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"Ich habe den deutschen Film so wahnsinnig gehasst!"

Eine Academy-Jurorin lästert anonym über "Toni Erdmann".
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    dpa

Am Sonntag werden die Oscars verliehen und zum ersten Mal seit Jahren macht sich Deutschland Hoffnungen auf den Preis für den besten fremdsprachigen Film - zehn Jahre nach Florian Henckel von Donnersmarcks Sieg für „Das Leben der Anderen“. Man ist kollektiv stolz auf den deutschen Beitrag „Toni Erdmann“ von Maren Ade. Ein Film, der tatsächlich lustig ist – und das aus Deutschland, das ist eine kleine Sensation! 

 

Die Hoffnungen auf einen Sieg stiegen von Tag zu Tag, bis schon fast klar war, dass die Verleihung am Sonntag nur noch reine Formsache sein würde, denn natürlich würde Maren Ade den Oscar für ihr geniales Werk mit nach Hause nehmen, ganz bestimmt! Und dann kam der Hollywood Reporter und hat uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 

Wer den Oscar in einer der 24 Kategorien gewinnt, entscheiden mehr als 6200 Mitglieder der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ (AMPAS) – Schauspieler, Regisseure, Produzenten und andere im Filmgeschäft tätige Personen. Die Mitglieder bekommen die nominierten Filme auf DVD oder per Streaming-Link zur Verfügung gestellt und sind aufgefordert, alle Filme in den Kategorien anzuschauen, für die sie stimmen wollen. Die Wahlbeteiligung bei den Oscars ist extrem hoch. So erzählte 2013 der damalige Academy-Präsident Hawk Koch, dass 90 Prozent der AMPAS-Mitglieder bei den Oscars abgestimmt hätten.

 

Traditionell veröffentlicht das Branchenblatt The Hollywood Reporter am Tag, nachdem die Wahl abgeschlossen ist, eine Rubrik namens "Brutally Honest Ballot", in der anonyme Mitglieder der Academy ehrlich sagen, was sie von den nominierten Filmen in den wichtigsten Kategorien halten. Der Hollywood-Experte Scott Feinberg setzt sich für diese Kategorie mit einer Handvoll Mitgliedern zusammen und protokolliert ihre Eindrücke.

 

In diesem Jahr hat er einen Produzenten, einen PR-Mitarbeiter und eine Schauspielerin befragt. Die anonyme Schauspielerin war besonders meinungsstark in ihrer Beurteilung der nominierten Werke: Über den Publikums- und Kritikerliebling „Arrival“ (nominiert für den besten Film) sagte sie: „Ich hasste „Arrival“ – der Film war einfach nur Mist.“ Für Natalie Portman in „Jackie“ (nominiert für beste Schauspielerin) hatte sie wenig mehr als Verachtung übrig: „Ich hasste „Jackie“ so wahnsinnig – das war nur oberflächlicher Mist.“

 

Als es um den besten fremdsprachigen Film ging, wurde es richtig bitter für „Toni Erdmann“: „Ich hasste den deutschen Film so wahnsinnig, weil er immer dieselbe Masche abgezogen hat – die Deutschen sind nun mal nicht lustig. (...) Ich habe gehört, dass Jack Nicholson in dem Remake sein wird, vielleicht schafft er es ja, den Film lustig zu machen.“

 

Kleiner Hoffnungsschimmer: Bei den anderen beiden anonymen Academy-Mitgliedern kam „Toni Erdmann“ sehr viel besser weg, einer hat ihn sogar für den Oscar nominiert. Wie es der Rest der Academy hält, erfahren wir in der Nacht zum Montag. 

chwa

 

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