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Grüße vom Widerstand aus den USA

Will Nelini Stamp den Demonstranten ausrichten - und über den Mann sprechen, gegen den sie sich in ihrer Heimat einsetzt: Donald Trump.
Interview von Nadja Schlüter
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    Foto: privat

Die US-Amerikanerin Nelini Stamp, 29, ist seit acht Jahren politisch aktiv. Sie war als Aktivistin bei „Occupy Wall Street“ und „Black Lives Matter“ dabei und arbeitet für die linke „Working Families Party“. Seit der Wahl von Donald Trump organisiert sie Widerstand gegen den US-Präsidenten – zum Beispiel die wöchentlichen Protestaktionen an den „Resist Trump Tuesdays“ oder Demonstrationen gegen den sogenannten „Muslim Ban“ am John-F.-Kennedy-Flughafen ihrer Heimatstadt New York.

Dort ist sie am Donnerstagabend auch in den Flieger nach Deutschland gestiegen. An diesem Sonntag ist sie neben Vertretern von Greenpeace, Campact und den NaturFreunden eine der Eröffnungsrednerinnen bei der „G20 Protestwelle“ in Hamburg. Am Telefon hat sie uns erzählt, warum sie extra angereist ist und was sie sich von dem Protest erwartet.

 

jetzt: Nelini, wie kam der Kontakt nach Hamburg zustande?

Nelini Stamp: Die Organisatoren der Demonstration haben mich angesprochen, weil sie bei ihrer Aktion gerne jemanden dabei haben wollten, der die Vielfalt in den USA repräsentiert – und ich bin Afro-Latina, also schwarz und habe gleichzeitig lateinamerikanische Wurzeln. Ich habe es nach der Anfrage als meine Pflicht empfunden, herzukommen und globale Solidarität zu signalisieren. Ich will zeigen, dass die USA immer noch an der Seite der globalen Gemeinschaft stehen. Dass viele von uns gegen Trump sind.

 

Durch Trump ist deine Arbeit also wichtiger geworden?

Globale Solidarität war immer schon wichtig. Aber in den letzten ein bis zwei Jahren hat sich da schon noch mal etwas verändert, weil der Nationalismus und rechte Parteien weltweit stärker geworden sind.

Worüber wirst du in deiner Rede vor den Demonstranten sprechen?

Über Trump, über seine Immigrationspolitik vor dem Hintergrund der weltweiten Flüchtlingskrise, über den Klimawandel, den er leugnet, über seine Rolle im globalen Aufstieg des Nationalismus. Und, obwohl ich natürlich nicht für alle sprechen kann, will ich Grüße vom Widerstand aus den USA ausrichten. Die Menschen, die morgen in Hamburg auf die Straße gehen, um ihre Stimmen zu erheben, sollen wissen, dass wir auf ihrer Seite sind.

 

Wenn du Trump, Merkel und den anderen Mitgliedern der G20 persönlich etwas sagen könntest, was wäre das?

Ich würde ihnen sagen, dass sie meinen Präsidenten… halt, ich hasse es, zu sagen, dass er mein Präsident ist. Also: Ich würde ihnen sagen, dass sie den Präsidenten der USA auf der internationalen Bühne zur Verantwortung ziehen müssen. Dass sie alles in ihrer Macht stehende tun müssen, damit die USA sich wieder zum Pariser Klimaabkommen bekennen. Und ich würde sie herausfordern, die globale Finanzindustrie zu überdenken und umzubauen. Weltweit herrscht ein extremes ökonomisches Ungleichgewicht und ich habe wirklich Angst vor der nächsten Finanzkrise. In den USA kann man beobachten, wie der Wohnungsbau und die Bildung finanziell ausgenutzt werden und wie sich junge Menschen hoch verschulden. Daran muss sich dringend etwas ändern.

 

Welchen Eindruck hast du bisher von der deutschen Protestkultur?

Ich bin ja gerade erst angekommen, aber ich habe schon mitgekriegt, dass es in Hamburg eine Bootsdemo geben wir. Das ist mal was anderes, ich finde das sehr kreativ! Und ich habe das Gefühl, dass die Leute hier mit sehr viel Freude dabei sind. Nicht, weil sie so gerne kämpfen, sondern, obwohl sie kämpfen müssen. Das macht Menschen sehr widerstandsfähig: Wenn sie sich ihre Freude bewahren, obwohl es um so etwas Ernstes geht.

 

Sind die Aktivisten in den USA im Vergleich dazu wütender?

Das würde ich so nicht sagen. Aber unter jungen Menschen in den USA gibt es zumindest eine gewisse Wut-Kultur, das hat man ja an „Occupy“ und an „Black Lives Matter“ gesehen. Da waren und sind viele dabei, die Obama gewählt haben und jetzt enttäuscht sind, weil das, was er erreichen wollte, nicht eingetreten ist. Aktuell fühlt sich der Protest außerdem sehr neu an, weil viele, die sich gegen Trump engagieren, zum ersten Mal dabei sind. Es gab in den USA immer wieder Phasen mit Massenprotesten. In den letzten Jahren war keine solche Phase, darum fängt jetzt gerade ein neuer Protest-Zyklus an.

 

Was ist für dich guter Aktivismus?

Aktivismus ist, wenn Menschen zusammenkommen, um sich für etwas einzusetzen – unabhängig davon, für was. Und auch unabhängig davon, in welcher Form sie das tun: ob mit zivilem Ungehorsam, einem großen Protestmarsch oder auch einer Aktion wie der aktuellen von Lin-Manuel Miranda. 

 

Dem Autor des extrem erfolgreichen Musicals „Hamilton“. Was hat er gemacht?

Er hat ein Video zu seinem Song „Immigrants (We Get The Job Done)“ gedreht und setzt sich damit für Einwanderer ein. Das ist für mich guter Aktivismus: Wenn ein Mensch die Möglichkeiten, die er hat, nutzt, um Stellung zu beziehen. 

 

Welche Protestform magst du selbst am liebsten?

Ich persönlich mag Protestmärsche sehr gerne, weil Menschen da wirklich physisch gemeinsam unterwegs sind, das ist ein tolles Gefühl. Aber manchmal rufe ich auch einfach gerne meine Nachbarn an, um sie davon zu überzeugen, ihren Senator unter Druck zu setzen oder für etwas abzustimmen. Es gibt für jedes meiner Bedürfnisse eine Form, es auszudrücken.

 

Was erwartest du vom Protest am Sonntag in Hamburg?

Dass viele Menschen da sein werden, darauf freue ich mich sehr! Ansonsten… ich weiß gar nicht, ich war ja noch nie hier! Ich denke, dass wir viel über Trump sprechen werden. Vor allem wegen des Ausstiegs aus dem Klimaabkommen und weil Merkel ihn dahingehend vermutlich weiter unter Druck setzen wird. 

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