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Diederich Diederichsen nennt es „CDU-Koksen“

In der Bauspar-Werbung kräht ein Mädchen, dass es „auch mal Spießer werden“ möchte, wenn es groß ist.
art-bechstein

In der Bauspar-Werbung kräht ein Mädchen, dass es „auch mal Spießer werden“ möchte, wenn es groß ist. In Zeitungen und TV-Sendungen liefern sich Journalisten ermüdende Debatten, wer jetzt eigentlich schlimmer ist: Neokonservative, die sich stolz zum Spießertum bekennen und mit Gartenharke in der Hand posieren – oder linke Hipster, die sich „von der Realität verabschiedet haben“. In der aktuellen Zitty-Ausgabe äußert sich Diederich Diederichsen (Buchautor und neben Ulf Poschardt Protagonist besagter Debatte) darüber, ob Pop-Abgrenzungskriterien noch funktionieren: Herr Diederichsen, ist es eigentlich wichtig, aus welchen Gründen man Madonna gut findet?
Man kann sich zumindest durch das Hören von Madonna nicht irgendwo einsortieren. Dafür ist es viel zu groß und unkontrovers. Man kann sich in einem identifikatorischen Sinne immer nur etwas aussuchen, was irgendwie kontrovers ist.

Dass jemand Madonna gut findet, würde also nichts über eine Person aussagen.
Es spricht erst mal nicht unbedingt gegen sie. Aber es gibt keine musikalische Entscheidung, die in jedem Falle für eine Person spricht. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass jemand mein Freund ist, der das gut findet, was gerade wirklich tolle Popmusik ist - zum Beispiel Antony and the Johnsons oder Animal Collective. Es gibt allerdings Entscheidungen, die würden in jedem Falle gegen eine Person sprechen.

Beispiele, bitte ...
Sting. Um mal klein anzufangen. Dass jemand, der Sting gut findet, nicht mein Freund ist, darauf kann ich mich schon verlassen. Es kann natürlich sein, dass es jemand ist, dem Popmusik generell am Arsch vorbei geht, der Popmusik gar nicht versteht - das ist die kleine Klausel, die man einbauen muss. Der kann auch gerne Sting hören. Das bedeutet dann nichts. […]

Was Neokonservative ja auch wollen: eine neue Art von Gemütlichkeit. In Berlin kann man das im Nachtleben spüren.
In diesem Berliner-Mitte-Nachtleben gibt es natürlich sehr viel Neoliberales. Ich nenne das immer: CDU-Koksen. Diese Mischung ist so seit 1995/96 ratifiziert. Aber das kann man nicht wirklich sehen, sondern das muss man wissen, und dann sieht man's auch. Das sind auch eher Erwachsene, Leute, die sich eher über gesellschaftliches Leben definieren als über eigentliches Nachtleben.

Das Interview führten Matthias Kalle und Harald Staun für das Hauptstadtmagazin Zitty.

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