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Comeback am Handgelenk?

In New York schaut man sich jetzt aufs Handgelenk. Denn der jüngste Retro-Trend ist in Wahrheit sehr alt: die Armband-Uhr
julia-janke



Die Trendsetter hier in New York sind wie immer fleißig am Einkaufen, diesmal: Uhren. Genauer gesagt Armbanduhren, die liegen mittlerweile neben begehrten alten Brillengestellen auf dem Flohmarkt und auch die wichtigen Modegeschäfte haben hier mehrere Uhrenmodelle in ihren Frühjahrskollektionen. Sie sind gold oder silber, korrigiere: vergoldet oder versilbert und kommen fast ausschließlich mit Ziffernblatt.

 Aber wo kommt die neue Begeisterung für dieses fast antike Accessoire her? Catherine Moellering ist sich in der New York Times der Antwort sicher: „Für die Altersgruppe der 11- bis 17-Jährigen ist die Armbanduhr an sich etwas völlig Neues. Und neu ist gut.“

 Moellering ist Vizepräsidentin der renommierten New Yorker Beraterfirma Tobe, welche jedes Jahr Trendreports für den Einzelhandel abliefert. Sie weiß, was die Leute morgen kaufen wollen und sie ist der Meinung, dass sich die Armbanduhr über die Jahre komplett aus dem Leben der „jungen Konsumenten“ verabschiedet hat, so dass jetzt wahrscheinlich der richtige Zeitpunkt ist, ihnen dieses neue Ding schmackhaft zu machen. Es sieht deswegen verdammt nach der Rückkehr der guten alten Armbanduhr aus. Und auch wieder nicht. Denn neben den Vintage-Modellen, die den Anschein erwecken sollen, als hätte sie der junge Konsument von Oma geerbt, wird von der Uhr heutzutage noch viel mehr verlangt, als dass man nur die Zeit ablesen könnte.
Hersteller wie Seiko oder HP kommen deswegen mit Bluetooth-Verbindungen und hochauflösenden Displays um die Ecke, mit Uhren, die sich selbst stellen oder mit Solarenergie funktionieren, also nicht mehr zum Batteriewechsel ins Kaufhaus gebracht werden müssen - denn ganz ehrlich: Wer geht da schon noch hin?

Sogar der iPod kann mittlerweile auf ein Armband geschnallt werden. Das aktuelle Nano-Modell ist klein, quadratisch und kann die Zeit im Vollbild anzeigen. Zeitgleich Musik hören wäre allerdings eher unpraktisch. (Wo verlegt man da die Kopfhörer?) Casio hat währenddessen die Baby-G wieder auf dem Markt, ein Monstrum in Pastellfarben, dass Ende der Neunziger eigentlich neben Buffalo-Plateauschuhen begraben wurde. Sie kann außer Zeit anzeigen und leuchten nicht viel, und trotzdem hält Popstar Kesha ihr Gesicht und Handgelenk für sie hin. Nicht nur bei Casio steht die Armbanduhr wieder für „Glamour“, auch wenn sie gar nicht so aussieht. Ähnlich sehen das auch viele Modeblogger. Garance Doré zum Beispiel fotografierte auf den zurückliegenden Frühjahrsmodenschauen die Beweise und trägt selbstverständlich auch selbst diverse Exemplare.

Trendberaterin Moellering sieht trotz der Schlagworte „in“ und „neu“ aber auch die Chance auf das lebenslange Verweilen am Handgelenk des Armbanduhr-Neulings. Immerhin sei so eine Uhr ein relativ kostengünstiges Accessoire, sagt sie, und wer einmal damit begänne, sie regelmäßig zu nutzen, könnte sich an sie gewöhnen. Genau das Gleiche dachten sich allerdings auch die Elterngeneration, als sie ihren Kindern ein eher kostengünstiges Exemplar zur Konfirmation oder dem 18. Geburtstag schenkten und dazu die Worte: „Die wirst Du ewig haben!“ Die Beschenkten sind heute als die Menschen bekannt, die immer auf ihr Telefon gucken, wenn sie nach der Zeit gefragt werden. Natürlich könnte die Armbanduhr auch für sie zurückkommen, aus der Schreibtischschublade hinten links. Nur die Batterie müsste vorher noch mal gewechselt werden.

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