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30 Fakten zum 30. Geburtstag des Walkman

Alles Gute, liebes Auslaufmodell: Der Walkman wird in dieser Woche 30 Jahre alt. Ein guter Termin für 30 retrogetränkte Fakten über den verdrängten Jubilar
jetzt-redaktion

1. Der erste Walkman wurde am 1. Juli 1979 hergestellt und hatte den Produktnamen „TPS-L2“. Er kostete 125 Dollar. 2. Sony hatte anfangs 30.000 Stück des neuen Abspielgeräts produziert – die waren innerhalb von acht Wochen vergriffen. Denn schon zwei Monate nach Markteinführung wurden in Japan pro Monat mehr als 50.000 Stück verkauft. 3. Der allererste Entwurf für einen Walkman war ein Jahr zuvor bei Sony entstanden. Das Gerät mit dem Namen TC-D5 hatte eine hervorragende Soundqualität, die jene der meisten Kassetten-Decks bei weitem übertraf. Der TC-D5 war zudem sehr einfach zu bedienen. Einziges Problem: Das Gerät hätte im Handel fast 1.000 Dollar gekostet und war so schwer, dass man es kaum transportieren konnte. 4. Bis 2004 hat Sony weltweit insgesamt 335 Millionen Geräte verkauft. 5. Eine Erfolgsgeschichte wie der Walkman sich durchlebte, hat selbstverständlich auch ihren eigenen Gründermythos. Im Falle des Walkman geht der folgendermaßen: Weil er auf langen Dienstreisen unbedingt seine geliebten Komponisten Bach und Beethoven hören wollte, soll Sony-Chef Masaru Ibakas seine Mitarbeiter angewiesen haben, ein Gerät zu entwickeln, das ihm genau das ermöglichen würde. Und weil die Entwickler gerade an einem neuartigen portablem Abspiel- und Diktiergerät für Journalisten namens „Pressman“ arbeiteten, dauerte die Umrüstung desselben in ein transportables Musikabspielgerät nur vier Tage. 6. Allerdings hatte schon zwei Jahre vorher der Deutsche Andreas Pavel ein Patent angemeldet für eine „körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen“. Der Rechtsstreit zwischen Pavel und Sony zog sich ganze 25 Jahre hin und endete mit einem millionschweren Vergleich. 7. Das Gefühl, zu Musik aus dem Haus zu treten, die Umwelt ausblenden zu können und einen beschwingten Takt für den ermüdenden immer gleichen Gang zur U-Bahn ins Ohr geblasen zu bekommen, war eine radikale Neuerung. Doch selbstverständlich gab es auch zu diesem kulturellen Phänomen genug Mahner und Warner. Die freiwillge Isolation und Abgeschiedenheit von der Umwelt, in die sich die Walkman-Träger begaben, sahen viele Kulturpessimisten als Anzeichen einer zunehmenden Anonymisierung der Gesellschaft. 8. Ursprünglich sollte der Walkman unterschiedliche Namen bekommen: "Stowaway" in England, "Soundabout" in den USA oder "Freestyle" in Schweden. 9. Was man am Anfang der Walkmanhörer-Karriere immer aus Versehen gemacht hat: mit viel zu lauter Stimme mit anderen Menschen zu sprechen versuchen, weil man irriger Weise der Ansicht war, dass man auch für sie die Musik übertönen müssten, die man gerade hörte. 10. Erstaunlicherweise kann man dieses Phänomen bei mp3-Player-Benutzern nicht mehr feststellen – was möglicherweise mit der viel gepriesenen Medienkompetenz der so genannten „Digital Natives“ zu tun hat. Auf der nächsten Seite: Tipps zum Wieder-Benutzen des Walkman, die Erinnerung an den Walkman-Kopfhörer und der korrekte Plural des eingedeutschten Worts.


11. Sollte man in den Untiefen von Grabbelkisten noch ein altes Gerät finden und es verwenden wollen, steht man vor einem Problem: Die eigenen Kassetten hat man sehr wahrscheinlich beim letzten Umzug weggeworfen und neue gibt es im Fachhandel kaum mehr zu kaufen. Doch zwei Bezugsquellen gibt es noch: Flohmärkte und fast alle Autobahnraststätten dieser Welt. Eigenartigerweise gibt es dort neben eingeschweißten Salamiwürstchen und Benzin fast immer auch Kassetten mit Musik von den Flippers und Dolly Parton zu kaufen. Letztere ist im Gegensatz zu den Flippers im Übrigen durchaus zu empfehlen. 12. „Walkman“ war ursprünglich nur die Modellbezeichnung des Kassettenabspielgeräts von Sony – hat sich aber, ähnlich wie „Tempo“ oder „Tesa“ im deutschen Sprachgebrauch zum Synonym für das mobile Kassettenabspielgerät entwickelt. 13. Eine Kassette hat entweder eine Dauer von 60 oder 90 Minuten. Mehr war nicht drin. Heute hat der iPod so viel Speicherplatz, dass ihn fast kein Mensch füllen kann. Was bei manchen Menschen zu depressiven Verstimmungen führen kann. Dafür bekommen iPod-Hörer aber keine selbstgemixten Tapes von Verehrern geschenkt, die sie durch stundenlanges Anhören nach unterschwelligen Botschaften absuchen müssen. 14. Die ersten Kopfhörer waren aus Metall mit Schaumstoff-bezogenen Hörmuscheln. Bald danach kamen schon die kleinen Stöpsel, die man sich ins Ohr stöpseln konnte. Und in einer kleinen Retro-Welle die großen DJ-Kopfhörer, mit denen man seine ernsthafte Musikliebhabertum demonstrierte, dabei aber verschwitzte Ohrmuscheln bekam. 15. Was passiert, wenn man heute einem 13-jährigen einen Walkman in die Hand drückt und wie lange er braucht, bis er kapiert, dass man Kassetten auch umdrehen kann, kannst du hier lesen. 16. Gibt es so seit dem Ende des Walkman auch nicht mehr: Den Spruch, der lange in Münchner S-Bahnen zu lesen war: „Aus dem Walkman tönt es grell, dem Nachbarn juckts im Trommelfell“ 17. Schon bald folgte auf den Walkman der Discman, der in den 1990er Jahren das coole Gerät für alle coolen Kids war. Einziges Problem: weil das Gerät so empfindlich war, konnte man sich damit kaum bewegen. Dafür war man im Zug bei Klassenfahrten der König. 18. Wichtigster Elternsatz zur Einführung des Walkman: „Stell das Ding leiser, du wirst sonst taub.“ 19. Wichtigster Kindersatz zur Einführung des Elternsatzes: „…hast du was gesagt? Ich kann dich gar nicht verstehen.“ 20. Laut Sony ist der Plural von Walkman übrigens nicht „Walkmen“ oder „Walkmans“, sondern „Walkman Personal Stereos“. Auf der nächsten Seite: Der Pressman-Knopf, ein Walkman-Buch und die wichtigste Filmszene mit dem Abspielgerät.
21. Das erste Walkman-Modell war auf Kommunikation ausgerichtet: Er nicht nur zwei Eingänge für Kopfhörer, damit man mit einem Freund Musik hören konnte, sondern auch noch ein eingebautes Mikrofon, in das der eine Hörer sprechen konnte und damit mit dem anderen Hörer über die Musik kommunizieren konnte. Dieser „Pressman“-Knopf wurde allerdings mit der nächsten Walkman-Generation abgeschafft. 22. Die Einführung des Walkmans hatte auch großen Einfluss auf den Verkauf von Kaufkassetten. In den USA wurden 1983 236 Millionen Kassetten verkauft und überholten damit erstmals das bis dahin populärste Medium Langspielplatte. 23. Die Einführung des Walkman hatte aber nicht nur Einfluss auf die Musikindustrie, sondern war auch verantwortlich für zunehmende sportliche Betätigungen der Amerikaner. Laut der „National Sporting Goods Association“ steigerte sich mit Einführung des Geräts die Zahl der Menschen, die „Exercise Walking“ betrieben um 30 Prozent, die der Fitnessgeräte-Benutzer um 41 Prozent und die der Wanderer um 65 Prozent. 24. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes 1995 war “jeder vierte Teen und Twen durch Walkmans hörgeschädigt.“ 25. Der letzte Kassetten-Walkman, das Modell „WM-FX290“, wurde 2002 auf den Markt gebracht. 26. Besonderes Highlight in der Karriere des Walkman: die Unterwasser-Version, mit der man das Gerät angeblich auch im Wasser (Pool, Meer, Schwimmbad) nutzen konnte. 27. Auch als Mini-Disc-Player trat der Walkman auf. Letztlich aber mit wenig durchschlagendem Erfolg. 28. Für alle, die es genau wissen wollen, hier noch ein Buchtipp: Doing Cultural Studies: The Story of the Sony Walkman Paul Du Gay, Stuart Hall und Linda Janes nimmt es genau. 29. Die vielleicht bekannteste Filmszene mit Walkman-Einsatz stammt aus dem 1980er-Teeni-Streifen „La Boum – Die Fete“ mit Sophie Marceau in der Hauptrolle als Vic. In jener Szene tanzen ihre Teenager-Freunde auf einer Party zu Tanzmusik Eurodiscobeat-Tanzschritte (ungefähr so: Tap, Tap, Seitwärts, Seitwärts). Da nähert sich geschmeidig von hinten ihr Exfreund Mathieu, stülpt ihr Walkman-Kopfhörer über die Ohren und fängt an, mit ihr zu Richard „Dreams Are My Reality“ Sanderson den Stehblues zu tanzen, was kollektive Schmachtanfälle beim Kinopublikum zur Folge hatte. 30. Stellt sich nur die Frage: Wie konnte der smarte Mathieu ganz ohne Kopfhörer so geschmeidig den Takt halten?

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