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Ausgetrickst

Unangenehm: Gesperrte Youtube-Videos. Der 17-jährige Malte Götz hat Proxtube entwickelt, mit dem sich die Sperren einfach umgehen lassen. Mehr als 1,7 Millionen haben sich darüber schon gefreut.
lena-niethammer

Malte Götz war genervt. So genervt, dass er dachte: Da muss ich was tun. Was er getan hat, hat in den vergangenen Wochen mehr als 1,7 Millionen Menschen ein bisschen glücklicher gemacht.

 

Maltes Situation war eine alltägliche, eine Situation, die die meisten kennen, die Musik im Internet konsumieren. Ein Freund teilt bei Facebook ein Youtubevideo, schreibt am besten noch dahinter, es sei der beste Song ever. Man klickt auf Play, und sieht die Mitteilung: „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar. Es tut uns leid.“ Natürlich kann man diese Sperren mit Internetseiten umgehen, die das Video über einen Server in den USA laden. Doch das ist zeitaufwändig. Man muss den Link kopieren, die Seite öffnen, den Link einfügen und warten, bis das Video geladen ist. Sobald man mehrere Videos hintereinander gucken möchte, fängt dieser Ablauf an zu nerven. So ging es auch Malte.

 

Malte Götz. Kleiner Schüler, großer Programmierer.

 

Drei Tage schuftete er durch. Entstanden ist Proxtube, eine Browsererweiterung für Firefox und Google Chrome. Einmal heruntergeladen, entsperrt Proxtube automatisch Videos, die nicht verfügbar sind. Für den Nutzer ist nur ein kleiner Ladekreis zu sehen, nach wenigen Sekunden ist das Video zum Anschauen bereit. Dabei bleibt das Prinzip das Gleiche wie bei hidemyass und den anderen Seiten. Auch Proxtube benutzt einen Server in den USA, der seine IP-Adresse hinterlässt und so Youtube vorspielt, man komme nicht aus Deutschland.

Ist das denn legal?. „Ist es“, sagt Malte. „Aber es ist auch nicht ganz einfach“, fügt er hinzu. Grundsätzlich seien zwei Dinge zu beachten: Einmal die Nutzerbedingungen von Youtube. Die würden nichts Konkretes dazu sagen. Dann kommt das Urheberrecht ins Spiel. Laut Malte verstoße Proxtube nicht dagegen, schließlich stellen die meisten Plattenfirmen selbst die Videos bei Youtube rein. Das bloße Betrachten des Streams erfülle keinen Tatbestand. Auch nicht mit Umgehung der Ländersperre. Bestätigt hat das Malte auch Rechtsanwalt Jens Pauleit, der der Rechtslage genauer nachgegangen ist.

 

Die GEMA zeigte sich in der Zwischenzeit positiv gestimmt. In einem Pressesprecherin Bettina Müller Fragen stellen. Malte nutzte die Gelegenheit und schickte eine Mail, in der er sie nach ihrer Meinung zu seiner Browsererweiterung fragte. Sie sagte, dass es sie freuen würde, wenn die Videos zu sehen seien, schließlich wäre es nicht die GEMA, die die Videos sperrt, sondern Youtube. Trotzdem bleibe ihr Ziel eine Lizenzierung für die Musik-Urheber. Auch Malte sieht das Problem viel eher bei Youtube. „Die GEMA zieht zwar all den Hass auf sich, dabei ist es Youtube, das sich endlich den Forderungen stellen sollte.“

 

Proxtube ist kostenlos erhältlich auf . Mehr als 1,7 Millionen Personen haben es bisher runtergeladen. Bis vor ein paar Tagen gab es Proxtube auch im App-Store von Google Chrome, fünf Monate lang. Doch in einer Mail teilte Google Malte mit, dass er damit die Sicherheitsbedingungen von Youtube umgehen würde. Genauere Begründungen, zum Beispiel gegen welche Sicherheitsbedingung genau er verstoße? Fehlanzeige, über Nacht verschwand Proxtube aus dem App-Store. „Das Problem ist, dass Youtube Google gehört. Hätten sie Proxtube drin gelassen, wäre das taktisch unklug der GEMA gegenüber“, sagt Malte.

 

Geschadet hat es ihm aber nicht. Viele Blogs griffen das Thema nach der Löschung auf und brachten ihm mehr Downloads als je zuvor. Doch trotz des großen Erfolges will Malte in erster Linie Schüler bleiben. „Ich versuche das Gymnasium in den Vordergrund zu stellen. Immer. Auch wenn es manchmal schwierig ist.“ Trotzdem, seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Programmieren. Neben Proxtube arbeitet er zusammen mit Microsoft oder dem ZDF an Apps für Windows Phone 7. Der nächste Mark Zuckerberg? Malte lacht. „Vielleicht. Aber nicht mit Proxtube.“

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