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Da, wo man Weggle sagt

Wolfgang Thierse lästert über zugezogene Schwaben in Berlin, weil die beim Bäcker einfach keine Schrippen bestellen wollen. Deshalb: Ein Schwaben-ABC zur Völkerverständigung.
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Alemannen 
Keine Schwaben ohne Alemannen. Die Alemannen waren eine antike Bevölkerungsgruppe, die unter anderem auf dem heutigen Gebiet Schwabens (siehe Ländle) lebten. Bereits im frühen Mittelalter verwendete man "Schwaben" aber als Synonym für die Allamannen. Bis im Heiligen Römischen Reich das Gebiet des "deutschen" Königreichs zu "regnum Alamanniae" wurde und Alamannia fortan für ganz Deutschland stand. Heute wird "deutsch" zum Beispiel in Frankreich immer noch mit "allemand" übersetzt.

Baden
Seit 1952 leben die Bewohner Badens und Schwabens zwangsvereinigt im gemeinsamen Bundesland Baden-Württemberg. Die "Badenser" sind den Schwaben ein scherzhaft, aber eifrig gepflegtes Feindbild, welche umgekehrt genauso leidenschaftlich über die "Sauschwaben" schimpfen.  

Chimperator
Independent-Label aus Stuttgart. Steht für superpoppigen Hip-Hop, Aushängeschilder sind Pandamaskenträger Cro und Die Orsons. Nach den Fantastischen Vier und Freundeskreis der jüngste Beweis, dass chartstauglicher, familienkompatibler Rap meistens aus Schwaben kommt.  

Dialekt
Den heimatlichen Dialekt wird der Schwabe fast nie komplett los, auch wenn er seit Jahrzehnten in Hamburg oder Berlin lebt. Ein „sch“, wo es auf Hochdeutsch „s“ hieße, oder ein „d“ an der Stelle von „t“ verrät seine Herkunft. Das stört allerdings eher die Nicht-Schwaben als die Schwäbisch-Schwätzer. Die Baden-Württemberger insgesamt kokettieren mit diesem Unvermögen sogar ganz gern, siehe Imagekampagne [link=http://www.wir-koennen-alles.de" target="_blank">„Wir können alles. Außer Hochdeutsch“. 

Essen
Neben Autos (siehe Mercedes) der schwäbische Exportschlager überhaupt. Besonders beliebt sind Maultaschen (niedlich-folkloristisch auch als Herrgottsbscheißerle bezeichnet) und natürlich Kässpätzle. Spätzle müssen zwingend selbstgemacht sein, gerne auch unter Einbeziehung unterschiedlicher Käsesorten. Wer einen echten Schwaben schocken will, kauft im Supermarkt folglich getrocknete Spätzle.    

Fan, prominenter
Die schwäbische Küche hat sich dank solch bodenständiger Köstlichkeiten auch manch prominenten Befürworter eingehandelt. Goethe zum Beispiel pflegte nicht nur eine gewisse Italienbegeisterung, sondern auch für schwäbisches Essen und schrieb gar: „Lasst uns nach Schwaben entfliehen! Hilf Himmel! Es findet sich süße Speise da und alles Guten in Fülle...“  



Geiz
Professionelle Witzeerzähler diskutieren noch, ob Schotten oder Schwaben die wahren Geizhälse sind. Die Schwaben selbst würden sich selbstverständlich eher Sparsamkeit attestieren: Hier wird nichts weggeschmissen, was man nochmal gebrauchen könnte. Angeblich rührt das achtsame Verhältnis zum Geld daher, dass das heute so wohlhabende Schwaben früher eine arme Region war und die vielen kleinen Bauern auf der Schwäbischen Alb vorsichtig mit Ressourcen umgehen mussten.

Häusle
Das Eigenheim ist wichtig. Welcher echte Schwabe würde schon Miete zahlen und damit bares Geld an den Vermieter verschenken, wenn er nicht muss? (siehe Geiz) Hartnäckigen Gerüchten zufolge gibt es nirgendwo sonst in Deutschland so viele Bausparkassen und Bausparverträge wie in Schwaben.    

Integration
Klappt in Stuttgart besser als in der Hauptstadt, obwohl der Migrantenanteil in der Bevölkerung höher ist.

Justinus Kerner
Arzt und Dichter, Texter der Schwaben-Hymne von 1818:
http://www.youtube.com/watch?v=eGGLN-zrTd0
Wer mitsingen möchte, kann den Text

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