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Frauen aus Saudi-Arabien tanzen, rollern, skaten – und gehen damit viral

Dance like nobody from the Sittenpolizei is watching.

Auf die Hinterbank eines dicken Autos quetschen sich vier vollverschleierte Frauen, vorne steigt ein ungefähr achtjähriger, sehr gut gelaunter Junge ein und fährt los. So beginnt das Musikvideo zu „Hwages“ von Majed Alesa, einem Filmemacher aus Saudi-Arabien, das schon von mehr als zwei Millionen Menschen angeschaut wurde. In dem Video, das kurz vor Weihnachten auf Youtube hochgeladen wurde, singen Frauen über ihr Leben in dem extrem patriarchal geprägten Land. Im Refrain heißt es „Mögen alle Männer ausgelöscht werden, denn sie haben uns geisteskrank gemacht.“ Und dann brechen die Frauen in dem Video aus, sie tanzen, fahren auf dem Rummel Autoscooter, spielen Basketball und fahren mit Rollschuhen, Skateboards und Rollern durch die Gegend wie eine kleine Gang. 

 

„Hwages“ (etwa „Bedenken“) ist von einem Youtube-Video aus dem Jahr 2014 inspiriert, in dem vier Frauen genau diesen Refrain immer wieder a capella singen und dazu in der Wüste tanzen – und am Ende mit einem imaginären Maschinengewehr in die Luft schießen. 

Tanzen, Sport oder Auto fahren - all diese Tätigkeiten erscheinen uns alltäglich, doch für Frauen in Saudi-Arabien sind sie tabu. Frauen dürfen in dem Königreich nicht selbst Auto fahren, sie müssen in der Öffentlichkeit vollverschleiert sein und dürfen ohne männliche Begleitung das Haus gar nicht verlassen. Als besonders restriktiv empfinden die meisten Frauen in Saudi-Arabien die Tatsache, dass sie einen männlichen Vormund brauchen. Dieser Vormund ist meist der Vater oder Ehemann der Frau, des Öfteren auch der Bruder – oder sogar der eigene Sohn. Ohne Einwilligung des Vormunds darf eine Frau keinen Beruf ergreifen, keine amtlichen Dokumente beantragen oder verreisen.

 

Als die New York Times im vergangenen Oktober über Twitter Frauen in Saudi-Arabien aufrief, in eigenen Worten über ihr Leben dort zu berichten, wurde die Zeitung geradezu überflutet von Antworten. Die meisten von ihnen waren von der Tatsache frustriert, dass sie für viele Entscheidungen die Erlaubnis ihres männlichen Vormunds brauchten. Eine Frau berichtete, dass sie in einen Verkehrsunfall verwickelt war und stark blutete. Doch der Notarzt weigerte sich, sie ohne Begleitung ihres Vormunds ins Krankenhaus zu fahren. Wäre der nicht rechtzeitig gekommen, wäre sie vermutlich am Unfallort gestorben. Eine Lehrerin berichtete, dass ihre Schule von einem männlichen Wärter bewacht wird, der dafür sorgt, dass die Lehrerinnen das Gebäude nicht verlassen – und sie so quasi zu Gefangenen macht.

 

Andere Frauen betonten die Vorteile, die sie in dieser patriarchal geprägten Kultur genießen. Eine Ärztin erzählte, sie habe eine Weile im Westen gelebt und das Leben der Frauen dort als eine einzige Bürde erfahren, die eigentlich nur ein Mann stemmen könne. In Saudi-Arabien dagegen sorge der Mann dafür, dass seine Frau alle nur vorstellbaren Bequemlichkeiten zur Verfügung habe. Eine andere Frau betonte den Fortschritt in ihrer Heimat. Frauen würden nun als Ärztinnen, Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnnen zusammen mit Männern arbeiten und hätten ihren eigenen Wert. Die Gesellschaft entwickle sich nach vorne, alles was man brauche, sei Geduld und Glück.  

 

chwa

 

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