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"Ich könnte der AfD mindestens noch 20 Prozent mehr rausholen"

Satiriker Shahak Shapira knöpft sich mal wieder die AfD vor. Aber hilft er der Partei damit nicht vielleicht auch ein Stück weit?
Interview von Christina Waechter

 jetzt: Shahak, du hast ein paar kreative Alternativ-Ideen für die Werbekampagne „Trau dich, Deutschland“ veröffentlicht, mit der die AfD in den Wahlkampf zur Bundestagswahl ziehen will. Die sind ein beliebtes Ziel deines Spottes, oder?

Shahak Shapira: Ach, ich mach das ja nicht nur bei der AfD, aber bei denen schon besonders gerne, weil die immer so tolle Steilvorlagen liefern. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, weil ich mittlerweile oft selbst gar nicht mehr weiß, ob das wirklich ernst gemeint ist, was die veröffentlichen. Und dann wird es natürlich deutlich schwieriger, das auch noch satirisch zu überhöhen.

 

Meinst du, die Partei wollte versuchen, ihre Aussagen mal mit Humor zu verkaufen, was ihnen aber nicht gelungen ist?

Der AfD gelingt so vieles nicht. Im aktuellen Fall waren das Kampagnen-Vorschläge, die der Stern letzte Woche veröffentlicht hat.

Ich finde es allerdings schade, dass die AfD ihr vollstes Potenzial nicht ausschöpft. Ich schätze, das liegt einfach daran, dass es keine Werbeagentur gibt, die mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Wenn ich die Kampagne machen würde, wäre sie sehr viel besser. Ich könnte der AfD mindestens noch zehn bis zwanzig Prozent mehr rausholen.

 

Ist das dein Ernst? 

Selbstverständlich. Man kennt und schätzt mich für meine seriöse Art. Die Sache ist nun mal die: Viele Inhalte der AfD, wie z.B. religiöse Hetze, stehen im Konflikt mit dem deutschen Grundgesetz. Da muss man sich schon einiges einfallen lassen, wenn man verfassungswidrige Inhalte seiner Zielgruppe schmackhaft vermitteln will. Als erfahrener Werber und Eingeweihter der zionistischen Weltverschwörung, verfüge ich über die nötigen Fähigkeiten, um die AfD so erfolgreich zu machen wie ihre Vorbilder: Trump, Goebbels und Gargamel.  

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      Foto: Shahak Shapira
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      Foto: Shahak Shapira
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      Foto: Shahak Shapira
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      Foto: Shahak Shapira
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      Foto. Oliver das Gupta

 

Verschaffst du der Partei nicht noch mehr Aufmerksamkeit, wenn du dich so sehr mit ihr beschäftigst?

Das bemängeln manchmal Leute, aber ich finde diesen Gedanken absurd. Ich kenne die Theorie, dass auch schlechte Werbung gut für das Produkt ist, aber das stimmt einfach nicht.

 

Man kann sich aber auch weigern, ihnen immer wieder eine Plattform zu geben.

Ich habe noch keine Indizien gesehen, dass es der Partei sonderlich genutzt hätte, wenn man sich kritisch mit ihr auseinandersetzt. Im Gegenteil: Als die Holocaust-Rede von Bernd Höcke (der Mann heißt eigentlich Björn Höcke, Anm. d. Red.) veröffentlicht wurde, hat das die Partei viele Prozente gekostet, gerade weil alle darüber geredet und es aufgearbeitet haben.  

Im Übrigen leben wir nicht in einem Land voll mit 80 Millionen Vierjährigen. Die Leute können schon selbst entscheiden, wofür sie sich interessieren und was sie tun. Ich finde es geradezu manipulativ zu sagen, wir dürften dieser Partei keine Plattform geben. Außerdem ist es verantwortungslos, den Menschen nicht zur Seite zu stehen, die von dieser Hetze betroffen sind. Man muss ihnen signalisieren, dass sie nicht alleine stehen, und dass Hetzer in Deutschland generell als Larrys erster Güte gelten. 

 

Das heißt, du wirst dich weiter der AfD widmen?

Mal gucken... Ich konzentriere mich jetzt nicht ausschließlich auf die AfD, aber manchmal bringen sie halt einfach Sachen, die man einfach aufgreifen muss. Und im Vergleich zu den anderen Parteien, denen ich mich ja durchaus ebenfalls widme, bekommen sie schon ein bisschen mehr ab. Aber die anderen Parteien hauen solche Dinger nun mal nicht so oft raus wie die Frauke & Friends. 

   

Mehr über Shahak und seine Projekte:  

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