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Athletisch ist das neue Skinny

Als erste Frau überhaupt ziert die muskulös-dralle Ronda Rousey das neue Cover der australischen Mens Fitness. Löst in Sachen Körperideale gerade der Fitnesswahn den Magerwahn ab?
jetzt-redaktion
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Ronda Rousey ist Mixed-Martial-Arts Kämpferin und Weltmeisterin ihrer Gewichtsklasse. Und jetzt ist sie auf dem Cover einer Fitness-Zeitschrift für Männer zu sehen. You think you’re tough? scheint sie dem männlichen Betrachter direkt ins Gesicht zu blaffen. Es ist, das muss man schon so sagen, ein ziemlich gutes Cover. Es ist provokant und kraftvoll, und weil Rousey so dermaßen kühl und potentiell auf Krawall gebürstet aus der Wäsche guckt, ist trotz des leicht glänzenden Dekolletés nichts Sexistisches dabei. Man denkt sich einfach nur: Yo, Alte! Zeig's mir!

Interessant ist das Cover aber vor allem in Hinblick auf das derzeitige Körperideal, das sich ja schon seit ein paar Jahren immer mehr vom reinen Magerwahn der Sorte Kate-Moss-Heroin-Chic, Twiggy-Style und ausgemergelter Laufsteg-Normalität Richtung athletisches Kreuz und Muskel-Chic bewegt. Sneaker sind als salonfähiges Schuhwerk zurück, Sportmarken wie Nike, adidas, Reebok erleben Hochkonjunktur. Modeblogger führen immer öfter Sporttagebuch, posten ihre täglichen Jogging-Kilometer, dazu Smoothie-Fotos und die neueste Stella Mc Cartney-adidas Windjacke.

Ergibt aus emanzipatorischer Sicht alles Sinn - es sind im Jahr 2015 vermutlich mehr Frauen als je zuvor in Führungspositionen angelangt, elf Staatsoberhäupter sind weiblich, die Frau ist heute nicht mehr gut damit beraten, sich zum knochigen Kleiderständer runterzuhungern. Sie braucht Kraft, Biss und Kampfgeist. Muckis, gewissermaßen. Und warum sollte das nur im übertragenen Sinn gelten? Der athletische Körper ist unter Frauen so populär wie nie zuvor.

Das lässt sich vor allem auf Instagram hervorragend beobachten. Sportlerinnen wie Rousey oder Serena Williams haben Millionen von Followern und Hashtags wie #ThickFit, ins Leben gerufen von der ehemaligen Bodybuilderin Lita Lewis, zelebrieren kurvige, aber extrem muskulöse Frauenkörper. Auch der von einer australischen Fitness-Trainerin namens Kayla Itsines über soziale Netzwerke angepriesene "Bikini-Body" hat vor allem eins: harte Muskeln. Waschbrettbauch-Selfies, Bizepsposen und überhaupt das Zurschaustellen von sportlicher Aktivität sind zu einer neuen Prestige-Kategorie geworden.

Macht alles in allem irgendwie nicht den Eindruck, als sei das sehr viel besser als der Gewichtsvergleich in Pro-Ana-Foren. Es soll ja auch eine Krankheit geben, die sich Sportsucht nennt.

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