaben unter die Arme greift. „Allein geht man sonst leicht unter“, so Dorfleitner. Um mit seiner Abschlussarbeit eine Chance zu haben, sollte man zunächst mit dem Betreuer ein aktuelles Thema erarbeiten, das innerhalb des Studienfachs relevant ist. Je frischer, desto besser: Wer über ein Feld schreibt, das zuvor schon unzählige andere beackert haben, wird kaum zu neuen Ergebnissen kommen. Auf Tagungen und in Forschungskolloquien kann man sich schon während des Studiums einen Überblick verschaffen, welche Forschungsfelder gerade gefragt sind. Außerdem ist es natürlich von Vorteil, wenn das Thema so gewählt ist, dass man auch nach dem Studienabschluss daran weiterarbeiten kann. Etwa in Rahmen einer Promotion.

Darum bietet es sich an, schon während der Bachelor- / Masterarbeit Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi oder EndNote zu verwenden. Hat man sich erst einmal eine Datenbank mit Forschungsliteratur angelegt, kann man diese immer wieder aktualisieren und für zukünftige Projekte verwenden. Um die Arbeit zu publizieren, gibt es zwei Wege: entweder in Buchform oder als Beitrag in einem wissenschaftlichen Journal. „Wenn ein Betreuer merkt, dass die Arbeit eines Studenten sehr gut wird, sollte er eigentlich von sich aus auf die Person zugehen und eine Veröffentlichung vorschlagen“, meint Dorfleitner.

Welche der beiden Varianten dann passender ist, hängt ganz von der Publikationskultur des Studienfachs ab. Klassisch buchorientierte Fächer sind etwa die Geisteswissenschaften oder Jura. In natur- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen ist der Journalartikel der Königsweg. Bei einer Buchpublikation sollte man frühzeitig mit dem Betreuer absprechen, welche Verlage für das Fach relevant sind. Denn nicht alles, was als Buch gedruckt wird, macht bei Fachkollegen auch was her.

Um ein Gespür dafür zu bekommen, ist es hilfreich, die Literaturlisten auf der jeweiligen Institutshomepage zu durchstöbern. Wo veröffentlicht der Institutsleiter? In welchem Verlag erscheinen die Standardwerke des Fachs? Neben renommierten Wissenschaftsverlagen besteht außerdem die Möglichkeit, bei einem "Print on Demand"-Verlag zu veröffentlichen. Aber Vorsicht: Hier gibt es auch schwarze Schafe! Bei unseriösen PoD-Verlagen wird alles veröffentlicht, solange der Autor für die Herstellung zahlt. Mit einem in Eigenregie finanzierten Buch „kann man aber höchstens vor seinen Verwandten prahlen, in der Wissenschaft beeindruckt man damit niemanden“, sagt Dorfleitner.

Soll die Arbeit in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, wird sie einem langwierigen Evaluationsprozess unterzogen. Zunächst muss der Beitrag online eingereicht werden, wofür – je nach Journal – möglicherweise eine Gebühr anfällt. Anschließend wird er von verschiedenen Gutachtern (meist Professoren) bewertet und mit Verbesserungsvorschlägen versehen. Solche peer reviews sind mittlerweile in sämtlichen relevanten Fachzeitschriften Standard. Erfüllt der Beitrag die Anforderungen des Journals und wird vom Verleger angenommen, steht einer Veröffentlichung nichts mehr im Weg.

Generell gilt natürlich: Je druckreifer eine Arbeit, desto höher die Chancen, dass sie veröffentlicht wird. Wer seine Forschung verschriftlicht, sollte die formalen Anforderungen des gewünschten Publikationsformats gleich mit berücksichtigen. Etwa bei der Zitierweise: Sie sollte nicht beliebig gewählt sein, sondern dem geläufigen Standard im Fach (und damit auch in den meisten Publikationen) entsprechen. Das spart hinterher viel Zeit, weil man nicht mehr nächtelang damit verbringen muss, die Fußnoten zu ändern. In der Wahl der Sprache sollte man sich am internationalen Standard orientieren. Ein Journalbeitrag macht sich dann am besten, wenn er in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Abschlussarbeiten auf Englisch sind in dem Fall klar im Vorteil. Außerdem gilt: Bei der verwendeten Fachliteratur auf Originalquellen zurückzugreifen, Übersetzungen vermeiden! Wer Originaltexte zitiert, zeigt nicht zuletzt, dass er die Entwicklungen des Fachs international im Blick hat. Ein Pluspunkt für jeden angehenden Akademiker.

Josef Wirnshofer, 25, will sich von seiner Abschlussarbeit den Sommer nicht nehmen lassen. Drum holt er ihn im Winter nach, beim Schneegrillen mit Bratwurst und Glühwein.
Fünf Tipps, die dir bei der Veröffentlichung deiner Bachelor- / Masterarbeit helfen:

1. Wähle ein aktuelles, unverbrauchtes Thema, an dem du über einen längeren Zeitraum Spaß hast! Zum einen wird man deiner Arbeit anmerken, ob sie mit Freude geschrieben ist. Zum anderen wird eine Publikation, die sich thematisch auf ausgetrampelten Pfaden bewegt, kaum Beachtung finden.

2. Suche dir einen Betreuer, dem du vertraust! Er ist während der Arbeitsphase deine wichtigster Ansprechpartner und als Mentor für deine weitere wissenschaftliche Laufbahn äußerst wichtig. Sollte deine Arbeit veröffentlicht werden, kannst du ihn vielleicht sogar als Co-Autor gewinnen.

3. Weihe deinen Betreuer frühzeitig in deine Veröffentlichungspläne ein. Er kann dir helfen, dein Thema so zu modifizieren, dass es sich für eine Publikation eignet. Außerdem weiß er, welche Verlage oder Journals in Frage kommen.

4. Wenn du dich mit deinem Thema über deine Abschlussarbeit hinaus längerfristig beschäftigen willst, verwende Citavi oder EndNote. So kannst du immer wieder auf die bereits bearbeitete Fachliteratur zurückgreifen.

5. Orientiere dich bei der formalen Gestaltung an den Standards, die in den für dein Fach relevanten Publikationsformaten gelten.

Text: josef-wirnshofer - Cover: Jo.Sephine / photocase.com

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